Der Deutsche Apothekertag 2025 in Düsseldorf stand ganz im Zeichen einer wachsenden Unzufriedenheit mit der Gesundheitspolitik. Die Delegierten nahmen zwar das Gesprächsangebot von Gesundheitsministerin Nina Warken an, stellten jedoch klar: Ohne konkrete Verbesserungen sind die Versorgungsstrukturen gefährdet.
Kernforderung ist die sofortige Umsetzung der im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD vereinbarten Honoraranpassung. Das packungsbezogene Fixhonorar soll auf 9,50 Euro steigen, für Landapotheken sogar auf bis zu 11 Euro. Für die Apothekerschaft ist das eine überfällige Soforthilfe, um weitere Schließungen zu verhindern. Zugleich erteilten die Delegierten der Idee einer „Apotheke ohne Apotheker“ eine klare Absage.
„Apotheke der Zukunft“
Ein Schwerpunkt des Apothekertags war das Positionspapier „In eine gesunde Zukunft mit der Apotheke“. Es skizziert, wie Apotheken ihre heilberufliche Rolle in den kommenden Jahren erweitern können. Damit wollen die Apotheker sowohl die ambulante Versorgung entlasten als auch den Zugang für Patienten erleichtern.
Apothekennachwuchs in Gefahr: Mehr Anreize für Existenzgründungen
2024 schlossen bundesweit 530 Apotheken, während nur 48 Neugründungen verzeichnet wurden. Gleichzeitig steht fast die Hälfte der heutigen Inhaber kurz vor dem Ruhestand. Um den Nachwuchs für die Selbstständigkeit zu gewinnen, forderten die Delegierten eine umfassende Gründerstrategie. Vorgesehen sind unter anderem Mentorenprogramme, erleichterter Zugang zu Startkapital und bundesweit koordinierte Informationskampagnen.
Krankenhausapotheken: Strukturelle Stärkung gefordert
Auch die Rolle der Krankenhausapotheken rückte in den Fokus. Sie sollen in der anstehenden Krankenhausreform ausdrücklich als Strukturmerkmale aufgenommen werden. Nur so, argumentierten die Delegierten, könne die Arzneimitteltherapiesicherheit langfristig gewährleistet werden. Darüber hinaus soll die Einbindung von Apothekern in interprofessionelle Behandlungsteams gesetzlich verankert werden – mit dem Ziel, Medikationsfehler zu vermeiden, die Pflege zu entlasten und die Patientensicherheit zu verbessern.
Approbationsordnung dringend reformieren
Ein weiterer Beschluss betrifft die Ausbildung: Die Approbationsordnung für Apotheker, die seit 2001 kaum verändert wurde, soll modernisiert werden. Neue Tätigkeiten wie pharmazeutische Dienstleistungen, Impfungen oder digitale Angebote müssten sich in der Ausbildung widerspiegeln. Nur so könne der Beruf auch für den Nachwuchs attraktiv bleiben.
Versandhandel im Visier: Striktere Regeln gefordert
Beim Versandhandel bezogen die Delegierten eine klare Position. Der Versand von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln soll wieder auf das unionsrechtlich gebotene Maß beschränkt werden. Besonders strikt positionierten sich die Delegierten bei sensiblen Substanzen. Für Betäubungsmittel und medizinisches Cannabis sprachen sich die Delegierten für ein generelles Versandhandelsverbot aus. Nur die persönliche Abgabe in der Vor-Ort-Apotheke könne hier Patientensicherheit garantieren.
Verantwortung übernehmen – aber mit klaren Rahmenbedingungen
Der Apothekertag 2025 machte deutlich: Die Apothekerschaft ist bereit, neue Aufgaben zu übernehmen und die Versorgung aktiv mitzugestalten. Ohne politische Verlässlichkeit, faire Vergütungsmodelle und strukturelle Reformen droht das Netz der Vor-Ort-Apotheken weiter auszudünnen. Die Botschaft an die Bundesregierung ist unmissverständlich: Es gilt jetzt, den Koalitionsvertrag umzusetzen und die Zukunft der Arzneimittelversorgung zu sichern.









