GKV: Jede zweite Notaufnahmebehandlung vermeidbar

Mehr als jeder zweite Patient, der in der Notaufnahme behandelt wird, hätte auch ambulant versorgt werden können. Laut einer repräsentativen Befragung des GKV-Spitzenverbandes sind geschlossene Praxen und lange Wartezeiten häufige Gründe für vermeidbare Notfallbesuche.

Notaufnahme

Eine repräsentative GKV-Versichertenbefragung zeigt, dass 60% der Patientinnen und Patienten, die in der Notaufnahme eines Krankenhauses behandelt wurden, dort ambulant versorgt wurden. Stationär aufgenommen wurden nur 40%. Mehr als ein Viertel der ambulant Behandelten hätte auch eine ambulante Behandlung in einer Arztpraxis für ausreichend gehalten.  

Die Studie basiert auf einer Befragung von 3.512 GKV-Versicherten und wurde zwischen März und April 2024 von der Marktforschungsfirma Management Consult durchgeführt. Die Umfrage ist repräsentativ für Alter, Geschlecht und weitere demografische Faktoren.

Mangel an ambulanten Terminen

Zu den Hauptgründen für die Wahl der Notaufnahme zählen laut der Analyse geschlossene Arztpraxen (38%) und eine als dringend empfundene medizinische Behandlung (68%). Lange Wartezeiten in der Notaufnahme hätten 58% der Befragten vermieden, wenn ihnen die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigungen (116 117) innerhalb von 48 Stunden einen fachärztlichen Termin vermittelt hätte.  

GKV fordert Reform der Notfallversorgung

Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstandsmitglied des GKV-Spitzenverbandes, kritisiert die bestehenden Strukturen: „Wenn Versicherte nur deshalb die Notaufnahme im Krankenhaus aufsuchen, weil sie keine Sprechstundentermine in einer ärztlichen Praxis erhalten, dann läuft etwas gewaltig schief. Hilfesuchende müssen schnell und gezielt dahin geleitet werden, wo sie bedarfsgerecht medizinisch versorgt werden.“ Das müsse sowohl ambulant als auch stationär 24/7 bundesweit einheitlich geschehen.

Stoff-Ahnis fordert daher bundesweit einheitliche und sektorenübergreifende Notfallstrukturen wie Integrierte Notfallzentren (INZ) und eine bessere Verknüpfung zwischen Akut- und Rettungsleitstellen. „Immer mehr Geld ist offensichtlich keine Lösung, die Strukturen müssen verändert werden. Wir fordern die nächste Bundesregierung auf, endlich für eine Notfallreform zu sorgen, die die Akutversorgung deutlich verbessert“, so das Vorstandsmitglied des GKV-Spitzenverbandes.

Angebote besser kommunizieren

Die Ergebnisse zeigen, dass eine klare Steuerung und bessere Information über bestehende Angebote wie den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) notwendig sind. Dieser Dienst hilft außerhalb der Sprechzeiten bei Erkrankungen, die nicht lebensbedrohlich sind. Lebensbedrohliche Notfälle müssen weiterhin an die 112 gemeldet werden.

Autor:
Stand:
08.01.2025
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