Ab dem 1. Oktober beginnt die nächste Phase der elektronischen Patientenakte (ePA). Ärzte und Psychotherapeuten sind dann verpflichtet, bestimmte medizinische Dokumente wie Befundberichte, Arztbriefe oder Laborbefunde in die digitale Akte einzustellen, sofern die Daten elektronisch vorliegen und der Patient nicht widerspricht.
„Die Praxen sind gut vorbereitet und nutzen bereits die elektronische Patientenakte, auch wenn es an einigen Stellen noch hakt und auch die Telematikinfrastruktur nicht stabil läuft“, sagt KBV-Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner. Mehr als 60 % der Praxen arbeiten laut einer aktuellen Umfrage der KBV bereits mit der ePA, und die Tendenz ist steigend. Damit seien laut Steiner die Niedergelassenen erneut Vorreiter der Digitalisierung.
Nutzung im Versorgungsalltag steigt (H2)
Auch die gematik vermeldet, dass parallel zur technischen Ausstattung die praktische Anwendung zunimmt. In der vergangenen Woche wurde in mehr als 85.000 Einrichtungen mindestens eine Patientenakte geöffnet. Rund 58.000 dieser Zugriffe erfolgten in Arzt- und Psychotherapiepraxen. Insgesamt haben damit bereits mehr als 105.000 von etwa 160.000 Einrichtungen die ePA aktiv genutzt.
Besonders deutlich wird die Dynamik beim Blick auf die Dokumentenflüsse. Allein innerhalb einer Woche wurden knapp zwei Millionen Dokumente hochgeladen und mehr als 900.000 heruntergeladen. Hinzu kamen rund zwölf Millionen Aufrufe von Medikationslisten. Seit dem Start im Januar 2025 summieren sich die hochgeladenen Dokumente inzwischen auf 22 Millionen. Zusammen mit den E-Rezept-Daten sind bereits mehr als 700 Millionen Datensätze in den digitalen Patientenakten der Versicherten gespeichert.
Vorteile und Kinderkrankheiten (H2)
Viele Ärzte sehen klare Vorteile der digitalen Akte, etwa durch den digitalen Zugriff auf frühere Befunde oder die automatische Medikationsliste. Das ist insbesondere im Vertretungsfall oder bei neuen Patienten ein Vorteil. Praxen klagen aber auch über technische Schwierigkeiten. Zugriffe seien teilweise unmöglich, das Hochladen von Dokumenten dauere zu lange oder scheitere vollständig.
Unterschiedliche Qualität der Praxissoftware (H3)
Auch die technische Umsetzung der ePA in den Praxisverwaltungssystemen (PVS) ist uneinheitlich. Rund 40 % der Befragten äußerten sich zufrieden, ebenso viele unzufrieden. Steiner riet Praxen, Probleme aktiv an Hersteller und gematik zu melden. Kritisch sei zudem, dass einige Softwareanbieter den Praxen noch immer kein ePA-Modul bereitgestellt haben.
Schwachpunkt: Telematikinfrastruktur (H3)
Das größte Hindernis bleibt nach wie vor die Telematikinfrastruktur (TI). Drei Viertel der Praxen berichteten im September von technischen Störungen. Häufig konnten sie nicht auf die ePA zugreifen oder Dokumente hochladen. Steiner fordert eine Verfügbarkeit von mindestens 99 %, um Vertrauen und Akzeptanz zu schaffen.
Erwartungen an die Weiterentwicklung (H3)
Neben Stabilität wünschen sich Praxen zusätzliche Funktionen wie Volltextsuche, strukturierte Daten und vor allem die Integration von Krankenhaus-Entlassbriefen. Doch gerade die Kliniken sind bei der Umsetzung im Rückstand und erst 9 % sind technisch vorbereitet. Ein weiteres Problem ist, dass die meisten Patienten schlecht informiert sind. Über 80 % der Praxen sehen deshalb einen erheblichen Aufklärungsaufwand in ihrer täglichen Arbeit.
Unterstützung für den Einstieg (H3)
Um die Praxen zu entlasten, bietet die KBV Informationsmaterialien - von Serviceheften und Erklärvideos über Patientenflyer bis hin zu einer zertifizierten Online-Fortbildung mit sechs CME-Punkten an. Damit sollen Ärzte die ePA sicher und effizient in ihren Praxisalltag integrieren können.
Die gematik bietet ihrerseits in Kooperation mit Partnern digitale Infoveranstaltungen sowie kostenfreie Informationspakete an. Diese Materialien richten sich gezielt an Praxen und Apotheken und sollen helfen, Fragen im Umgang mit der ePA zu beantworten sowie den Einstieg zu erleichtern.









