PraxisBarometer 2024: Mehr digitaler Austausch

Die Digitalisierung in deutschen Arzt- und Psychotherapeutenpraxen schreitet voran. Rund ein Drittel kommuniziert mittlerweile mehrheitlich digital. Es gibt Nachholbedarf in der Vernetzung mit Krankenhäusern. Technische Schwierigkeiten bleiben ein Problem.

Arzt digitale Patientenakte

Bereits zum siebten Mal hat das IGES Institut im Auftrag der KBV analysiert, wie sich die Digitalisierung in den Praxen von Ärzten und Psychotherapeuten entwickelt. Das PraxisBarometer Digitalisierung ist die einzige bundesweit repräsentative Umfrage unter Vertragsärzten und Vertragspsychotherapeuten zur Digitalisierung in Praxen. In diesem Jahr nahmen etwa 2.600 Praxen daran teil.

Die Umfrage zeigt, dass sich der digitale Austausch unter Praxen deutlich verstärkt hat. Rund ein Drittel kommuniziert mittlerweile mehrheitlich digital – ein Plus von acht Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Technische Hürden und eine schwache Vernetzung mit Krankenhäusern fordern jedoch weiter heraus.  

Hindernisse in der Umsetzung

Der digitale Austausch zwischen Praxen wächst stetig und die Praxen bauen auch die digitalen Angebote für ihre Patienten aus. Diese können beispielsweise verstärkt online Rezepte bestellen. Allerdings sehen nur 7% der Praxen Fortschritte in der Kommunikation mit Kliniken. Der elektronische Entlassbrief wird als dringend notwendige Verbesserung von 80% der Praxen angesehen, wird jedoch nur selten genutzt. Dass vier von fünf Arztpraxen angaben, keinerlei digitalen Austausch mit Krankenhäusern zu haben, bezeichnete Dr. Martin Albrecht, Geschäftsführer des IGES Instituts, in der Pressemitteilung als „ein eher ernüchterndes Ergebnis“.

E-Mail und KIM

Im ambulanten Bereich bleibt die E-Mail mit 58% die meistgenutzte Kommunikationsform. Gleichzeitig gewinnt der Nachrichtenaustausch über Kommunikation im Medizinwesen (KIM) zunehmend an Bedeutung: Während im vergangenen Jahr 38% der Praxen diesen Dienst nutzten, ist der Anteil in diesem Jahr auf 45% gestiegen.

Besonders stark wuchs der Versand von Labordaten um 10 Prozentpunkte auf 30%, von Befunddaten um 13 Prozentpunkte auf 39% und von Arztbriefen um 12 Prozentpunkte auf 53%. Auch beim Empfang von Befunddaten (+12 Prozentpunkte auf 53%) und Arztbriefen (+14 Prozentpunkte auf 77%) wurden erhebliche Anstiege verzeichnet. „Die Praxen sehen für diese Inhalte auch am häufigsten den größten Anwendungsnutzen des digitalen Austauschs mit anderen Praxen beziehungsweise ambulanten Einrichtungen“, sagte Albrecht.

Fortschritt und Probleme

Trotz technischer Fortschritte wie der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) und dem eRezept, die in 99 bzw. 96% der Praxen verwendet werden, klagen viele Ärzte über Verzögerungen und störanfällige Systeme. Knapp die Hälfte der Praxen greift aus unterschiedlichen Gründen weiterhin auf das traditionelle rosa Papierrezept (Muster 16) zurück.

Besonders die Signaturzeiten beim eRezept frustrieren viele. Für das Signieren benötigen 60% der Praxen über zehn Sekunden und ein Viertel braucht zwischen fünf und zehn Sekunden. Nur 12% berichten von einer schnelleren digitalen Signatur.

Digitale Fortschritte für Patienten

Die Digitalisierung der Patientenkommunikation außerhalb der Praxis hat nur geringfügig zugenommen. Während im Vorjahr 41% der Praxen angaben, überwiegend oder vollständig digital mit Patienten zu kommunizieren, stieg dieser Anteil 2024 auf 44%. Aus Sicht der Arztpraxen profitieren Patienten am meisten von der Online-Rezeptbestellung. Psychotherapeuten schätzen die steigende Akzeptanz von Videosprechstunden.  

Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) wirft gemäß der Umfrage Fragen auf: Rund 90% der Praxen erwarten zusätzlichen Aufwand bei der Verwaltung und Befüllung. KBV-Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner forderte deshalb Lösungen, die „ausreichend erprobt, nutzerfreundlich und aufwandsarm in der Anwendung“ sind und die den Arbeitsaufwand der Praxen reduzieren.  

Häufige Störungen

Die Befragung hat weiterhin ergeben, dass die Störanfälligkeit der Telematikinfrastruktur (TI) weiterhin zu hoch ist. Laut dem IGES Institut berichten 43% der Praxen von wöchentlichen Störungen. Am häufigsten müssen dann Kartenlesegeräte oder der Konnektor neu gestartet werden. „Die Praxen brauchen bei ihrer täglichen Arbeit verlässliche Strukturen und funktionierende Systeme, damit die Digitalisierung zu einer Entlastung führen und erfolgreich sein kann“, betonte Steiner.

Autor:
Stand:
04.12.2024
Quelle:

Kassenärztliche Bundesvereinigung KdöR, Pressemitteilung: PraxisBarometer 2024: Praxen nutzen digitale Anwendungen immer häufiger, 21.11.2024

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