Antimikrobielle Resistenzen (AMR) zählen zu den großen Gesundheitsbedrohungen unserer Zeit. Zum Auftakt der World AMR Awareness Week 2025 vom 18. Bis 24. November mahnte der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed), Infektionsprävention endlich zur obersten Priorität im Gesundheitswesen zu machen. Denn je besser Infektionen vermieden werden, desto seltener müssen Antibiotika eingesetzt werden, und desto geringer ist der Selektionsdruck, der Resistenzen entstehen lässt.
Sechs zentrale Handlungsfelder
Der BVMed-Fachbereich „Infektionsprävention und -kontrolle“ verwies auf sechs Stellschrauben, an denen das deutsche Gesundheitssystem stärker drehen müsse. Dazu gehören robuste Hygienestrukturen, verbindliche Antibiotic-Stewardship-Programme, mehr Forschung zu präventiven Maßnahmen wie Impfstoffen und Antikörpern, eine engmaschige Überwachung, gezielte Aufklärungsarbeit und die konsequente Umsetzung des One-Health-Prinzips über Mensch, Tier und Umwelt hinweg.
Vorsorge verringert den Selektionsdruck
„Infektionsprävention und der konsequente Einsatz präventiver Therapien sind zwei Seiten derselben Medaille. Denn Vorsorge verringert die Krankheitslast, reduziert den Antibiotikaeinsatz und schwächt damit den Selektionsdruck für Resistenzen“, sagte Dr. Ingrid Wanninger, Mitglied im BVMed-Fachbereich und Vorstandsmitglied der BEAM Alliance. Sie verwies auf ein aktuelles Positionspapier, das präventive Maßnahmen als dritten zentralen Pfeiler - neben neuen Antibiotika und verbesserten Diagnostika - im Kampf gegen AMR einordnet.
Belastung durch nosokomiale Infektionen bleibt hoch
Wie dringend diese Bemühungen sind, zeigen aktuelle Zahlen. In Deutschland erleiden laut der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Krankenhaus-Hygiene jedes Jahr mehr als 700.000 Menschen eine nosokomiale Infektion. Besonders gefährlich sind Erreger, die auf Antibiotika kaum noch reagieren. Das Nationale Referenzzentrum meldet seit Jahren eine stabile, aber unverändert hohe Prävalenz solcher Infektionen. Das ist ein Warnsignal dafür, dass die Präventionsmaßnahmen nicht schnell genug vorankommen.
Globale Daten unterstreichen die Dringlichkeit
Auch der globale Blick alarmiert. Eine große Lancet-Analyse aus dem Jahr 2024 sieht bei 4,71 Millionen Todesfällen weltweit einen Zusammenhang mit bakteriellen Resistenzen. Davon waren 1,14 Millionen Todesfälle direkt auf AMR zurückzuführen. Die Daten aus 204 Ländern verdeutlichen, dass Resistenzen längst keine regionale Herausforderung mehr sind, sondern ein weltweites Gesundheitsrisiko.
Ökonomische Belastungen in Milliardenhöhe
Zusätzlich entsteht erheblicher wirtschaftlicher Schaden. Laut einer aktuellen Prognose-Auswertung kosten AMR-bedingte Erkrankungen die EU und den Europäischen Wirtschaftsraum jährlich rund 11,7 Milliarden Euro. Davon entfallen 6,6 Milliarden Euro auf die Behandlung resistenter Infektionen. Weniger Antibiotika zu verbrauchen und eine geringere Inzidenz schwerer Infektionen gelten als wichtige Stellgrößen, um diese Kosten langfristig zu senken.
DART-Strategie als Basis
Der BVMed sah in der Stellungnahme die nationale Antibiotika-Resistenzstrategie DART auf einem guten Weg, forderte jedoch eine deutliche Verstärkung und Verlängerung über 2030 hinaus. Auch europäische Gesetzesinitiativen könnten dazu beitragen, Prävention und Resistenzmanagement strukturell zu verankern. Denn ohne einen entschiedenen Fokus auf Prävention wird der Vorsprung der Erreger weiter wachsen. Mit einem koordinierten Vorgehen über alle Sektoren hinweg ließe sich jedoch viel für Patientensicherheit, Versorgungssysteme und globale Gesundheit erreichen.
Über die Aktionswoche
Die World AMR Awareness Week (WAAW), die jedes Jahr vom 18. bis 24. November stattfindet, ist eine globale Aktionswoche der WHO, die das Bewusstsein für antimikrobielle Resistenzen stärken und zu dringend benötigtem Handeln auf allen Ebenen aufrufen soll. Im Mittelpunkt steht 2025 das Motto „Act Now: Protect Our Present, Secure Our Future“, das unmissverständlich auf den akuten Handlungsdruck hinweist. Resistenzen gegen Antibiotika und andere antimikrobielle Mittel sind längst kein Zukunftsszenario mehr, sondern beeinflussen bereits heute Gesundheit, Landwirtschaft, Umwelt und Wirtschaft.
Die Kampagne fordert Staaten, Gesundheitspersonal, Tierärzte, Landwirte, Umweltakteure und die breite Öffentlichkeit dazu auf, politische Zusagen endlich in konkrete und messbare Maßnahmen zu überführen. Dies reicht von einer besseren Überwachung resistenter Erreger über den verantwortungsvollen Einsatz von Medikamenten bis hin zu Innovationen in Diagnostik und Therapie. Denn nur mit koordiniertem, nachhaltigem Engagement lassen sich wirksame antimikrobielle Mittel für kommende Generationen erhalten und die weltweiten Folgen resistenter Infektionen eindämmen.










