Generika in Deutschland 2024: Rückgrat der Versorgung wird unwirtschaftlich

Generika versorgen den Großteil der gesetzlich Versicherten und halten dabei die Kosten niedrig. Doch genau diese Effizienz wird zunehmend zum Risiko - für die Hersteller wie für die Versorgungssicherheit. Das zeigt der aktuelle Jahresbericht „Generika in Zahlen 2024“.

Generika Tabletten

Sie sichern die Versorgung, sie senken die Kosten und geraten dabei zunehmend unter Druck: Generika sind das wirtschaftliche Rückgrat der Arzneimittelversorgung in Deutschland. Wie es allerdings um die Branche bestellt ist, zeigt der neue Jahresreport „Generika in Zahlen 2024“ des Branchenverbands Pro Generika. Auf Basis der Daten wird deutlich, dass Generika zwar 80 % der Tagestherapiedosen im GKV-Markt abdecken, die Hersteller jedoch nur einen Bruchteil der von der GKV gezahlten Arzneimittelausgaben erhalten. Das führt zu einem wachsenden Risiko.

Große Leistung – kleiner Preis

Der Anteil von Generika an der GKV-Arzneimittelversorgung ist über die Jahre kontinuierlich gestiegen und lag 2024 bei 38,8 Milliarden Tagestherapiedosen. Gleichzeitig betrugen die Ausgaben der Krankenkassen für diese Arzneimittel nach Abzug aller Rabatte lediglich 2,34 Milliarden Euro. Das entspricht gerade einmal 6,9 % der Netto-Gesamtausgaben für Arzneimittel. Zum Vergleich: Für patentgeschützte Präparate wurde bei deutlich geringerer Versorgungsrelevanz mehr als das Achtfache ausgegeben.

Preisdruck mit System

Durchschnittlich sechs Cent zahlte die GKV pro Tagestherapiedosis eines Generikums im Jahr 2024. Das ist ein Preis, der durch zahlreiche regulatorische Eingriffe künstlich niedrig gehalten wird. Dazu zählen gesetzliche Festbeträge, das Preismoratorium und vor allem die Rabattverträge, die zwischen Kassen und Herstellern abgeschlossen werden.

Rabattverträge: Sparmotor mit Nebenwirkungen

Dreh- und Angelpunkt der generischen Versorgung sind die Rabattverträge. Etwa drei Viertel aller abgegebenen Generikapackungen unterlagen 2024 solchen Vereinbarungen. Für die Krankenkassen ermöglicht das jährlich Einsparungen in Milliardenhöhe. 2024 waren es rund 6,2 Milliarden Euro.

Der zunehmende Preisdruck zeigt jedoch auch Nebenwirkungen. Viele Wirkstoffe werden heute nur noch von wenigen Herstellern produziert. Bei wichtigen Medikamenten wie Metformin, Citalopram oder Amoxicillin liegt der Versorgungsanteil einzelner Unternehmensgruppen bei über 80 bis 90 %. Das birgt ein erhebliches Risiko für drohende Lieferengpässe.

Ausschreibungen mit Risiken

Die Vergabe der Rabattverträge erfolgt in der Regel über Ausschreibungen. Hersteller müssen darin ihre Angebote auf Grundlage des geschätzten Kassenbedarfs und unter Berücksichtigung vielfältiger Risiken, etwa Preissteigerungen bei Vorprodukten, Transportprobleme oder steigende Umweltanforderungen kalkulieren.

Wer das günstigste Angebot abgibt, erhält den Zuschlag. Das erfolgt oft ohne Inflationsausgleich, aber mit vertraglich festgelegten Strafzahlungen im Falle von Lieferausfällen. Seit Inkrafttreten des ALBVVG müssen Hersteller für rabattierte Arzneimittel zudem sechs Monate lang bevorraten, ohne dass Versorgungsaspekte berücksichtigt werden.

Ein System am Limit?

Die Zahlen aus 2024 machen deutlich, dass die Arzneimittelversorgung in Deutschland ohne Generika wohl kaum finanzierbar wäre. Sie ersparten der GKV rund 16 Milliarden Euro und könnten laut Pro Generika durch vollständigen Ersatz patentfreier Erstanbieterprodukte sogar weitere 1,8 Milliarden Euro zusätzlich einsparen helfen.

Gleichzeitig stehen die Hersteller wirtschaftlich unter immer größerem Druck. Pro Generika weist daraufhin, dass eine Tagestherapie im Wert von sechs Cent zwar aus Sicht der Krankenkassen vorteilhaft ist, für viele Hersteller aber kaum noch tragbar ist.

Versorgung braucht Verlässlichkeit

Der Verband warnt vor den Folgen einer jahrelangen Niedrigpreispolitik. Immer weniger Hersteller würden immer mehr Patienten versorgen müssen. Um die Versorgungssicherheit langfristig zu sichern, brauche es laut Pro Generika eine Debatte über angemessene wirtschaftliche Rahmenbedingungen, etwa durch einen echten Inflationsausgleich, gezielte Entlastungen für versorgungsrelevante Wirkstoffe oder die Förderung europäischer Wirkstoffproduktion.

Autor:
Stand:
30.06.2025
Quelle:

Pro Generika: Generika in Zahlen 2024.

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