Vor einem Jahr ist die elektronische Patientenakte (ePA) im Opt-out-Verfahren unter dem Motto „ePA für alle“ gestartet. Seit dem 15. Januar 2025 wird sie automatisch für gesetzlich Versicherte angelegt. Der Start wurde von einer Pilotphase mit 70 Apotheken begleitet. Seit dem 1. Oktober 2025 sind Apotheken, Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Kliniken gesetzlich verpflichtet, die ePA im Versorgungsalltag zu nutzen. Ein Jahr nach dem Start zeigen aktuelle Zahlen, dass die ePA zunehmend aktiv eingesetzt wird.
Apotheken setzen auf die elektronische Medikationsliste
Die Apothekerschaft beteiligt sich aktiv daran, die ePA in die tägliche Versorgung zu integrieren. Für Apotheken ist die elektronische Medikationsliste (eML) ein zentraler Baustein. Sie bildet chronologisch alle elektronisch verordneten und abgegebenen Arzneimittel eines Versicherten ab und schafft damit eine wichtige Grundlage für Transparenz in der Arzneimitteltherapie.
Wie intensiv die eML bereits genutzt wird, zeigen aktuelle Zahlen der gematik. Allein in der vergangenen Woche wurden rund 24,8 Millionen Medikationslisten geöffnet. Auch die Befüllung der ePA insgesamt schreitet voran. Nach Angaben der gematik wurden innerhalb einer Woche etwa 2,2 Millionen Dokumente hochgeladen.
Mehrwert durch bessere Zusammenarbeit und AMTS
Einen echten Nutzen sehen Apothekenteams dann, wenn die ePA die Zusammenarbeit zwischen Apotheke und Arztpraxis verbessert. Das ergab eine repräsentative IQVIA-Umfrage im Auftrag der ABDA unter 500 Apothekeninhabern im Sommer 2025. Demnach erwarten 55,4 % einen Mehrwert durch eine engere interprofessionelle Zusammenarbeit. Für 51,4 % ist entscheidend, dass der elektronische Medikationsplan direkt in der Apotheke bearbeitet werden kann.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Arzneimitteltherapiesicherheit. Es sehen 38,6 % der Befragten den größten Nutzen der ePA darin, dass sie zur Steigerung der AMTS beiträgt, etwa durch bessere Übersicht, weniger Medikationsfehler und frühzeitiges Erkennen von Risiken.
TK zieht positive Bilanz
Auch auf Kassenseite fällt die Bilanz positiv aus. „Die elektronische Patientenakte ist 2025 erfolgreich gestartet“, sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK), zum einjährigen Bestehen. Rund 85 % der Arztpraxen hätten bereits auf elektronische Akten zugegriffen. Besonders die elektronischen Medikationslisten würden in Arztpraxen millionenfach genutzt. Das zeige, dass die ePA ihrer ursprünglichen Idee gerecht werde, medizinische Informationen gebündelt an einem Ort bereitzustellen und so die Behandlung zu unterstützen. Parallel dazu steigt die Nutzung durch die Versicherten. Allein im Dezember 2025 verzeichnete die TK rund 560.000 Logins in die ePA.
Aktive Nutzung wächst, Hürden bleiben
Insgesamt nutzen derzeit rund 900.000 TK-Versicherte ihre ePA aktiv. Diese Zahl entspreche den Erwartungen, so Baas. Entscheidend sei nun, dass die Akten über längere Zeit mit relevanten Informationen gefüllt würden. Die ePA sei keine App, die täglich geöffnet werde, sondern ein Instrument, das vor allem im Krankheitsfall oder im Zusammenhang mit Arztbesuchen an Bedeutung gewinne.
Eine Hürde für viele Nutzer bleibt der komplexe Registrierungsprozess. Die hohen Sicherheitsanforderungen führten dazu, dass die Anmeldung deutlich aufwendiger sei als bei kommerziellen Anwendungen. Das schrecke manche Versicherte ab und führe zu Abbrüchen während der Registrierung.
Nutzen auch ohne aktives Zutun der Versicherten
Der zentrale Vorteil der elektronischen Patientenakte liegt darin, dass sie auch dann unterstützt, wenn Versicherte sie nicht aktiv nutzen. Befunde, Laborergebnisse und Verordnungen fließen automatisch in die Akte ein und stehen im Bedarfsfall zur Verfügung. Davon profitieren Menschen mit chronischen Erkrankungen, komplexen Therapien oder eingeschränkter Mobilität. Die ePA schafft Übersicht, erleichtert koordinierte Behandlungen und kann langfristig zu einer besseren Versorgungsqualität beitragen.









