BVKJ: Keine ePA für Kinder und Jugendliche

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen fordert, die Einführung der ePA auszusetzen, bis eine lückenlose Datensicherheit gewährleistet ist. Dabei mahnt der Verband insbesondere den Schutz der Rechte von Kindern und Jugendlichen an.

elektronische Patientenakte Beispiel

Sicherheitsmängel bei der elektronischen Patientenakte (ePA) alarmieren den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ). Nach Erkenntnissen des Chaos Computer Clubs (CCC) könnten die Gesundheitsdaten von mehr als 70 Millionen Versicherten, darunter viele Kinder und Jugendliche, gefährdet sein. Der BVKJ fordert nun Maßnahmen zur Absicherung der sensiblen Daten und empfiehlt Eltern, vorerst von der Nutzung der ePA abzusehen.

Konkrete Lösungen stehen aus

Laut BVKJ-Präsident Dr. Michael Hubmann gehen die bisherigen Reaktionen der Verantwortlichen nicht weit genug. Es sei frustrierend, wie die Verantwortlichen versuchen, eine für professionelle Angreifer leicht zu überwindende Datenlücke kleinzureden und den Eindruck zu erwecken, die ePA würde die Datensicherheit in Deutschland sicherstellen. „Bereits Ende November haben wir uns mit unseren Sorgen bezüglich der Rechte von Kindern und Jugendlichen in der ePA an das Bundesgesundheitsministerium, die Bundesdatenschutzbeauftragte, den Patientenbeauftragten und die Gematik gewandt – doch das Ministerium sieht offenbar keinerlei Handlungsdruck und die Probleme bleiben weiterhin ungelöst“, sagt Hubmann.

Einführung sei ein Blindflug

Grundsätzlich befürwortet der Verband digitale Lösungen – etwa durch die eigene App „Meine pädiatrische Praxis“. Die digitale Patientenakte wird auch begrüßt, aber sie müsse laut Hubmann funktional und sicher sein. „Was wir hier erleben, ist nichts anderes als ein Blindflug. Wenn der Chaos Computer Club ohne große Hürden auf alle ePAs zugreifen kann, ist es nur eine Frage der Zeit, bis andere das auch schaffen“, sagt der BVKJ-Präsident. Angesichts der zunehmenden Bedrohungen durch hybride Kriegsführung sei davon auszugehen, dass solche Angriffe Realität werden können.

Der BVKJ geht nicht davon aus, dass bis zur Einführung der ePA im Frühjahr die schwerwiegenden Bedenken oder die jüngsten Warnungen des CCC zu den Sicherheitsmängeln ausgeräumt sein werden. „Bis die Rechte von Kindern und Jugendlichen in akzeptabler Weise verwirklicht sind, können wir Patienten und deren Eltern nur empfehlen, sich aktiv gegen die ePA zu entscheiden“, sagt Hubmann.

Einführung aussetzen

Ein zentraler Kritikpunkt des BVKJ ist das Fehlen einer Möglichkeit, ehemals Berechtigten schnell den Zugang zu sensiblen Daten zu entziehen, was etwa im Kinderschutzfall essenziell wäre. Obwohl die Bundesdatenschutzbeauftragte die Bedenken des BVKJ teilt, bleiben konkrete Lösungen aus. Der BVKJ-Präsident fordert daher, die Einführung der ePA auszusetzen, bis ein sicheres System gewährleistet ist, und empfiehlt Eltern, die Nutzung der ePA vorerst abzulehnen.

Autor:
Stand:
27.01.2025
Quelle:

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ), Pressemitteilung: Schwachstellen in der ePA: BVKJ fordert Datensicherheit für Kinder und Jugendliche, 07.01.2025.

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden
Orphan Disease Finder
Orphan Disease Finder

Hier können Sie seltene Erkrankungen nach Symptomen suchen: