KKH: Deutlich mehr psychische Störungen wegen Cannabis-Konsums

Ein aktueller Gesundheitsreport der KKH zeigt: Seit der Teillegalisierung von Cannabis ist die Zahl psychischer Störungen deutlich gestiegen. Besonders gefährdet ist die Generation Z, doch auch die Gruppe der 45- bis 49-Jährigen verzeichnet einen Zuwachs.

Junge traurige Patientin

Gut anderthalb Jahre nach der Teillegalisierung hat die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) einen ersten Gesundheitsreport zu den Folgen des Cannabis-Konsums bei ihren rund 1,5 Millionen Versicherten vorgelegt. Laut KKH-Hochrechnung wurden 2024 mehr als 250.000 Menschen wegen cannabisinduzierter Störungen (akute Rauschzustände, Abhängigkeit, Psychosen) ärztlich behandelt. Das entspricht 30 Fällen pro 10.000 Einwohner – und bedeutet im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 14,5 Prozent.

Junge Menschen besonders häufig abhängig – starker Zuwachs auch bei 45- bis 49-Jährigen

Die KKH geht nach Auswertung ihrer Daten von 47.100 Cannabis-Abhängigen in der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen (Generation Z) aus. Das entspreche 95 Fällen pro 10.000 Einwohner. Die Quote in dieser Gruppe sei damit dreimal höher als im Bundesdurchschnitt. Einen besonders starken Anstieg verzeichnet die Kasse auch bei den 45- bis 49-Jährigen. Hier wuchs der Anteil der offenbar Cannabis-Abhängigen demnach um 25 Prozent. Mit 43 Fällen pro 10.000 Einwohner sei die Quote in dieser Altersgruppe allerdings weniger als halb so hoch wie bei den 25- bis 29-Jährigen.

Welche Beschwerden treten besonders häufig auf?

Laut dem KKH-Bericht werden im Zusammenhang mit chronischem oder problematischem Konsum besonders häufig diagnostiziert:

  • Angststörungen und Panikattacken
  • Depressive Episoden
  • Verhaltensstörungen wie Impulsstörungen oder aggressives Verhalten

„Cannabis ist gerade für junge Menschen eine unterschätzte Gefahr“, warnt Dr. Aileen Könitz, Expertin für Suchtprävention bei der KKH. Sie verweist auf internationale Studien, die zeigen, dass das Gehirn in der Adoleszenz – also bis etwa Mitte 20 – noch im Umbau ist und daher besonders empfindlich auf psychotrope Substanzen reagiert. Wer regelmäßig Cannabis konsumiert, riskiert laut Könitz bleibende kognitive Einschränkungen, reduzierte Konzentrationsfähigkeit und ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen.

Umfragewerte und öffentliche Einstellung

Begleitend zur Analyse hat die KKH eine repräsentative Forsa-Umfrage unter rund 1.000 Erwachsenen erstellen lassen. Einige Ergebnisse:

  • 55 Prozent befürworten die Teillegalisierung, bei 18- bis 34‑Jährigen sind es 75 Prozent.
  • Insgesamt halten 73 Prozent der Bevölkerung Cannabis für gesundheitsschädlich.
  • 49 Prozent sehen Cannabis als potenzielle Einstiegsdroge.
  • 39 Prozent befürchten, die Legalisierung könne zu mehr Konsum führen.

„HöhenRausch“: KKH baut Präventionsangebot aus

Die KKH reagiert auf diese Entwicklungen mit einer deutlichen Erweiterung ihres Präventionsangebots. Das Programm „HöhenRausch“ kombiniere erlebnispädagogische Kletterevents mit Workshops zur Suchtprävention für Jugendliche ab 14 Jahren. Ziel: Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit und Entscheidungsstärke stärken – und so gegen Gruppendruck und Konsumverlockung immunisieren. Nach Pilotveranstaltungen in Berlin soll das Angebot bundesweit ausgeweitet werden.

Gleichzeitig richtet die KKH klare Empfehlungen an Politik, Gesundheitswesen und Bildung. 

  • Bundeseinheitliche Präventionsmaßnahmen sollten strukturell und finanziell unterstützt werden und nicht allein von den Krankenkassen getragen werden.
  • Frühzeitige Aufklärung in Schulen und Familien sei essenziell, ebenso wie Programme, die interaktiv und lebensnah vermittelt werden.
  • Die Politik solle detaillierte Gesundheitsdaten aus der Kassenstatistik zum Teil der für den Herbst geplanten Regierungs-Evaluation machen, etwa zur Erfassung von Diagnosehäufigkeiten, Therapien und altersgruppenspezifischen Diagnosedaten.

Für den Herbst 2025 hat die Bundesregierung eine umfassende Bewertung der Teillegalisierung angekündigt. Die Evaluation soll Aspekte wie Konsumverhalten, gesundheitliche Folgen, Schwarzmarktverdrängung und wirtschaftliche Effekte beleuchten. 

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