TI-Atlas 2025: Wie digital ist Deutschlands Gesundheitswesen?

Der TI-Atlas 2025 beleuchtet, wie Arzt- und Zahnarztpraxen, Apotheken, Kliniken und Pflegeeinrichtungen digitale Tools wie ePA, E-Rezept oder KIM nutzen. Vieles funktioniert besser als erwartet; gleichzeitig bleibt Informationsarbeit wichtig.

TI

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens schreitet spürbar voran und zeigt erstmals messbare Effekte auf die medizinische Versorgung. Das macht der neue TI-Atlas 2025 deutlich - die aktuell umfangreichste Untersuchung zur Nutzung der Telematikinfrastruktur (TI). Zum fünften Mal wurden bundesweit Arzt- und Zahnarztpraxen, Apotheken, Kliniken und erstmals auch zehntausende Pflegeeinrichtungen befragt. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild. Vieles funktioniert inzwischen gut, manches braucht aber noch Entwicklungszeit, und fast überall besteht Informationsbedarf.

Die ePA für alle

Obwohl die elektronische Patientenakte (ePA) erst seit Oktober 2025 verpflichtend genutzt wird, haben sich viele Gesundheitseinrichtungen bereits vorab mit ihr vertraut gemacht. Im September, also unmittelbar vor dem Regelbetrieb, verfügten rund 75 % der ambulanten Einrichtungen über einen ePA-Zugriff, und ein Drittel hatte bereits aktiv erste Dokumente oder Informationen hinterlegt.

Mehr als zwei Drittel der Leistungserbringenden empfinden die ePA-Funktionen in ihrer Praxissoftware als intuitiv und stabil. Apotheken berichten von einem reibungslosen Einstieg und von sofortigen Effekten. Rund drei Viertel gaben an, dass die elektronische Medikationsliste (eML) ihnen half, Risiken wie Wechselwirkungen schneller zu erkennen und die Beratung gezielter zu gestalten. Auch in Arzt- und Zahnarztpraxen zeigte sich schnell, dass die ePA die Behandlungsqualität verbessern kann. Etwa ein Drittel sah bereits im September einen konkreten Nutzen für die Versorgung.

Die Bevölkerung steht der ePA ebenfalls überwiegend positiv gegenüber. Die Bekanntheit ist binnen eines Jahres von 50 auf knapp 80 % gestiegen. Wer sich näher mit der Akte beschäftigt hat, bewertet sie zu 90 % als sinnvoll, vor allem wegen der Möglichkeit, die eigene Krankengeschichte an einem Ort zu bündeln und Medikationsdaten jederzeit verfügbar zu haben.

Das E-Rezept ist Alltag geworden

Wie rasant digitale Routinen entstehen können, zeigt das E-Rezept. Innerhalb kurzer Zeit wurde es zur Standardanwendung im ambulanten Bereich. Über 90 % der gesetzlich Versicherten bewerten es in der Umfrage als sinnvoll und sind zufrieden mit der Handhabung, etwa dass sie ohne Praxisbesuch an neue Medikamente kommen können. Rund 70 % der Arztpraxen und 60 % der Apotheken geben an, dass sich die Arzneimittelversorgung verbessert hat. Sie berichten von schnelleren Abläufen, Zeitgewinn und einer Entlastung im Rezeptmanagement.

Pflegeeinrichtungen holen auf

Ein Novum des TI-Atlas 2025 ist der Blick auf die Digitalisierung in der Pflege. Über 30.000 Pflegeeinrichtungen haben sich inzwischen auf den Weg in die TI gemacht. Knapp ein Drittel ist bereits angeschlossen, ein Viertel nutzt aktiv den Kommunikationsdienst KIM. Mehr als 80 % der Einrichtungen besitzen einen Heilberufsausweis oder haben ihn zumindest beantragt. Das ist die wichtigste Voraussetzung, um in der digitalen Versorgung mitarbeiten zu können.

Damit wächst ein neuer digitaler Sektor heran, der bislang stark analog geprägt war. Der Anschluss der Pflege wird in den kommenden Jahren entscheidend sein, um Informationsverluste an den Übergängen zwischen ambulanter, stationärer und pflegerischer Versorgung zu reduzieren.

Routine, Vernetzung, aber auch Aufklärungsbedarf

Für drei Viertel aller Befragten gehören TI-Anwendungen mittlerweile zum täglichen Arbeitsablauf und sie werden zunehmend sicher beherrscht. Es fühlen sich 63 % im Umgang mit den Tools vertrauter als noch im Vorjahr. Das Potenzial der Digitalisierung sehen viele vor allem in der Vernetzung. Rund 70 % erwarten, dass der sektorenübergreifende Austausch dadurch langfristig deutlich effizienter wird. Über die Hälfte berichtet bereits heute, dass die TI den Informationsfluss zwischen Praxen, Kliniken und Apotheken verbessert. Trotz allem positiven Rückenwinds zeigt der TI-Atlas aber auch Lücken. Fast 60 % der Nutzer wünschen sich mehr Informationen, etwa zu konkreten Funktionen, Datenschutz oder praktischen Einsatzszenarien.

Ein digital vernetztes Gesundheitswesen nimmt Gestalt an

Der TI-Atlas 2025 vermittelt insgesamt ein Bild im Wandel. Digitale Anwendungen wie E-Rezept, ePA oder KIM sind aus dem Versorgungsalltag nicht mehr wegzudenken, und sie können Qualität, Sicherheit und Zusammenarbeit verbessern. Das System ist aber noch nicht an seinem Ziel angekommen. Software-Hersteller müssen weiter optimieren, und Informationsarbeit bleibt ein zentraler Hebel, um Anwender mitzunehmen.

Autor:
Stand:
12.12.2025
Quelle:

gematik GmbH: TI Atlas 2025.

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