BVMed fordert häusliche Versorgung als dritten Pfeiler der Versorgung

Der Bundesverband Medizintechnologie unterstützt eine Neuausrichtung der Gesundheitsversorgung. Nichtärztliche Fachkräfte sollen stärker eingebunden, digitale Innovationen gezielt integriert und Kommunikationsstrukturen sektorenübergreifend vernetzt werden.

Ambulante Pflege häusliches Umfeld

Der demografische Wandel, der Fachkräftemangel und die angespannte Finanzlage im Gesundheitswesen setzen die Versorgung in Deutschland zunehmend unter Druck. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) sieht einen Schlüssel zur Entlastung in einer Stärkung der häuslichen Versorgung. In seinem neuen Positionspapier „Digital und menschenzentriert – Häusliche Versorgung stärken und Potenziale nutzen“ fordert der Verband strukturelle Reformen, mehr digitale Innovationen und eine stärkere Einbindung nichtärztlicher Fachkräfte vor allem aus der Homecare-Versorgung.

Die häuslich-ambulante Versorgung umfasst alle medizinischen, pflegerischen und unterstützenden Leistungen, die Menschen in ihrem eigenen Zuhause ein selbstständiges Leben ermöglichen. Dazu gehören pflegerische und medizinische Maßnahmen, Grund- und Hauswirtschaftspflege, soziale Betreuung sowie die Koordination der verschiedenen Leistungen. Eine zentrale Rolle spielen dabei pflegende Angehörige. Ihre Entlastung und die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf werden künftig noch wichtiger werden.

Pflegebefugniserweiterung gefordert

Anlässlich der Anhörung zum Pflege-Befugniserweiterungsgesetz (BEEP) im Bundestag fordert der BVMed, auch die Pflegefachkräfte aus Homecare-Unternehmen und der Hilfsmittelversorgung in die neue gesetzliche Regelung einzubeziehen. Diese verfügen über hohe Qualifikationen und könnten im häuslichen Umfeld der Patienten bestehende Versorgungslücken schließen.

Ressourcen sinnvoll nutzen

Bislang dürfen Homecare-Fachkräfte zwar medizinisch beraten und Hilfsmittel anpassen, nicht aber selbst pflegerische Leistungen wie Behandlungspflege erbringen, obwohl sie in der Regel über dieselbe Qualifikation wie Pflegekräfte im ambulanten Dienst verfügen. Diese Einschränkung, so der BVMed, führe zu unnötiger Bürokratie und verhindere eine effiziente Nutzung der vorhandenen Ressourcen.

Für die Anerkennung einer Leistung sollte nach Meinung des BVMed die Qualifikation der Person ausschlaggebend sein und nicht die Institution, für die sie arbeitet. Homecare müsse stärker als Brücke zwischen Klinik, Arztpraxis, Angehörigen und Patienten verstanden werden. Gerade in ländlichen Regionen könne die spezialisierte Betreuung durch Homecare-Unternehmen eine entscheidende Rolle spielen, um Versorgungslücken zu schließen und die Lebensqualität der Betroffenen zu sichern.

Digitalisierung: Innovationen gezielt integrieren

Einen weiteren Hebel für die Zukunft der häuslichen Versorgung sieht der BVMed in der Digitalisierung. Moderne Technologien wie Telemedizin, Telemonitoring, vernetzte Hilfsmittel oder KI-gestützte Analysen ermöglichen heute schon, Patienten zu Hause medizinisch zu begleiten, Gesundheitsdaten in Echtzeit zu erfassen und frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren.

So könnten etwa Wearables, Sensoren oder intelligente Hilfsmittel die Vitalparameter kontinuierlich überwachen und bei Auffälligkeiten automatisch das betreuende Fachpersonal informieren. Das kann Pflegekräfte und Ärzte entlasten und zugleich die Sicherheit und Selbstständigkeit der Patienten erhöhen. Dazu brauche es allerdings geeignete Rahmenbedingungen.

Ein digitales Versorgungsnetzwerk als Rückgrat

Damit alle Elemente zusammenspielen, braucht es nach Ansicht des BVMed ein funktionierendes kommunikatives Rückgrat.  Ein sektorenübergreifendes digitales Versorgungsnetzwerk soll Ärzte, Pflegekräfte, Homecare-Anbieter und Angehörige verbinden. Aktuell existieren noch zu viele Schnittstellenprobleme. Daten aus Telemonitoring-Systemen, digitalen Pflegeanwendungen oder Wearables werden häufig nicht integriert oder sicher geteilt.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektive

Eine gestärkte häusliche Versorgung ist laut dem BVMed auch ökonomisch sinnvoll. Es könnten durch besser organisierte Nachsorge und Prävention bis zu 1,4 Millionen Krankenhausaufenthalte pro Jahr vermieden werden. Das würde nicht nur Patienten entlasten, sondern auch erhebliche Kosten im stationären Bereich einsparen. Die häusliche Versorgung könnte einen Beitrag zur Stabilisierung der GKV-Finanzen leisten. Zum einen, weil Klinikaufenthalte vermieden oder verkürzt werden könnten, und zum anderen, weil Patienten nach einer Entlassung früher, aber dennoch sicher versorgt werden.

„Zuhause zuerst“ für mehr Lebensqualität

Das Leitbild des BVMed erfordert ein Umdenken in der Gesundheitspolitik. Der Verband appelliert an Politik und Krankenkassen, die häusliche Versorgung als zentralen Bestandteil des Gesundheitssystems anzuerkennen. Sie sei menschenzentriert, effizient, zukunftssicher und sektorenübergreifend, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Strukturelle Reformen, digitale Innovationen und die Einbindung von Homecare-Fachkräften seien die Grundpfeiler, um die Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern.

Autor:
Stand:
13.10.2025
Quelle:
  1. Bundesverband Medizintechnologie (BVMed): Pressemitteilung, 08.10.2025 
  2. Bundesverband Medizintechnologie (BVMed): BVMed-Positionspapier „Digital und menschenzentriert - Häusliche Versorgung stärken und Potenziale nutzen“, 07.10.2025
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