Reanimation in Deutschland: Studie zeigt Defizite und Handlungsbedarf

Der plötzliche Herz-Kreislauf-Stillstand stellt weiterhin eine der größten Herausforderung der Notfallmedizin dar. Der Monitor Reanimation 2025 zeigt nicht nur Defizite in Deutschland, sondern auch Potenziale durch Schulprogramme, Telefonreanimation und Ersthelfer-Apps zur Verbesserung der Versorgung.

Herzdruckmassage

Ersthelfer als Schlüssel zum Überleben beim Herz-Kreislauf-Stillstand

In Deutschland erleiden jährlich rund 70.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand; die Überlebensrate beträgt lediglich etwa 11 %. Entscheidend ist die Zeit bis zum Beginn der Wiederbelebung: Wird innerhalb der ersten drei Minuten mit der Wiederbelebung begonnen, beträgt die Überlebenschance 15,6 %; nach vier bis acht Minuten sinkt sie bereits auf 8,7 %. Da der Rettungsdienst im Durchschnitt erst nach etwa sieben Minuten eintrifft, verstreichen häufig entscheidende Minuten. Ohne sofortige Laienreanimation drohen irreversible Hirnschäden – was die entscheidende Bedeutung der Ersthelfer unterstreicht.

Defizite bei Wiederbelebung in Deutschland

Obwohl Ersthelfende eine zentrale Rolle spielen, offenbart die Untersuchung der ADAC Stiftung erhebliche Defizite. Drei Viertel der Bevölkerung verfügen über keine aktuellen Reanimationskenntnisse, und fast die Hälfte hat seit über zehn Jahren oder noch nie geübt. Lediglich 26 % nahmen in den vergangenen zwei Jahren an einem Training teil, lediglich 8 % innerhalb der letzten sechs Monate. Entsprechend trauen sich nur 63 % eine Reanimation zu.

Telefonreanimation: Potenzial noch unzureichend genutzt

Die telefonische Anleitung zur Reanimation unterstützt Ersthelfer während des Notrufs mit klaren Handlungsanweisungen und vermittelt ihnen Sicherheit. So steigt die Bereitschaft zur Wiederbelebung von 63 % auf 83 %. Dennoch implementieren bislang nur rund 60 % der Leitstellen diese Maßnahme konsequent. Häufige Hindernisse sind die schwierige Erkennung eines Herzstillstands am Telefon, ein hohes Notrufaufkommen sowie begrenzte personelle Ressourcen.

Ersthelfer-Apps und First Responder als Rettungsfaktor

Smartphone-gestützte Ersthelfer-Alarmierungssysteme registrieren geschulte Helfer per App und alarmieren sie bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand in unmittelbarer Nähe. Mittlerweile sind sie in 203 von 400 Landkreisen und kreisfreien Städten verfügbar und decken damit 55 % der Bevölkerung ab. Ein Ersthelfer erreicht den Notfallort im Durchschnitt bereits nach vier Minuten und verschafft damit einen entscheidenden Zeitvorteil gegenüber dem Rettungsdienst. Für eine flächendeckende Versorgung wären jedoch rund 3,5 Millionen Helfer erforderlich; bislang sind lediglich 148.000 registriert.

Bessere Verfügbarkeit von automatisierten externen Defibrillatoren

Obwohl automatisierte externe Defibrillatoren von Laien sicher genutzt werden können, fühlt sich 75 % der Bevölkerung im Umgang unsicher. In Deutschland sind die Geräte trotz ihres hohen Nutzens weder flächendeckend vorhanden noch systematisch verteilt, zudem fehlt ein zentrales Register. Vor allem im ländlichen Raum könnten innovative Lösungen wie die Zustellung per Drohne bestehende Versorgungslücken schließen. Entscheidend ist jedoch eine nationale Strategie, die sowohl stationäre als auch mobile Zugänge berücksichtigt und durch gezielte Schulungen die Handlungssicherheit der Bevölkerung stärkt.

Notwendigkeit einer Kultur der Wiederbelebung

Die Ergebnisse des „Monitor Reanimation 2025“ verdeutlichen, dass Deutschland noch weit von einer flächendeckenden Wiederbelebungskultur entfernt ist. Zwar existieren vielversprechende Ansätze wie Telefonreanimation, schulische Trainingsprogramme und digitale Ersthelfer-Apps, doch bleiben diese bislang unzureichend und im internationalen Vergleich bleibt Deutschland zurück. Für die klinische Praxis wird damit deutlich, dass präklinische Überlebenschancen maßgeblich durch gesellschaftliche Strukturen beeinflusst werden. Ein konsequenter Ausbau von Trainingsprogrammen, Netzwerken und technischer Unterstützung könnte bis zu 10.000 zusätzliche Menschenleben pro Jahr retten.

Autor:
Stand:
31.10.2025
Quelle:
  1. ADAC Stiftung, Pressemitteilung, 19.09.2025;
  2. ADAC Stiftung: Monitor Reanimation 2025
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