Berlin. Doctolib hat eine neue Praxisverwaltungssoftware (PVS) vorgestellt, die zentrale Abläufe in Arztpraxen mithilfe künstlicher Intelligenz automatisieren soll. Nach Angaben des Anbieters führt das System Terminmanagement, Patientenaufnahme, Dokumentation, Behandlung und Abrechnung in einer Lösung zusammen. Durch die Nutzung der KI-Funktionen sollen Praxen demnach bis zu zehn Arbeitsstunden pro Woche einsparen. Möglich werde dies durch die Automatisierung von Routine- und Verwaltungsaufgaben.
Doctolib-PVS: Drei KI-Assistenten für den Praxisalltag
Die neue Software umfasst nach Angaben von Doctolib drei zentrale KI-gestützte Funktionen: einen Telefonassistenten, einen Sprechstundenassistenten und einen Abrechnungsassistenten.
- Der KI-Telefonassistent nimmt Anrufe rund um die Uhr entgegen, kategorisiert Anfragen und überträgt Terminbuchungen direkt in das System. Er soll die Erreichbarkeit der Praxis verbessern und das Personal am Empfang entlasten.
- Der Sprechstundenassistent dokumentiert Behandlungsgespräche in Echtzeit, erstellt strukturierte Notizen und überträgt diese automatisch in die elektronische Patientenakte. Damit sollen Ärzte mehrere Minuten pro Konsultation einsparen können.
- Der Abrechnungsassistent schlägt bereits während der Aufnahme passende Abrechnungsziffern vor und unterstützt das Team bei der fehlerfreien Dokumentation und Abrechnung von Leistungen.
Laut Doctolib kann die Dokumentationszeit pro Patienten durch den Einsatz der KI-Assistenten deutlich sinken. Auch die Zahl unbeantworteter Anrufe und Rückrufe soll spürbar reduziert werden.
Neues PVS soll 2026 schrittweise in Deutschland weiter ausgerollt werden
Die neue Software richtet sich zunächst an Haus-, Kinder- und Frauenärzte. Im Laufe des kommenden Jahres soll das System auf weitere Fachgruppen ausgeweitet werden. Doctolib baut dabei auf einer Nutzerbasis von mehr als 25 Millionen Patienten und 110.000 medizinischen Fachkräften auf. Durch die Integration in die bestehende Plattform sollen Praxismanagement und Patientenkommunikation künftig stärker miteinander verknüpft werden.
Das Unternehmen positioniert sich damit in einem Markt, der von etablierten Anbietern geprägt ist. Allerdings ergab eine Online-Umfrage des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, dass Arzt- und Psychotherapiepraxen überwiegend unzufrieden mit ihrer aktuellen Praxissoftware sind. Doctolib will diese Lücke nutzen und setzt auf eine moderne Cloud-Lösung mit automatischen Updates, sicheren Backups und Anbindung an die elektronische Patientenakte.
Datenschutz und Sicherheitsstandards bei Doctolib
In Deutschland wird Doctolib von Datenschutzbehörden regelmäßig überprüft, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten. Für den sicheren Betrieb der neuen Praxissoftware verweist Doctolib auf hohe Datenschutz- und Sicherheitsstandards. Dazu zählen Zertifizierungen nach ISO 27001 und ISO 27701 sowie die Einhaltung nationaler Vorgaben wie KVDT, VSDM und KIM. Nach Angaben des Unternehmens werden alle Daten verschlüsselt und ausschließlich auf Servern in Europa gespeichert.
Weiterer Schritt in Richtung digitaler Plattform für das Gesundheitswesen
Mit einer KI-gestützten Praxissoftware geht Doctolib einen Schritt in Richtung umfassender digitaler Plattform für das Gesundheitswesen. Wenn die angekündigten Zeit- und Effizienzgewinne eintreten, könnte das System den Praxisalltag spürbar verändern. Ob Praxen allerdings bereit sind, bestehende Systeme zu wechseln, bleibt abzuwarten. Datenmigration und Einarbeitung stellen erfahrungsgemäß hohe Anforderungen. Dennoch könnte die neue Lösung aufgrund ihrer integrierten Funktionen für viele Praxen attraktiv sein. Allerdings ist längst nicht sicher, dass das neue Produkt die Versprechungen des Anbieters und die Erwartungen der Ärzteschaft tatsächlich erfüllt.
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