Der Beruf des Stationsapothekers etabliert sich in Deutschland seit den letzten Jahren immer mehr. Dr. Holger Knoth, Leiter der Klinikapotheke am Universitätsklinikum Dresden erklärt in einem Interview mit Dr. Marius Löppenberg von der Roche Pharma AG im Rahmen des 46. ADKA-Jahreskongresses die Rolle des Stationsapothekers sowie die Herausforderungen, die mit diesem Berufsfeld einhergehen.
Wichtiger Teil des interdisziplinären Teams
Im Klinikalltag gilt es oft komplexe Arzneimitteltherapieschemata zu bewerten und anzupassen. Selbst für einen gut geschulten Arzt sei dies teilweise schwer zu überblicken, so Knoth. Apotheker hätten aufgrund der ihrer speziellen Ausbildung daher einen legitimen Platz im interdisziplinären Klinikteam. Neben einer Mortalitätssenkung zeige der Einsatz von Stationsapothekern auch einen ökonomischen Benefit.
Ausbildungsmöglichkeiten
Um als approbierter Apotheker in der Klinik tätig zu werden, ist es laut Knoth sinnvoll, einen Teil des Pharmaziepraktikums in einer entsprechenden Klinikapotheke zu absolvieren. Ein direkter Einstieg nach dem universitären Abschnitt sei meist aufgrund einer hierfür unzureichenden Ausbildung nicht möglich. Nach der Approbation sei der Eintritt ins Berufsleben als Krankenhausapotheker aber „immer eine schöne Sache“. Darüber hinaus ist eine Weiterbildung in diesem Bereich möglich.
Fachapotheker für klinische Pharmazie
Als Basis für Stationsapotheker ist die Weiterbildung zum Fachapotheker für klinische Pharmazie wünschenswert. Diese dauert drei Jahre und umfasst sechs Seminare verschiedener Landesapothekerkammern sowie einen Katalog zu absolvierender praktischer Tätigkeiten. Die Weiterbildung ist breit gefächert und umfasst neben der Stationsarbeit beispielsweise auch die Herstellungsabteilung in der Krankenhausapotheke. Laut Knoth ist dies sinnvoll, um alle Bereiche der Arbeit eines Krankenhausapothekers kennenzulernen.
Bereichsweiterbildung Medikationsmanagement im Krankenhaus
Im Jahr 2018 wurde die Bereichsweiterbildung „Medikationsmanagement im Krankenhaus“ in die Musterweiterbildungsordnung der Bundesapothekerkammer aufgenommen und Empfehlungen zu Inhalten und Ablauf verabschiedet. Knoth bezeichnet dies als einen Meilenstein, mit dem die Arbeit auf Station besser gefüllt werden könne.
Voraussetzung hierfür ist der Abschluss oder zumindest die Anmeldung zur Weiterbildung als Fachapotheker für klinische Pharmazie. Die Bereichsweiterbildung dauert ein Jahr und beinhaltet die individuelle arzneimittelbezogene Betreuung der Krankenhauspatienten sowie die Beratung der Ärzte und Pflegekräfte auf Station. Neben einer bestimmten Anzahl an Stunden auf Station mit mindestens 10 Patientenfällen, müssen eine mindestens dreitägige Hospitation in einem anderen Krankenhaus sowie 100 Seminarstunden absolviert werden. Im Anschluss folgt eine Prüfung vor einem Prüfungsausschuss der jeweiligen Landesapothekerkammer.
Arbeitsbereiche eines Stationsapothekers
Prinzipiell hängt es von der entsprechenden Krankenhausapotheke ab, wie breit das Aufgabenfeld eines Krankenhausapothekers gefächert ist. Gerade in kleinen Apotheken seien häufig „Allrounder“ gefragt, die von der Herstellung über Verwaltung bis hin zu Arzneimitteltherapie verschiedene Aufgaben übernehmen. In größeren Krankenhäusern entwickelten sich eher Spezialisten für bestimmte Bereiche, so Knoth.
Neben der Beratung der Ärzte und Pflege in Bezug auf das Medikationsmanagement, können Krankenhausapotheker auch bei Anamnese und Entlassmanagement unterstützen.
Genauere Anamnese
Knoth erklärt, dass es Untersuchungen gebe, die zeigten, dass ein Apotheker bei der Anamnese andere und auch tiefgründigere Antworten von den Patienten erhalte als ein Arzt. Dies entlaste zum einen den Arzt, da er die Anamnese nur noch überprüfen müsse, zum anderen könnten so mehr therapierelevante Informationen über den Patienten gesammelt werden.
Verbesserte Behandlung durch Entlassmanagement
Auch in Bezug auf das Entlassmanagement spielt der Krankenhausapotheker eine wichtige Rolle. Knoth berichtet, dass verschiedene Projekte hierzu zeigten, dass eine Beratung der Patienten zur Medikation noch im Krankenhaus die Behandlung deutlich verbessere, beispielsweise bei der Bedienung von Devices zur Behandlung einer COPD.
Herausforderungen und Wünsche
Knoth bezeichnet den Beruf des Krankenhausapothekers als „mit eine der schönsten Arbeiten, die es überhaupt gibt“, erklärt aber auch, dass er sich generell mehr Wertschätzung für dieses Berufsfeld wünsche. Zwar sei es gerade zu Anfang schwierig Stationsapotheker bei Ärzten zu etablieren, der Hauptwiderstand liege allerdings beim Thema Finanzierung.
Gute Kommunikation
Bei der Zusammenarbeit mit dem anderen Klinikpersonal sei insbesondere eine gute Kommunikation wichtig. Einem Arzt zu widersprechen sei äußerst schwierig, so Knoth. Auf psychologischer Ebene könne es beispielsweise von Vorteil sein, statt von Fehlern von möglichen Problemen zu sprechen. Auf der anderen Seite müsse der Apotheker akzeptieren, dass die Behandlungshoheit beim Arzt liegt und der Apotheker eine beratende Funktion einnimmt. Letztendlich sei eine Kommunikation auf Augenhöhe das Ziel. Dies sei laut Knoth vor allem eine Frage der Akzeptanz.
Deutschland ist Schlusslicht
In Ländern wie England, den USA, Spanien und Holland sei der Zusatznutzen eines Apothekers auf Station längst belegt. Für Deutschland selbst gebe es allerdings bisher wenige Daten. EU-weit ist es das Land mit den wenigsten Krankenhausapothekern pro zu versorgende Betten (0,3 Apotheker pro 100 Krankenhausbetten im Vergleich zum Spitzenreiter Großbritannien mit über 4 Apothekern pro 100 Krankenhausbetten). Derzeit arbeiten in Deutschland etwa 2.500 Apotheker in Klinikapotheken, 50.0000 hingegen in öffentlichen Apotheken.
Mehr Wertschätzung für Stationsapotheker
Für die Stationsarbeit gibt es bisher keine gesonderte Vergütung. Die Apotheker erfüllten in der Klinikhierarchie lediglich eine Funktion als Berater von der Apotheke und nicht der Station aus. Dies sei ein Grundmanko, dass unbedingt angegangen werden müsse. Knoth wünscht sich hier politische und vor allem finanzielle Unterstützung. Nach der Einschätzung des Klinikapothekenleiters werde dieses Thema den Berufsstand noch lange beschäftigen. Er ist aber auch sicher, dass in den nächsten Jahren gerade hinsichtlich des Zusatznutzen von Stationsapothekern in Deutschland einiges weiterentwickeln wird.