Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände begrüßt in einer Pressemitteilung grundsätzlich die zunehmende Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen. Das könne die Effizienz und Qualität der Patientenversorgung nachhaltig verbessern. Wenn KI administrative Aufgaben übernimmt, könne das beispielsweise das Apothekenpersonal entlasten und Freiräume für patientenorientierte Tätigkeiten schaffen. Gleichzeitig sei es aber von zentraler Bedeutung, die Risiken, die mit dem Einsatz neuer Technologien verbunden sind, zu minimieren.
Zum Umgang mit KI in der Apotheke hat die ABDA daher das Positionspapier „Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Pharmazie“ veröffentlicht. „Die Apotheken sind bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens schon jetzt ganz vorne dabei und wollen es auch bleiben“, betont Anke Rüdinger, Leiterin des „Digital Hub“ der ABDA und stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV).
KI in der Apotheke
In dem Positionspapier beschreibt die ABDA denkbare Einsatzmöglichkeiten von KI in Apotheken. Die ABDA fordert aber auch,
dass die Entwicklung und Anwendung von KI-Systemen auf ethischen Prinzipien beruhen. Wichtige Grundsätze wie Transparenz, Datensicherheit und die Wahrung der Nutzerautonomie müssten gewährleistet sein, um das Vertrauen in die Technologie zu stärken.
Patientenkommunikation
Apotheken können mit Hilfe von KI verschiedene Kommunikationskanäle (Multichannel) und einen 24/7-Service für Patienten anbieten. KI kann Anfragen effizient aufbereiten und gegebenenfalls direkt an das Apothekenpersonal weiterleiten. Reine, nicht-pharmazeutische Anfragen können gemäß festgelegten Regeln sogar vollständig automatisiert beantwortet werden.
Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS)
KI kann die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern, indem sie Informationen aus Datenbanken analysiert und abgleicht, um potenziell gefährliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten zu erkennen. Sie kann individuelle Patientendaten, wie Alter, Geschlecht oder Vorerkrankungen berücksichtigen und daraus maßgeschneiderte Medikations- und Gesundheitsempfehlungen ableiten. Diese personalisierten Vorschläge unterstützen Apotheker und Apothekerinnen in ihrer Beurteilung.
Optimierung von Lieferketten
Durch den Einsatz von KI können kritische Schwachstellen innerhalb der Lieferketten der pharmazeutischen Industrie effizient überwacht werden. Bei identifizierten potenziellen Engpässen können geeignete Alternativen und Maßnahmen rechtzeitig vorbereitet und koordiniert werden.
KI kann in der Apotheke Verkaufsdaten analysieren und saisonale und apothekenspezifische Trends erkennen. Prognosen für die zukünftige Nachfrage ermöglichen eine automatisierte und kontinuierlich optimierte Bestandsplanung, wodurch das Risiko von Lagerwertverlusten minimiert wird. Die Kundenzufriedenheit kann durch eine schnellere und bedarfsgerechte Versorgung gesteigert werden.
Weitere Einsatzmöglichkeiten
Die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) fordert von Apotheken ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) für alle pharmazeutischen Tätigkeiten. Dabei kann KI unterstützen. Routineaufgaben wie Bestände verwalten, Rezepte prüfen und Dokumentation können durch KI-gestützte Systeme effizienter gestaltet werden.
KI unterstützt auch betriebswirtschaftliche Analysen, indem sie Kennzahlen wie Warenlagerwert, Retourenquote, Umsatz, Rohertrag und Zahlungsströme überwacht.
Non-invasive PoC-Diagnostik
KI-gestützte Diagnostik bietet im Bereich der non-invasiven Point-of-Care (PoC) Diagnostik Vorteile. Mit entsprechenden Analysegeräten können Blutparameter schnell ermittelt werden. Das kann ärztliche und pharmazeutische Entscheidungen beschleunigen und die Versorgung der Patienten verbessern. Die Diagnosemethoden können besonders bei der Früherkennung und Prävention von Krankheiten wertvolle Dienste leisten.
Ergänzung, nicht aber Ersatz
Trotz der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der KI weist Rüdinger darauf hin, dass die endgültige Entscheidung über die Abgabe von Arzneimitteln sowie die Beratung von Patienten immer in der Hand der Apotheker bleiben müssten. Obwohl die Datenbanken KI-gestützter Systeme fortschrittlich sind, können sie nach wie vor falsche Informationen liefern.
Der persönliche Kontakt zwischen Menschen ist zudem entscheidend, um Verhaltensänderungen und Therapietreue nachhaltig zu fördern. Das persönliche Vertrauensverhältnis von Mensch zu Mensch in der Apotheke ist laut der Leiterin des „Digital Hub“ die Essenz des Heilberufs und könne nicht durch KI ersetzt werden.










