Verstärkte Produktion in der EU und strategische Vorräte

Lieferengpässe, geopolitische Krisen und Produktionsengpässe bedrohen die Versorgung mit kritischen Medikamenten. Die Critical Medicines Alliance hat einen Strategiebericht veröffentlicht, der konkrete Maßnahmen vorschlägt, um die Versorgung sicherzustellen.

Lieferkettenprobleme Arzneimittel

Die Versorgung mit kritischen Arzneimitteln in der EU steht vor Herausforderungen. Die COVID-19-Pandemie, geopolitische Konflikte und strukturelle Schwächen in den Lieferketten haben die Engpässe verschärft. Das Strategiepapier der Critical Medicines Alliance (CMA) betont die dringende Notwendigkeit, die Versorgung mit kritischen Arzneimitteln in der EU nachhaltig zu sichern. Um Abhängigkeiten von außereuropäischen Lieferketten zu reduzieren und Engpässe zu vermeiden, sollen gezielte Maßnahmen ergriffen werden.

Die CMA nahm im April 2024 ihre Arbeit auf, um die industriellen Herausforderungen im Zusammenhang mit Engpässen kritischer Medikamente zu bewältigen. Sie vereint Interessenvertreter aus Gesundheitsberufen, der Industrie und der Zivilgesellschaft sowie Vertreter der Mitgliedstaaten und wurde für einen Zeitraum von fünf Jahren eingerichtet. Ziel der Allianz ist es, Lösungen vorzuschlagen, um die Versorgung mit kritischen Medikamenten in der EU zu stärken.

EU-Liste der kritischen Arzneimittel

Bereits 2023 veröffentlichte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) eine Liste kritischer Arzneimittel, die regelmäßig aktualisiert wird. Derzeit umfasst sie über 270 Wirkstoffe, deren Verfügbarkeit essenziell für die Patientenversorgung ist. Viele dieser Medikamente sind Generika, die oft nur von wenigen Herstellern produziert werden. Die Abhängigkeit von Produktionsstätten in China und Indien wird als großes Risiko angesehen.

Maßnahmen gegen Versorgungsengpässe

Der am 28. Februar 2025 veröffentlichte Strategiebericht legt den Schwerpunkt darauf, der Kommission, den Mitgliedstaaten und den Interessenvertretern der Allianz strategische Empfehlungen vorzulegen, um die Herstellung kritischer Medikamente in der EU zu stärken und neue strategische Partnerschaften mit Nicht-EU-Ländern einzugehen.

Produktion in der EU

Ein zentraler Schwerpunkt der Empfehlungen liegt auf dem Ausbau der Produktionskapazitäten innerhalb der EU. Die Herstellung essenzieller Arzneimittel und pharmazeutischer Wirkstoffe soll durch gezielte Investitionen und finanzielle Anreize gefördert werden. Die bisherige starke Abhängigkeit von Importen vor allem aus China und Indien stellt ein Risiko für die Versorgungssicherheit dar. Daher wird vorgeschlagen, strategische Projekte zu unterstützen, um eine unabhängige, widerstandsfähige Produktion in Europa zu etablieren.

Lieferketten diversifizieren

Ein weiteres Ziel besteht darin, die Lieferketten zu diversifizieren und neue Partnerschaften mit Drittländern aufzubauen. Da derzeit viele essenzielle Arzneimittel aus wenigen Produktionsstätten weltweit bezogen werden, ist es notwendig, alternative Bezugsquellen zu erschließen. Die EU soll mit Ländern außerhalb der bisherigen Hauptproduktionsstandorte kooperieren, um eine stabile und vielfältige Arzneimittelversorgung zu gewährleisten.

Arzneimittelvorräte in der EU

Gegenwärtig besteht innerhalb der EU keine einheitliche Strategie für die Bevorratung von Arzneimitteln. Nationale Vorräte werden meist unabhängig voneinander aufgebaut. Das führt zu einer Fragmentierung des Marktes. Einzelne Länder könnten Medikamente horten, wodurch Engpässe in anderen Staaten verschärft und gesundheitliche Ungleichheiten innerhalb der EU verstärkt werden.

Der Bericht hebt daher die Bedeutung von koordinierten Arzneimittelvorräten innerhalb der EU hervor. Fehlverteilungen zwischen den Mitgliedsstaaten sind dabei zu vermeiden. Ein verbesserter Koordinationsmechanismus auf EU-Ebene ist notwendig, um nationale Alleingänge zu vermeiden und eine gerechte Verteilung der verfügbaren Medikamente sicherzustellen.

Produktion widerstandsfähiger machen

Ferner soll die Produktion innerhalb Europas nachhaltiger und widerstandsfähiger gestaltet werden. Hierzu gehört unter anderem die Integration von Umwelt- und Sozialstandards in die öffentliche Beschaffung, um eine faire und langfristig tragfähige Produktionsstruktur zu schaffen. Darüber hinaus wird eine engere Zusammenarbeit zwischen den EU-Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission und der pharmazeutischen Industrie angestrebt, um Engpässe frühzeitig zu identifizieren und schnell darauf reagieren zu können.

Neue Beschaffungskriterien einführen

Bisher liegt der Fokus bei Ausschreibungen häufig auf dem niedrigsten Preis. In der Folge wurden viele Produktionsstätten in Länder außerhalb der EU verlagert, und die Abhängigkeit von globalen Lieferketten wuchs. Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt der Bericht, neue Beschaffungskriterien einzuführen, die über den Preis hinausgehen und auch Aspekte wie Versorgungssicherheit, Resilienz und Umweltstandards berücksichtigen.

Autor:
Stand:
10.03.2025
Quelle:

Critical Medicines Alliance: Strategic Report of the Critical Medicines Alliance, 28.02.2025.

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