Apothekenreform: ABDA legt Forderungen und Angebote vor

Mit einem Handout richtet sich die ABDA zur Sommerpause an Politik und Berufsstand. Es zeigt auf, wie Apotheken vor Ort gestärkt, neue Leistungen etabliert und regulatorische Schieflagen bei Versendern korrigiert werden können. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt.

Apotheken A

Pünktlich zur parlamentarischen Sommerpause hat die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände – ein Handout veröffentlicht, das in komprimierter Form politische Kernforderungen und Reformvorschläge für die Apothekenlandschaft enthält. Ziel ist es, die sitzungsfreie Zeit gezielt für Gespräche mit Bundestagsabgeordneten zu nutzen – etwa bei Wahlkreisbesuchen, bei denen sich politische Entscheidungsträger praxisnah über Probleme und Perspektiven in Apotheken informieren können.

Das Handout richtet sich an Kammern, Verbände sowie politisch engagierte Apotheker. Es gliedert sich in drei Module „Zukunft gestalten – Versorgung sichern“, „Zukunft gestalten – Versorgung stärken“ und „Versandhandel – Störfaktor in der Versorgung“.

Apotheken unter Druck

Die wirtschaftliche Lage vieler Apotheken ist angespannt. Seit 2008 sind rund 4.500 Betriebe geschlossen worden. Das ist ein Rückgang um 21 %. Allein im Jahr 2024 verschwanden 530 Apotheken aus der Versorgung. Aktuell gibt es noch 16.908 Betriebsstellen und das ist die niedrigste Zahl seit 1978.

Klare Forderungen

Die ABDA mahnt dringenden Handlungsbedarf an. Das Fixhonorar für verschreibungspflichtige Arzneimittel ist seit 2013 unverändert, obwohl die Betriebskosten um 65 % gestiegen sind. Gefordert wird eine Erhöhung auf mindestens 9,50 Euro pro Rx-Packung sowie eine regelmäßige Anpassung anhand objektiver Kennzahlen wie BIP oder Inflation.

Zur Sicherung der flächendeckenden Versorgung schlägt die ABDA außerdem ein gestaffeltes Fixum vor. Kleinere Apotheken sollen Zuschläge erhalten, finanziert über einen zentralen Fonds, ohne größere Betriebe zu belasten. Die Folgen des Skonto-Urteils vom Februar 2024 mit teils fünfstelligen jährlichen Verlusten für Apotheken sollen durch eine Anpassung der Arzneimittelpreisverordnung korrigiert werden.

Neue Leistungen – neue Verantwortung

Ein weiteres Kernanliegen der ABDA ist die Erweiterung pharmazeutischer Aufgaben. Im Handout werden unter anderem folgende Maßnahmen genannt:

•    Präventionsangebote und Risikoberatung etwa zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes
•    die Ausweitung der Impfbefugnis auf alle Erwachsenenimpfungen mit Totimpfstoffen
•    strukturiertes Medikationsmanagement für chronisch Erkrankte
•    ein besseres Notfallmanagement bei Lieferengpässen durch größere Entscheidungsspielräume für Apotheken

Die Leistungen sollen helfen, Versorgungslücken zu schließen, Arztpraxen zu entlasten und die Arzneimitteltherapiesicherheit zu verbessern. Die ABDA fordert dafür zügig klare gesetzliche Rahmenbedingungen und eine kostendeckende Vergütung.

Versandhandel: Störfaktor mit Risiken

Die ABDA sieht den zunehmenden Einfluss des Versandhandels kritisch. Vor allem ausländische Anbieter gewinnen Marktanteile, während der stationäre Apothekenbetrieb unter wachsendem Druck steht. Der Versand verschreibungspflichtiger Arzneimitteln wird als Risiko für die Versorgungssicherheit und die Einhaltung regulatorischer Standards beschrieben.

Die ABDA fordert gesetzgeberische Maßnahmen gegen Online-Plattformen mit Missbrauchspotenzial, vor allem bei Lifestyle-Präparaten. Es müsse stärker kontrolliert werden, dass Versandapotheken die Preisbindung einhalten und logistischen Anforderungen wie Kühlketten nachkommen.

Dialogbereitschaft auf politischer Seite

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat gegenüber ABDA-Präsident Thomas Preis Bereitschaft zum Dialog signalisiert. Nach der Sommerpause will die Ministerin erste Ideen für eine Apothekenreform in den Gesetzgebungsprozess einbringen. Die ABDA zeigt sich ihrerseits gesprächsbereit. Sie betont aber, dass die ökonomischen und strukturellen Probleme vielerorts so gravierend seien, dass schnelle und konkrete Maßnahmen notwendig seien.
 

Autor:
Stand:
28.07.2025
Quelle:

1. ABDA: Pressemitteilung, 21.07.2025 
2. ABDA: Handout, 18.07.2025

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