Apotheken unter Druck: Honorar stagniert, Betriebsausgaben steigen

Der Apothekenmarkt in Deutschland steht unter Druck. Die Zahl der Betriebe ist auf ein Rekordtief gefallen, während Kosten und Personalaufwand stetig steigen. Strukturelle Reformen und eine verlässliche Honorierung sind dringend erforderlich.

Wirtschaftsbericht

Die wirtschaftliche Lage der Apotheken in Deutschland hat sich 2024 weiter verschlechtert. Das zeigt der Apothekenwirtschaftsbericht 2025 der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. Die Zahl der Apotheken fiel auf 17.041 und damit erneut auf einen historischen Tiefstand.

Kein echter Aufschwung

Trotz steigender Umsätze bleibt die wirtschaftliche Realität vieler Apotheken in Deutschland herausfordernd. Das zeigt ein Blick in das Datenpanel der ABDA, das seit 2012 in Zusammenarbeit mit der Treuhand Hannover jährlich systematisch erhoben wird. Die aktuelle Auswertung basiert auf den testierten Betriebsergebnissen von über 2.400 Apothekenbetriebsstätten und bietet damit ein valides Bild der ökonomischen Entwicklung im Jahr 2024

Netto-Umsatz stieg an

Der durchschnittliche Netto-Umsatz einer Apothekenbetriebsstätte lag 2024 bei 3,699 Mio. Euro. Gegenüber den Vorjahren ist das ein deutlicher Anstieg. Diese Entwicklung ist vor allem auf den höheren Umsatzanteil teurer Spezialarzneimittel zurückzuführen.

Doch ein Großteil der Apotheken bleibt hinter diesem Schnitt zurück. Mehr als 62 % der Betriebe lagen unter dem Durchschnittswert. Die Umsatzverteilung zeigt eine starke Spreizung und weist auf eine zunehmende wirtschaftliche Segmentierung der Apothekenlandschaft hin.

Kostenstruktur: Wareneinsatz und Personalkosten

Die Wareneinsatzquote erreichte im Jahr 2024 mit 80 % des Umsatzes einen neuen Höchststand. Das ist ein Trend, der sich über die vergangenen 20 Jahre kontinuierlich verstärkt hat (2003: 71,7 %). Die gestiegenen Kosten resultieren unter anderem aus Preisanstiegen und der zunehmenden Bedeutung hochpreisiger Arzneimittel.

Das sogenannte „Skonto-Urteil“ hat die Einkaufskonditionen verändert und wird von vielen Betrieben weiterhin als Belastung empfunden. Hinzu kommen Lieferengpässe, die nicht nur logistischen Mehraufwand bedeuten, sondern auch zu Personalbindung durch administrative Zusatzlast führen.

Auch die Personalkosten entwickeln sich dynamisch. Bei Einführung eines Mindestlohns von 15 Euro pro Stunde im Jahr 2026 könnten sie – laut Prognose – um rund 40.000 Euro pro Apotheke steigen. Weitere Kostentreiber sind Energiepreise, Mieten und Zinslasten.

Betriebsergebnis: Wachstum unter Inflationsdruck

Das durchschnittliche steuerliche Betriebsergebnis stieg 2024 auf 162.073 Euro. Das ist ein nomineller Zuwachs gegenüber den Vorjahren. Inflationsbereinigt ergibt sich jedoch ein differenziertes Bild: Korrigiert nach Verbraucherpreisindex liegt der reale Gewinn deutlich unter dem Niveau vor 2020.

Die GKV-Versorgung ist ein kritischer Punkt. Das Teilbetriebsergebnis in diesem Bereich betrug 2024 nur etwa 74.600 Euro, was unter dem Bruttolohn eines angestellten Krankenhausapothekers im öffentlichen Dienst liegt.

Unter der wirtschaftlichen Tragfähigkeitsgrenze

Die Verteilung der Betriebsergebnisse zeigt:

  • 7 % der Apotheken arbeiteten 2024 mit negativem Jahresergebnis,
  • 19 % lagen unter 75.000 Euro,
  • nur 54 % erreichten ein Ergebnis über 125.000 Euro.

Die Zahlen verdeutlichen, dass knapp ein Drittel der Betriebe an oder unter der wirtschaftlichen Tragfähigkeitsgrenze arbeitet.

Ausblick 2025 und 2026

Für 2025 wird eine leichte Verbesserung des durchschnittlichen Betriebsergebnisses erwartet, abhängig von der Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen wie der Erhöhung des Fixhonorars oder dem Zuschlag für Apotheken mit niedrigem Versorgungsgrad. Die Rückführung des GKV-Abschlags wirkt hier bereits entlastend.

Allerdings zeichnen sich für 2026 deutliche Kostensteigerungen ab. Gründe sind in erster Linie die geplante Erhöhung des Mindestlohns und weiter steigende Betriebskosten. Die Entwicklung der Apothekenanzahl, der Einkaufskonditionen und des OTC-Absatzes wird entscheidend für die wirtschaftliche Tragfähigkeit vieler Betriebe sein.

Strukturreform dringend erforderlich

Die Zahlen des Treuhand-Datenpanels zeigen: Trotz steigender Umsätze ist die betriebswirtschaftliche Realität oft ernüchternd, die Ergebnisse streuen breit und eine wachsende Zahl von Betrieben ist in ihrer Existenz gefährdet. Ohne strukturelle Reformen und eine verlässliche Honorierung zentraler Leistungen wird die wirtschaftliche Lage vieler Apotheken auch in den kommenden Jahren angespannt bleiben.

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Stand:
26.05.2025
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