Trotz offizieller Startphase ist die elektronische Patientenakte (ePA) in vielen Praxen noch nicht einsatzbereit. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) haben bislang nur rund drei Viertel der Arztpraxen das notwendige Softwaremodul erhalten. Laut KBV-Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner ist das „hochkritisch“. Praxen müssten jetzt die Möglichkeit haben, die ePA in die Arbeitsabläufe zu integrieren und etwaige Probleme frühzeitig zu melden.
ePA-Modul oft noch nicht aktiviert
Steiner empfiehlt allen Praxen, die bisher kein ePA-Modul sehen, einen Blick ins eigene Praxisverwaltungssystem (PVS). In einigen Fällen sei das Modul zwar vorhanden, müsse aber manuell aktiviert werden. Wer unsicher ist, solle beim Softwarehersteller nachfragen, wann die Auslieferung erfolgt.
Laut einer Umfrage des Bundesverbands Gesundheits-IT (bvitg) und der KBV haben 76 % der PVS-Anbieter das ePA-Modul bereits zur Verfügung gestellt. Das verbleibende Viertel ist entweder noch säumig oder plant die Auslieferung erst im Laufe des dritten Quartals.
Für mehr Transparenz stellt die KBV online eine Übersicht zum Stand der ePA-Auslieferung bereit. Diese Übersicht basiert auf Daten des bvitg sowie auf einer eigenen Umfrage. Die Liste wird laufend aktualisiert, Hersteller können neue Angaben direkt an die KBV melden.
Lob und Kritik
Wie gut die ePA in der Praxis funktioniert, hängt laut Steiner stark vom jeweiligen PVS-Modul ab. Eine weitere Hürde sei die technische Stabilität. Sich häufende Ausfälle in der Telematikinfrastruktur behinderten aktuell eine reibungslose Nutzung und damit auch die Akzeptanz der ePA.
In ersten Rückmeldungen zeigen sich viele Ärzte zufrieden mit der neuen elektronischen Medikationsliste. Weniger gut kommt hingegen die Bedienung der ePA bei der Dokumentenverwaltung an. Die Ärzte kritisieren vor allem die Handhabung der Metadaten, was zum Beispiel Auswirkungen auf das Hochladen von Arztbriefen oder die Suche nach Dokumenten hat.
Patienten schlecht informiert
Ein zusätzliches Problem sieht Steiner in der mangelhaften Information der Versicherten. Viele Patienten wüssten schlicht nicht, was es mit der ePA auf sich habe. Die Krankenkassen seien hier gefordert, umfassend aufzuklären. Praxen sollten ihre Patienten ermutigen, sich bei Fragen direkt an die jeweilige Kasse zu wenden.
ePA gemeinsam voranbringen
Vonseiten der Krankenkassen kommt Rückenwind für die ePA. Dr. Martin Krasney, Vorstandsmitglied beim GKV-Spitzenverband, betont: „Die Krankenkassen haben erstklassige Arbeit geleistet, indem sie in kurzer Zeit termingerecht über 70 Millionen elektronische Patientenakten angelegt und die Versicherten darüber informiert haben.“ Nun sei es entscheidend, die Akzeptanz und den konkreten Nutzen der ePA weiter zu steigern, um ihre Wirksamkeit in der Versorgung zu entfalten.
Ein wichtiger Meilenstein stehe zum 1. Oktober bevor. Ab diesem Datum sind alle Ärzte verpflichtet, neue Diagnosen und Befunde in der ePA zu dokumentieren. Krasney appelliert an alle Beteiligten, die Chancen der Digitalisierung konstruktiv zu nutzen: „Das unberechtigte Schlechtreden der ePA ist sicher kein konstruktiver Beitrag zur notwendigen Digitalisierung.“










