Berlin. Beinahe die Hälfte der Männer (44 Prozent) konsumiert so viel Alkohol, dass das Risiko für gesundheitliche Schäden leicht bis deutlich erhöht ist. Bei Frauen beträgt der Anteil mehr als ein Fünftel. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer Neubewertung des Alkoholkonsums in Deutschland, die das Robert Koch-Institut (RKI) jetzt vorgestellt hat. Das RKI bestätigt zudem aktuelle Forschungsergebnisse, nach denen es keinen risikofreien Alkoholkonsum gibt.
Forschungsergebnisse bestätigen: Risikoarmen Konsum von Alkohol gibt es nicht
Nach Angaben des RKI ging die Forschung in der Vergangenheit mitunter von der Annahme aus, es gäbe einen risikoarmen Konsum. Neuere Forschung zeige jedoch, dass bereits kleine Mengen schädlich sein können und dass die Grenze zu riskantem Konsum niedriger anzusetzen ist als bislang angenommen.
Die aktuelle Analyse ist Teil des „Journal of Health Monitoring“ und basiert auf repräsentativen Daten der Gesundheitssurveys des RKI. Ziel war es, den Alkoholkonsum der erwachsenen Bevölkerung systematisch neu einzuordnen. Grundlage bilden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu den gesundheitlichen Risiken von Alkohol. Insbesondere wurde dabei berücksichtigt, dass selbst geringe Mengen mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Krankheiten verbunden sind.
Riskanter Konsum: Deutliche Unterschiede zwischen Geschlechtern und Altersgruppen
Die RKI-Daten zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer konsumieren im Durchschnitt mehr Alkohol und überschreiten deutlich häufiger die Grenze zum riskanten Konsum. 44 Prozent erreichen Werte, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Schäden verbunden sind. Bei Frauen ist der Anteil nur halb so groß, es handelt sich aber dennoch um mehr als jede fünfte Frau. Damit wird Alkohol in Deutschland weiterhin von einem relevanten Teil der Bevölkerung in riskanten Mengen konsumiert.
Neben den Geschlechterunterschieden zeigt sich ein klares Muster auch bei den Altersgruppen. Besonders auffällig ist der Konsum bei Männern im mittleren Alter. In der Gruppe der 45- bis 64-Jährigen erreicht mehr als die Hälfte riskante Mengen. Bei den jüngeren Erwachsenen ist der Anteil niedriger, jedoch keineswegs unproblematisch. Auch hier überschreiten signifikante Teile der Bevölkerung die Grenzen. Frauen zeigen insgesamt ein ähnliches Muster: In den mittleren Altersgruppen ist der Anteil am höchsten, während er in jüngeren und älteren Gruppen geringer ausfällt.
Methodische Grundlagen der Neubewertung des Alkoholkonsums
Für die Neubewertung nutzte das RKI international etablierte Kriterien zur Risikoabschätzung. Maßgeblich sind die durchschnittlich konsumierten Alkoholmengen, die auf Grundlage von Befragungsdaten berechnet werden. Die Einordnung erfolgte in Kategorien wie „kein Risiko“, „leicht erhöhtes Risiko“ und „deutlich erhöhtes Risiko“.
Als moderat riskant gilt bei Männern ein durchschnittlicher Konsum von 10 bis 40 Gramm reinem Alkohol pro Tag, bei Frauen von 10 bis 20 Gramm. Werte oberhalb dieser Schwellen gelten als deutlich erhöhtes Risiko. 10 Gramm reiner Alkohol entsprechen dabei in etwa einem kleinen Glas Bier (0,25 Liter) oder einem Glas Wein (0,1 Liter).
RKI: Alkoholkonsum mindert auch die Lebenserwartung
Die Risiken, die mit Alkohol verbunden sind, betreffen ein breites Spektrum von Erkrankungen. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Lebererkrankungen und psychische Störungen. Auch Unfälle und Verletzungen stehen in engem Zusammenhang mit Alkoholkonsum. Das RKI macht deutlich, dass insbesondere chronischer Konsum in riskanten Mengen die Lebenserwartung verringert. Darüber hinaus sind alkoholbedingte Krankheiten eine erhebliche Belastung für das Gesundheitssystem.
Konsequenzen für Prävention und Gesundheitsförderung
Die Neubewertung des RKI orientiert sich auch an internationalen Entwicklungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist seit Jahren darauf hin, dass es keine sichere Konsummenge gibt. Entsprechend passen immer mehr Länder ihre Empfehlungen an und senken die Grenzen für riskanten Konsum. Das RKI stellt klar, dass die neuen Ergebnisse für die Gesundheitskommunikation von zentraler Bedeutung sind. Für die Praxis bedeute dies, dass bestehende Kampagnen und Informationsmaterialien überarbeitet werden müssen. Ziel müsse es sein, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären, dass riskanter Konsum häufiger vorkommt als bislang angenommen. Auch Ärzte seien angehalten, ihre Beratung stärker an den aktualisierten wissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten.










