Die finanzielle Situation der gesetzlichen Krankenversicherung spitzt sich weiter zu. Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, prognostizierte in einem Zeitungsinterview für das laufende Jahr ein Defizit von rund 5,5 Milliarden Euro – trotz bereits erfolgter Beitragssatzerhöhungen.
Beitragserhöhungen
Die Versicherten müssen sich auf deutlich höhere Abgaben einstellen.
„Gegenüber Anfang dieses Jahres wird der tatsächliche durchschnittliche Zusatzbeitragssatz um mindestens 1,0 Beitragssatzpunkte ansteigen“, sagte Pfeiffer. Zusätzlich steigt der Beitragssatz zur Pflegeversicherung um 0,2 Prozentpunkte. „Eine Notmaßnahme, damit die Pflegeversicherung im kommenden Jahr zahlungsfähig bleibt. Anders ausgedrückt: Zum neuen Jahr gibt es über ein Prozent weniger Netto vom Brutto und die Politik nimmt das einfach so hin, anstatt entschlossen gegenzusteuern.“
Kritik an der Gesundheitspolitik
Die GKV-Chefin übte Kritik an der Gesundheitspolitik der vergangenen Dekade. Insbesondere die letzten drei Gesundheitsminister hätten die Ausgaben unkontrolliert steigen lassen und die Rücklagen der Krankenkassen aufgebraucht. „Bei mehr als der Hälfte der Krankenkassen liegen die Rücklagen unterhalb der gesetzlichen Mindesthöhe“, sagte Pfeiffer. Das Ergebnis komme keinesfalls überraschend.
Weitere Kostensteigerungen ab 2026
Auch wenn die aktuellen Erhöhungen für 2025 ausreichen dürften, zeichnen sich für 2026 bereits weitere Belastungen ab. Allein für den Krankenhaus-Transformationsfonds sollen die gesetzlichen Krankenkassen ab 2026 jährlich 2,5 Milliarden Euro aufbringen. Der GKV-Spitzenverband hält diese Regelung für verfassungswidrig und prüft eine Verfassungsklage.
Forderung nach strukturellen Reformen
Pfeiffer lehnt Leistungskürzungen als Lösung ab: „Strukturelle Probleme werden nicht dadurch gelöst, dass man kranken Menschen Leistungen streicht. Der Anspruch muss doch sein, und das ist meine Erwartung an eine neue Regierung, unser Gesundheitswesen so zu reformieren, dass die Menschen mit dem vielen Geld der Versicherten und Arbeitgebenden auch in Zukunft gut versorgt werden.“ Sie forderte von einer künftigen Regierung grundlegende Reformen des Gesundheitswesens, um eine effiziente und nachhaltige Versorgung sicherzustellen. Die gesundheitliche Versorgung sei entscheidend für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft.










