Landapotheken stärken?
Der Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat in seinem Statement die Notwendigkeit betont, die Apothekenversorgung in ländlichen Gebieten zu stärken. Stefanie Stoff-Ahnis, Vorständin des GKV-Spitzenverbandes, erklärte: „Wir brauchen keine elf Apotheken fußläufig zum Münchner Marienplatz. Wir müssen aber dafür sorgen, dass Patientinnen und Patienten auch in der Uckermark, in Ostfriesland oder im Hunsrück eine Apotheke in der Nähe finden können.“
Für dieses Ziel müsse die Vergütung der Apotheken reformiert werden, sodass Apotheken in ländlichen Gebieten wirtschaftlich bevorzugt werden gegenüber denen in städtischen Zentren. Apotheken, die in ländlichen Regionen eine geringe Anzahl an Arzneimitteln abgeben, sollten laut Stoff-Ahnis einen Versorgungsbonus erhalten.
Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Dr. Hans-Peter Hubmann, äußert sich in einer Pressemitteilung zu der aktuellen Stellungnahme des GKV-Spitzenverbandes bezüglich dieser möglichen Apothekenreform und macht seine Kritik deutlich.
Versorgung in Gefahr
„Der Umverteilungsvorschlag des GKV-Spitzenverbandes zeigt, wie wenig den Krankenkassen an einer guten Versorgung ihrer eigenen Versicherten gelegen ist“, sagt Hubmann. Die Behauptung, Stadtapotheken stünden besser da als Landapotheken, sei schlichtweg falsch. Hubmann rechnet am Beispiel Berlin-Lichtenberg vor, dass es dort eine Apothekendichte von 14 Apotheken gibt, die 100.000 Menschen versorgen müssen.
„Im Bundesdurchschnitt versorgen rund 21 Apotheken 100.000 Bürgerinnen und Bürger – im EU-Vergleich sind es sogar 32. In den Großstädten Deutschlands sinkt die Apothekenzahl schon seit Jahren – teilweise sogar schneller als im Bundesdurchschnitt. Für die Menschen in den Kiezen bedeutet dies, dass jedes Mal ein Stück wohnortnahe Versorgung wegfällt und somit weitere Wege anfallen“, so Hubmann.
Benachteiligung von Städtern
Hubmann findet es bemerkenswert, dass die Krankenkassen bewusst die in den Städten lebenden GKV-Versicherten benachteiligen wollen. Die Apotheken befänden sich seit elf Jahren in einer wirtschaftlichen Krise, weil die Honorare stagnierten. Bei mehr als 10% der Betriebsstätten seien inzwischen die Betriebsergebnisse defizitär.
Laut dem DAV-Vorsitzenden wäre die weitere Absenkung des Apothekenhonorars fatal und würde den Wegfall vieler weiterer Apotheken bedeuten. „Die rund 100 Krankenkassen sollten ihren Versicherten lieber mitteilen, wie viel Geld sie jährlich in Verwaltungsausgaben investieren.“
„Reiner Sparwahn“
Mehr als 4% der GKV-Einnahmen wenden die Kassen laut Hubmann für unnötige Ausgaben wie massive Werbekampagnen auf. Zum Vergleich gäben die Krankenkassen für das Apothekenhonorar nur etwa 2% der GKV-Einnahmen aus. „Daran sieht man, worum es dem GKV-Spitzenverband wirklich geht: nicht um eine qualitativ hochwertige Versorgung der Menschen in Deutschland, sondern um den reinen Sparwahn“, sagt Hubmann.
Die Apothekerschaft prüft derzeit das vollständige Konzeptpapier des GKV-Spitzenverbandes und wird es zu einem späteren Zeitpunkt kommentieren.









