Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ) reagiert mit scharfer Kritik auf die Forderung des AOK-Bundesverbands, die seit 2023 eingeführte Entbudgetierung in der Kinder- und Jugendmedizin rückgängig zu machen.
„Eine solche Forderung zeigt deutlich, dass die Krankenkassen offenbar immer noch nicht begriffen haben, was es für Kinder- und Jugendarztpraxen all die Jahre bedeutet hat, als der hohe tatsächliche Arbeitsaufwand nur teilweise finanziell vergütet wurde“, sagt Dr. Michael Hubmann, Präsident des BVKJ. Die ambulante Versorgung von Kindern und Jugendlichen werde so aufs Spiel gesetzt. „Frau Reimann lade ich herzlich ein, einen Arbeitstag in meiner Praxis zu verbringen. Vielleicht verschafft ihr dieser Einblick ein besseres Verständnis für die Realität der Versorgung von Kindern und Jugendlichen, darunter auch ihre Versicherten.“ Eine Ausweitung unbezahlter Mehrarbeit für Ärzte und Praxisteams sei nicht zumutbar.
Versorgung gefährdet
Laut Hubmann wirke es, als hätte die AOK die langfristigen Interessen ihrer Versicherten nicht im Blick. „Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Generationenwechsels in den Praxen steht die ambulante pädiatrische Versorgung in den kommenden Jahren vor einer ernsthaften Bedrohung. Da passt es nicht mehr in die Zeit, dass Kassen sich weigern, anders als im Krankenhaus, Gehaltserhöhungen für medizinische Fachangestellte mitzufinanzieren“, so der Präsident des BVKJ.
Hubmann weist darauf hin, dass die Forderung der AOK in Zeiten einer angespannten Versorgungslage und eines drohenden Generationenwechsels in den Praxen unverantwortlich sei. Besonders kritisiert er die Haltung der Kassen, die Gehaltserhöhungen für medizinische Fachangestellte in der ambulanten Versorgung weiterhin nicht mitfinanzieren. „Das widerspricht modernen Ansprüchen an ein solidarisches Gesundheitssystem“, sagt Hubmann.
Der BVKJ betont zudem, dass Effizienzreserven im Gesundheitssystem vielmehr bei den Krankenkassen selbst zu suchen seien. „Die AOK sollte sich erstmal an die eigene Nase fassen: Versicherte erhalten am Freitag ab 12 Uhr keinen Versicherungsnachweis mehr, Neugeborene bekommen ihren Versichertennachweis erst nach dem dritten Lebensmonat – was dazu führen kann, dass ihnen lebenswichtige Impfungen vorenthalten werden.“
Versorgung nicht weiter erschweren
„In unseren Praxen behandeln wir alle Kinder – auch dann, wenn die Kasse nicht zahlt“, betont der Präsident des BVKJ. Willkürliche Kontingentierungen der Krankenkassen und Regresse, die auf Kosten der Kranken, insbesondere Kinder mit Behinderung, gehen, würden die medizinische Versorgung erschweren. Der Verband appelliert an die Krankenkassen, endlich konstruktiv mit Ärzten an Lösungen zu arbeiten, anstatt die ambulante Versorgung weiter zu erschweren.









