Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) steht vor Herausforderungen. Einen umfassenden Neustart fordern die Betriebskrankenkassen (BKK) mit Blick auf die kommende Legislaturperiode. Steigende Beitragssätze, ineffiziente Strukturen in der Versorgung, Probleme in der Pflege sowie Defizite in den Bereichen Prävention, Nachhaltigkeit und Digitalisierung machen ihrer Meinung nach eine grundlegende Reform notwendig. Unter dem Motto „Neu machen, anders machen, besser machen!“ veröffentlichten die Betriebskrankenkassen nun zentrale Forderungen für eine zukunftssichere Gesundheitsversorgung.
Sozialgesetzbuch reformieren
Der BKK Dachverband fordert eine grundlegende Überarbeitung des Sozialgesetzbuches (SGB), um Fehlanreize und bürokratische Hürden abzubauen. Franz Knieps, Vorstandsvorsitzender des BKK Dachverbandes, erklärt: „Ein funktionierendes Gesundheitssystem wohnt in einem gesunden gesetzlichen Rahmen. Das heutige Sozialgesetzbuch (SGB) ist dagegen ein Buch voller Fehlanreize, Beschränkungen und Absurditäten, die verantwortlich für unsere allenfalls mittelmäßige und teure Versorgung sind. Das SGB gehört neu geschrieben - transparenter, prägnanter, offen für Neues und vor allem für eine bessere Versorgung der Patientinnen und Patienten.“
Versorgung effizienter gestalten
Ein weiteres Kernanliegen ist eine Reform der medizinischen Versorgung. Die Betriebskrankenkassen plädieren für eine stärkere Vernetzung aller Gesundheitsberufe, den Abbau sektoraler Grenzen sowie eine intensivere Nutzung digitaler Möglichkeiten. „Und es bedeutet auch: Die Krankenkassen mit ihrem Know-how einfach mal machen lassen. Wir Betriebskrankenkassen wissen, was unsere Versicherten brauchen und wie wir sie durch das Gesundheitssystem lotsen können“, so Knieps.
GKV-Finanzierung reformieren
Die steigenden Beitragssätze in der GKV sind aus Sicht der BKK vermeidbar. Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes, fordert eine verfassungstreue Finanzierung: „Der Beitragsschock in der GKV zu Jahresbeginn wäre vermeidbar gewesen, wenn die letzten Bundesregierungen ihre Hausaufgaben gemacht und sich an Recht und Gesetz gehalten hätten. Dann wäre die GKV auf einen Schlag um bis zu 21 Milliarden Euro jährlich entlastet und die Beitragssätze um gute 1,1 Prozentpunkte niedriger.“
Pflege zukunftssicher machen
Die BKK sehen dringenden Handlungsbedarf in der Pflege. Sie fordern langfristige finanzielle Stabilität, mehr Prävention zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit und eine bessere Unterstützung für pflegende Angehörige. „Die Pflege ist die Klimakrise unseres Gesundheitssystems“, sagt Klemm. Es sei dringend ein nachhaltiger Perspektivwechsel erforderlich.
Prävention und Nachhaltigkeit stärken
Prävention soll eine zentrale Rolle im Gesundheitssystem spielen. Die BKK fordern, dass Krankheitsvermeidung und Gesundheitsförderung oberste Priorität erhalten. Sie plädieren für den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Analyse von Präventionspotenzialen, mehr Freiraum für individuelle Präventionsberatung durch die Kassen sowie eine stärkere Rolle von Betriebs- und Werksärzten.
Zudem soll das Gesundheitssystem ökologischer werden, um unnötige Umweltbelastungen durch überflüssige medizinische Leistungen zu reduzieren. „Jede Krankheit, die verhindert werden kann, schont knappe Ressourcen und macht unser Gesundheitssystem klima- und umweltfreundlicher“, sagt Klemm.










