Der Rückgang der Apothekenzahl in Deutschland hält unvermindert an. Laut aktuellen Erhebungen der ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände) sank die Zahl der Apotheken bis Ende des dritten Quartals 2025 auf 16.732 Betriebsstätten und damit auf den niedrigsten Stand seit 1977. Seit Jahresbeginn sind 309 Apotheken verschwunden. Bereits 2024 lag die Zahl der Apotheken mit 17.041 auf einem historischen Tiefstand, 530 weniger als im Vorjahr.
Damit beschleunigt sich der Abwärtstrend: 2022 schlossen netto 393 Apotheken, 2023 waren es 497, 2024 sogar 530. Allein im laufenden Jahr 2025 sind es bereits über 300 und die Tendenz ist weiter fallend.
Neueröffnungen brechen ein
Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den Neugründungen. Während 2022 noch 68 Apotheken neu eröffneten, waren es 2023 nur noch 62 und 2024 lediglich 48. Im bisherigen Verlauf des Jahres 2025 kamen bei mehr als 350 Schließungen nur 46 Neueröffnungen hinzu. Diese Entwicklung verdeutlicht die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Apotheken.
Deutschland im EU-Vergleich weit abgeschlagen
Auch im europäischen Vergleich zeigt sich ein deutliches Gefälle. In Deutschland versorgen derzeit nur 20 Apotheken 100.000 Menschen. Das ist einer der niedrigsten Werte in der EU. Im europäischen Durchschnitt sind es 32 Apotheken pro 100.000 Einwohner. Damit ist die flächendeckende Arzneimittelversorgung hierzulande zunehmend gefährdet.
Wirtschaftlich zunehmend unter Druck
„Mit jeder geschlossenen Apotheke wird der Weg zum Arzneimittel für die Menschen schwieriger“, betont ABDA-Präsident Thomas Preis. Die wohnortnahe Versorgung verschlechtere sich spürbar, vor allem in ländlichen Regionen. Preis kritisiert, dass das Apothekenhonorar seit über zehn Jahren nicht angepasst wurde, während Inflation, Lohnsteigerungen und steigende Betriebskosten die wirtschaftliche Situation vieler Apotheken verschärften.
Auch seine Vorgängerin, ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening, hatte bereits Anfang des Jahres gewarnt: „Jede geschlossene Apotheke ist ein Mahnmal für eine gefährdete Versorgung für tausende Patientinnen und Patienten.“ Vor allem junge Apotheker scheuten zunehmend vor der Selbstständigkeit zurück. Die wirtschaftliche Attraktivität einer Apothekengründung ist stark gesunken.
Sorge um Reformpläne und Fachkräftemangel
Zusätzlich zur stagnierenden Honorierung sorgt das geplante Apothekenreformgesetz des Bundesgesundheitsministeriums für erhebliche Unruhe. Nach Ansicht der ABDA könnte es den Negativtrend sogar verschärfen. Durch geplante Deregulierungen drohe eine Schwächung des flächendeckenden, inhabergeführten Apothekensystems. Gleichzeitig werde es immer schwieriger, neue Fachkräfte zu gewinnen.
ABDA fordert Umsetzung des Koalitionsvertrags
Die ABDA appelliert an die Bundesregierung, endlich den eigenen Koalitionsvertrag umzusetzen, in dem eine Honorarerhöhung festgeschrieben ist. Nur so könnten Apotheken wirtschaftlich stabilisiert und ihre Versorgungsleistung langfristig gesichert werden.
Mit dem Positionspapier „In eine gesunde Zukunft mit der Apotheke“ legt die Standesvertretung bereits konkrete Vorschläge vor – etwa zur stärkeren Einbindung der heilberuflichen Kompetenzen der Apotheker in Prävention und Patientenversorgung. Die zentrale Botschaft lautet: Die wohnortnahe, persönliche und fachgerechte Arzneimittelversorgung muss bundesweit gesichert werden.










