Die deutschen Apotheken sehen sich einem rasanten Wandel der Gesundheitspolitik ausgesetzt. Den Veränderungen werde die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. noch nicht ausreichend gerecht, so die Einschätzung des Bundesverbands Deutscher Apothekenkooperationen e.V. (BVDAK).
Mit der jüngsten Rede von Bundesgesundheitsminister Dr. Karl Lauterbach auf dem Deutschen Apothekertag 2024 sei laut dem BVDAK klar geworden, dass ein Schulterschluss mit der Politik auf Bundesebene ohne umfassende Strukturreformen und die Bereitschaft zur Veränderung nicht möglich sei. Lauterbach koppelte eine bessere finanzielle Unterstützung der Apotheken an die Umsetzung einer Strukturreform im Rahmen des Apothekenreformgesetzes (ApoRG). Der Entwurf könnte die flächendeckende Arzneimittelversorgung stark verändern, wenn er umgesetzt wird.
Reformbedarf bei der ABDA
Die ADBA braucht laut dem BVDAK eine proaktive Reformagenda. Eine reine Verhinderungstaktik und wiederholte Honorarforderungen seien nicht ausreichend. Stattdessen sei ein langfristiges Konzept gefragt, das auf die aktuellen Herausforderungen der Apothekenlandschaft eingehe. Gesundheitspolitiker auf Bundes- und Landesebene zeigten sich offen für konstruktive Vorschläge, die nachhaltige Lösungen versprechen.
Hauptversammlung verschlanken
Der BVDAK kritisiert zudem die veralteten Strukturen und Abläufe des Deutschen Apothekertags. Eine Hauptversammlung mit theoretisch 473 Stimmberechtigten und einem Antragsbuch mit vielen Selbstverständlichkeiten und Wiederholungen erschwere effiziente Entscheidungen und verursache hohe Kosten. Auch wenn nur 330 Delegierte teilnehmen, bleibt das Format für den BVDAK ineffizient.
Die Entscheidung, die Hauptversammlung als Organ der ABDA aufzulösen, wird dennoch kritisch gesehen. Die ABDA stehe immer wieder wegen ihrer verbesserungsdürftigen Kommunikation zu den Mitgliedern an der Basis in der Kritik, sagt Dr. Stefan Hartmann, erster Vorsitzender des BVDAK, und fügt hinzu: „Mit der Entmachtung des Parlaments laufen wir Gefahr, dass Entscheidungen noch mehr hinter die verschlossenen Türen der Vollversammlung gerückt werden. Die Forderung nach mehr Offenheit bleibt dabei leider auf der Strecke.“
Die ABDA-Verantwortlichen sollten prüfen, ob die notwendige Bereinigung doppelter Entscheidungsstrukturen tatsächlich bedeuten müsse, die Hauptversammlung zu entmachten. Ein strafferer Ablauf, der dennoch echte Entscheidungen ermögliche, wäre förderlich für einen offeneren Dialog, schreibt der BVDAK in der Pressemitteilung. Beispielsweise könnten Prätendentinnen und Präsidenten wie in anderen Heilberufen direkt gewählt werden, um die Entscheidungsprozesse transparenter und praxisnäher zu gestalten.
Frische Impulse
Positive Entwicklungen sieht der BVDAK in der zunehmenden Beteiligung junger Apothekerinnen und Apotheker, die mit frischen Ideen und starkem Engagement die Diskussionen prägen. Die anstehenden Personalwechsel und Wahlen im Ehrenamt bieten Chancen für einen generationsübergreifenden Neustart der ABDA. „Die Jungen befassen sich wirklich mit unserer Apothekenzukunft und gestalten die Weiterentwicklung jetzt schon sehr aktiv mit“, sagt Hartmann. „Mit diesem guten Mindset und dem jugendlichen Engagement können sie auch die anstehende und notwendige Weiterentwicklung der ABDA vorantreiben.“ Deswegen sei ein Strategiepapier 2040 auch der richtige Weg.









