Trotz des angekündigten Rückzugs der USA aus der Förderung von mRNA-Impfstoffprojekten will Europa an der Technologie festhalten. Während US-Gesundheitsminister Robert Kennedy 500 Millionen US-Dollar an Fördergeldern für 22 Projekte mit dem Verweis auf „neue wissenschaftliche Erkenntnisse“ streicht, betont die EU-Kommission auf Anfrage, dass sie „konsequent in fortschrittliche Impfstofftechnologien einschließlich mRNA“ investiere und Forschenden ein „offenes, sicheres, unterstützendes und integratives Umfeld“ bieten wolle.
mRNA: Forschung und Entwicklung gehen weiter
In Deutschland sind laut dem Verband der forschenden Pharmaunternehmen (Vfa) mehrere Firmen in der mRNA-Entwicklung aktiv. Darunter befindet sich auch Biontech, das nach eigenen Angaben nicht von den US-Kürzungen betroffen ist. Matthias Meergans, Vfa-Geschäftsführer für Forschungspolitik, unterstreicht, dass die Entwicklung weltweit weitergehe. So werde etwa an Impfstoffen gegen Borreliose, Pfeiffersches Drüsenfieber, Norovirus, Zika, Nipah und Genitalherpes geforscht, aber auch an verbesserten Grippeimpfstoffen.
Großes Potenzial
Die große Vielfalt der Ansätze zeigt das Potenzial der mRNA-Technologie, Impfstoffe schneller und zielgerichteter herzustellen als mit herkömmlichen Verfahren. Dadurch könnten künftig auch komplexe oder seltene Infektionen besser bekämpft werden. Die mRNA-Technologie wird nicht nur für Schutzimpfungen genutzt, sondern auch für therapeutische Impfungen bei Krebs und zur Behandlung genetischer Erkrankungen erforscht.
mRNA-Vakzine: Siegeszug seit der Pandemie
Seit der Covid-19-Pandemie haben mRNA-Impfstoffe ihren Siegeszug angetreten und gelten inzwischen als Schlüsseltechnologie der modernen Impfstoffentwicklung. Weltweit sind aktuell mehrere mRNA-Impfstoffe zugelassen, und viele weitere befinden sich in der Pipeline. Anders als klassische Impfstoffe liefern mRNA-Impfstoffe genetische Baupläne für Virusproteine direkt in die Zellen, die dann eine gezielte Immunantwort auslösen. Ihre flexible Technologie macht sie ideal für schnell anpassbare Impfstoffe, die auch gegen neue Virusvarianten wirksam sind.
Sicher und wirksam
Kennedys Begründung, mRNA-Impfstoffe schützten nicht wirksam vor Infektionen der oberen Atemwege wie Covid-19 oder Grippe, wies der Impfstoffexperte Leif Erik Sander von der Berliner Charité als „irreführend“ zurück. Die EU-Kommission verweist auf umfangreiche Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der Covid-19-Vakzine.
Europa: Standort für Biowissenschaften
Pharma Deutschland sieht in der US-Entscheidung auch eine Chance. Europa müsse mehr Verantwortung für Schlüsseltechnologien übernehmen. Die EU-Kommission verfolgt ähnliche Ziele. Ihre im Juli vorgestellte „Life-Science-Strategie“ soll die EU zum weltweit attraktivsten Standort für Biowissenschaften machen.










