Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH) ließ eine Befragung zum Brennpunktthema „Schwierigkeiten bzw. Knappheiten beim Kauf von Arzneimitteln in den letzten 12 Monaten“ durchführen. 35% der Befragten gaben an, die Knappheit erfahren zu haben. Im Juni 2022 hatte der Anteil bei nur 19% gelegen.
In der aktuellen Befragung war der Anteil betroffener Personen bei den 30- bis 49-Jährigen und in Mehrpersonenhaushalten am höchsten. Dafür könnten im Haushalt lebende Kinder die Ursache sein.
Art der Arzneimittel
Von Schwierigkeiten mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln zur Behandlung von akuten gesundheitlichen Beschwerden oder einer vorübergehenden Erkrankung berichteten 43% der Betroffenen. Ebenfalls 43% hatten Schwierigkeiten beim Kauf von rezeptpflichtigen Arzneimitteln zur Behandlung einer chronischen Erkrankung. Mit 41% folgten rezeptfreie Arzneimittel zur Behandlung akuter oder vorübergehender Beschwerden. Auf rezeptfreie Arzneimittel zur Behandlung einer chronischen Erkrankung entfielen 12% der Lieferprobleme.
Menschen über 50 Jahren erlebten vor allem Engpässe bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln zur Behandlung einer chronischen Erkrankung. Jüngere erfuhren eher Schwierigkeiten mit rezeptfreien Präparaten zur Behandlung einer akuten oder vorübergehenden Erkrankung.
Zeitliche Verzögerung
Fast vier von zehn Betroffenen mussten erneut zur Apotheke gehen, um ihr Arzneimittel abzuholen. Bei 41% betrug die Verzögerung zwischen ein und drei Tagen. Von einer Verzögerung zwischen drei und sieben Tagen berichteten 17% und über eine Woche mussten 7% warten. Überhaupt keine Verzögerung berichteten 31%.
Versorgung mit Alternativpräparat
Ein anderes Arzneimittel als das ursprünglich verschriebene beziehungsweise gewünschte Arzneimittel hatten 31% erhalten. Bei 17% der Patienten hatte die Apotheke vor Ort das Arzneimittel besorgen können und nach Hause geliefert. Der Arzt musste für 7% der Befragten ein neues Rezept für ein alternatives Mittel ausstellen.
In 60% der Fälle enthielten die Alternativen den gleichen Wirkstoff. Jeder fünfte erhielt jedoch ein komplett anderes Arzneimittel mit einem anderen Wirkstoff. Eine andere Packungsgröße oder eine andere Darreichungsform hatten 15% beziehungsweise 10% der Befragten bekommen.
Eine Mehrheit von 63% kam von Anfang an gut mit dem anderen Arzneimittel zurecht. Es gaben jedoch 12% an, dass sie das neue Arzneimittel nicht so gut vertragen hätten. Bei 5% traten Schwierigkeiten auf, weil das neue Arzneimittel anders als gewohnt einzunehmen war.
Bevorratung von Arzneimitteln
Mehr als die Hälfte der Deutschen beabsichtigte weder rezeptpflichtige noch rezeptfreie Arzneimittel auf Vorrat zu besorgen. Berichte über die aktuelle Liefersituation ließen jedoch 41% erwägen, sich von ihrem Arzt rezeptpflichtige Arzneimittel auf Vorrat verschreiben zu lassen. Die Meinung, dass Menschen, die sich auf Vorrat mit Arzneimitteln eindeckten, die Versorgungslage verschlimmern würden, vertraten sieben von zehn Befragten.
Gründe für Lieferengpässe
Die Befragten nannten mehrheitlich Aspekte wie international verzweigte Lieferketten, falsche Politik sowie die Wirkstoffproduktion in Asien als Gründe für die aktuelle Arzneimittelknappheit. Diesen Punkten stimmten vor allem die älteren Befragten zu. Die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen machte eher den Kostendruck durch die Krankenkassen verantwortlich.
Weitere Ursachen sahen die Befragten darin, dass es zu wenig Anbieter für bestimmte Arzneimittel gebe (66%), die Krankenkassen zu wenig Geld zahlten (59%) und die Hersteller ihre Produktion falsch planten (56%). Zustimmung erhielten auch die Aussagen, dass die Nachfrage zu groß sei (51%), es Verteilungsprobleme (49%) und zu viele Auflagen für die Hersteller gebe (45%) und sich zu viele Patienten bevorrateten (43%).
Hintergrund
Im Auftrag des BAH befragt das Marktforschungsunternehmen NielsenIQ einmal jährlich etwa 2.000 Bundesbürger zur Versorgungssituation in Deutschland. Weiterhin interviewt das Unternehmen bis zu vier Mal etwa 1.000 Bundesbürger zu aktuellen Brennpunktthemen. Für die vorliegende Studie wurden vom 06. bis 16. April 2023 insgesamt 1.011 Personen in Deutschland ab 18 Jahren repräsentativ für die deutsche Gesamtbevölkerung befragt.










