ADBA: Apotheken wollen mehr Verantwortung übernehmen

Mit einem neuen Positionspapier präsentiert die ABDA Vorschläge, wie die Vor-Ort-Apotheken mehr Verantwortung übernehmen können. Im Fokus stehen eine unbürokratische Arzneimittelversorgung, ein Ausbau der Prävention sowie eine intensivere Begleitung der Patienten.

Moderne Apotheke

Die Vor-Ort-Apotheken in Deutschland wollen künftig mehr Verantwortung in der Gesundheitsversorgung übernehmen. In einem neuen Positionspapier mit dem Titel „In eine gesunde Zukunft mit der Apotheke“ schlägt die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände konkrete neue Versorgungsaufgaben für Apotheken vor. Ziel ist es, das Gesundheitssystem zu entlasten und die Patientenversorgung zu stärken.

„Zur Sicherung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung können wir unsere Kernaufgabe der Arzneimittelversorgung um weitere Leistungen erweitern und ergänzen“, sagt ABDA-Präsident Thomas Preis. „Mit diesem Papier möchten wir mit der Politik, den Akteuren im Gesundheitswesen und den Patientinnen und Patienten über eine gemeinsame, patientengerechte Gesundheitsversorgung der Zukunft ins Gespräch kommen.“ Eine zukunftsfähige Rolle der Apotheken erfordere dafür jedoch stärkere Strukturen und eine faire, leistungsbezogene Vergütung, so Preis weiter.

Drei Aufgabenbereiche im Fokus

Das Papier fokussiert sich auf drei zentrale Handlungsfelder:

Unbürokratische Arzneimittelversorgung

Apotheken sollen bei Lieferengpässen flexibler reagieren dürfen, etwa durch Austausch von Arzneiformen oder therapeutisch vergleichbaren Präparaten. Im Notdienst sollen sie verschreibungspflichtige Medikamente bei einfachen Erkrankungen direkt abgeben sowie rezeptfreie Kinderarzneimittel zulasten der GKV bereitstellen. Auch eine einmalige Rezeptverlängerung für stabil eingestellte Patienten wird vorgeschlagen.

Stärkere Rolle in Prävention und Früherkennung

Die ABDA sieht Apotheken als niedrigschwellige Anlaufstellen für Präventionsleistungen wie Impfungen oder Screenings auf Blutzucker- und Cholesterinwerte. Gerade jüngere Menschen stehen dem Umfragen zufolge offen gegenüber und können sich zum Beispiel vorstellen, sich in einer Apotheke impfen zu lassen.

Intensivierte Arzneimittelberatung

Neue pharmazeutische Dienstleistungen sollen helfen, die Therapietreue von Patienten zu verbessern. Studien zufolge werden rund 10 bis 25 % der Arzneimitteltherapien nicht wie verordnet umgesetzt. Das hat mögliche Folgen wie Krankenhausaufenthalte. Apotheker sollen künftig besonders bei der Neueinstellung auf Dauermedikamente eng begleiten und können bei digitalen Angeboten wie der ePA unterstützen.

Bevölkerung und Politik steht hinter den Apotheken

Laut einer ABDA-Umfrage unter Bundestagskandidaten unterstützen 95 % die Apotheken als unverzichtbaren Teil der Versorgung und 93 % sprechen sich für mehr Präventionsangebote in Apotheken aus. Eine aktuelle forsa-Umfrage untermauert ebenso den Rückhalt in der Bevölkerung: 96 % der Befragten halten die Apotheke vor Ort für wichtig oder sehr wichtig. Zwei Drittel nutzen sie mindestens einmal monatlich.

Eine Mehrheit wünscht sich ein erweitertes Leistungsspektrum, etwa die Verlängerung bestimmter Rezepte (81 %), die Notfallabgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel ohne vorherigen Arztbesuch (65 %) oder Tests auf Infektionskrankheiten (64 %) sowie erhöhte Blutzucker- oder Cholesterinwerte (61 %). Vier von zehn Menschen waren bereits von Lieferengpässen betroffen, in drei Viertel der Fälle konnte die Apotheke vor Ort das Problem lösen.

Mehr Honorar für sichere Versorgung

Für die Umfrage wurden 3.441 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland im Zeitraum vom 4. bis 13. März 2025 befragt. Die Daten zeigen, dass die Wichtigkeit der Apotheke vor Ort mit zunehmendem Alter steigt. Mehr als 10 % der Befragten spüren jedoch bereits Auswirkungen des Apothekensterbens. Um eine sichere Arzneimittelversorgung durch wohnortnahe Apotheken zu sichern, finden 60 % der Deutschen, dass das Apothekenhonorar erhöht werden sollte. 

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