Die digitalen Versprechen des deutschen Gesundheitswesens kommen im Alltag der Versicherten nur zögerlich an. Eine neue, von Pharma Deutschland beauftragte Civey-Umfrage (04.11.2025 bis 04.12.2025, n ≈ 5.000) zeigt: Selbst Jahre nach der Einführung von Anwendungen wie dem elektronischen Rezept (E-Rezept), der elektronischen Patientenakte (ePA) und den Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) bleibt die tatsächliche Nutzung erstaunlich niedrig – und liegt teils weit hinter der Bekanntheit zurück.
E-Rezept als Spitzenreiter
Am weitesten verbreitet ist das E-Rezept: Nahezu neun von zehn Befragten wissen, dass es existiert, und rund 60 % haben es bereits genutzt. Dennoch steigt die Nutzung nur langsam – innerhalb von sechs Monaten von 55,7 auf 59,3 %. Auch die ePA, die elektronische Patientenakte, zeigt trotz eines kräftigeren Zuwachses (von 12,1 auf 20,3 %) weiterhin eine erhebliche Lücke zwischen Wissen und Anwendung. Bei den DiGA, den Digitalen Gesundheitsanwendungen, ist die Diskrepanz am größten: Nur gut ein Viertel der Bevölkerung kennt sie, genutzt werden sie gerade einmal von 5,4 %.
„Bekanntheits-Nutzen-Lücke“
Für Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, ist dieses Ergebnis ein Warnsignal. Zwar seien leichte Fortschritte erkennbar, doch das Tempo reiche nicht aus, um digitale Versorgung spürbar im Alltag zu verankern. Die neue Kampagne des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zur ePA bewertet sie positiv. Gleichzeitig betont sie, dass es mehr als zentrale Werbemaßnahmen brauche.
Wer nutzt was?
Die Umfrage zeigt Unterschiede zwischen Altersgruppen, Geschlechtern und Bundesländern. Die 30- bis 39-Jährigen zählen zu den Vorreitern beim E-Rezept, während die 18- bis 29-Jährigen deutlich zurückliegen- fast 40 Prozentpunkte trennen die Gruppen. Regional führt Sachsen-Anhalt bei der E-Rezept-Nutzung klar vor Baden-Württemberg. Auch geschlechtsspezifische Unterschiede treten hervor. Frauen nutzen das E-Rezept häufiger, Männer liegen bei der ePA vorn. Und Haushalte mit Kindern greifen fast doppelt so oft zu DiGAs wie kinderlose Haushalte.
Potenziale für Versorgung und Forschung
Digitale Anwendungen erzeugen versorgungsnahe Daten, die helfen können, Behandlungen zu verbessern, Arzneimittelsicherheit zu erhöhen und die Entwicklung neuer Therapien zu beschleunigen. Doch diese Potenziale lassen sich nur ausschöpfen, wenn die Anwendungen im Alltag tatsächlich genutzt werden. Brakmann betont daher die Notwendigkeit, die „Bekanntheits-Nutzen-Lücke“ zu schließen und digitale Leistungen fest im Versorgungsgeschehen zu verankern.
Die Zahlen zeigen zwar eine vorsichtige positive Tendenz, aber keinen Durchbruch. Die weitere Entwicklung hängt auch davon ab, ob es gelingt, Vertrauen zu schaffen, Hürden abzubauen und digitale Anwendungen für Versicherte spürbar nützlich zu machen.









