ApoDoc initiiert in Österreich ein Pilotprojekt, das Apotheken als hybride Gesundheitsdienstleister stärken soll. In Wien und Oberösterreich können Patienten direkt vor Ort begleitet vom Apothekenteam ärztliche Videokonsultationen nutzen.
Niederschwelliger Zugang
Die Österreichische Apothekerkammer treibt mit ApoDoc die Integration telemedizinischer Angebote in öffentliche Apotheken voran. Ziel ist es, vor allem außerhalb regulärer Ordinationszeiten einen raschen Zugang zu ärztlicher Expertise zu ermöglichen. In einem separaten Beratungsraum können Patienten während dem Pilotprojekt per Video mit einem Arzt sprechen. Die direkte Anbindung an die Arzneimittelversorgung ermöglicht es, verordnete Medikamente unmittelbar vor Ort abzugeben.
Pilotphase mit ausgewählten Standorten
Seit dem 20. Februar 2026 läuft die erste Testphase in drei Wiener Apotheken. Mitte März wurde das Angebot auf weitere Standorte in Wien und Oberösterreich ausgeweitet. Insgesamt nehmen derzeit 15 Apotheken teil. Die telemedizinische Beratung steht freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 8 bis 12 Uhr zur Verfügung und ist für Patienten kostenlos. Kooperationspartner sind die Gesundheitsdienstleister UNIQA Health Services und Mavie Next, die die technische Infrastruktur und ärztliche Expertise bereitstellen.
Kein Ersatz der Regelversorgung
Das Modell versteht sich ausdrücklich als Ergänzung zur bestehenden ambulanten Versorgung. Es richtet sich vor allem an Patienten mit akuten, aber nicht schwerwiegenden Beschwerden wie Atemwegsinfekten, Magen-Darm-Erkrankungen oder Hautproblemen.
Durch die Kombination aus pharmazeutischer Beratung, telemedizinischer Diagnostik und unmittelbarer Arzneimittelabgabe sollen Versorgungslücken geschlossen und gleichzeitig Spitalsambulanzen entlastet werden.
Apotheke als integrierter Gesundheitsknoten
ApoDoc steht exemplarisch für die Weiterentwicklung der Apotheke hin zu einem interprofessionellen Versorgungszentrum. Neben der Telemedizin werden auch Point-of-Care-Diagnostik und strukturierte Arzneimittelberatung eingebunden.
Ein wesentlicher Vorteil gegenüber rein digitaler Telemedizin besteht darin, dass die persönliche Betreuung erhalten bleibt. Es können diagnostische Parameter direkt erhoben werden und die Therapie startet ohne Verzögerung.
Wissenschaftliche Evaluation bis Sommer
Das Projekt ist zunächst bis Ende Juni 2026 angelegt. Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt das Institut für Pharmazie der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU).
Es werden unter anderem Versorgungsqualität, Patientenzufriedenheit und die Integration in bestehende Strukturen untersucht. Ziel ist eine belastbare Datenbasis für eine mögliche Ausweitung des Modells.
Steuerung von Patientenströmen
Langfristig könnte ApoDoc dazu beitragen, Patienten gezielter durch das Gesundheitssystem zu lenken. Statt unnötiger Ambulanzbesuche würde die Apotheke stärker als erste Anlaufstelle mit direkter Anbindung an ärztliche und pharmazeutische Leistungen fungieren. Damit rückt ein hybrides Versorgungsmodell in den Fokus, das digitale und persönliche Medizin enger verzahnt.










