Wie können Apotheken im Alltag aktiv zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen? Der neue Leitfaden „Ökologische Nachhaltigkeit in Apotheken“, an dem auch die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. mitgewirkt hat, liefert darauf praxisnahe Antworten. Der Leitfaden ist im Rahmen des BMG-geförderten Fraunhofer-Projekts „Ökologische Nachhaltigkeit im ambulanten Gesundheitswesen“ (ÖNaG) entstanden. Er bietet Apothekenteams Maßnahmenempfehlungen, Checklisten und anschauliche Praxisbeispiele, um den Betrieb nachhaltiger zu gestalten, ohne die Arzneimittelversorgung zu beeinträchtigen.
Warum Nachhaltigkeit in der Apotheke wichtig ist
Der Gesundheitssektor ist für rund 5 % der Treibhausgasemissionen und des Ressourcenverbrauchs in Deutschland verantwortlich. Der Leitfaden sieht Apotheken nicht nur als Versorger, sondern auch als Multiplikatoren für nachhaltiges Gesundheitsverhalten. Dazu gehört unter anderem die Beratung zur richtigen Lagerung und Entsorgung von Arzneimitteln, die Auswahl ökologisch verträglicher Produkte oder der Einsatz klimafreundlicher Transportmittel für den Botendienst. Apotheken können auch durch ihre Entscheidungen bei Beschaffung, Energieverbrauch, Beratung und Entsorgung Verantwortung übernehmen.
Zehn einfache Maßnahmen für den Start
Für den schnellen Einstieg nennt der Leitfaden zehn konkrete Maßnahmen, zu denen die folgenden gehören:
- Klimabeauftragte ernennen und Nachhaltigkeit ins Qualitätsmanagement integrieren
- Bestellungen bündeln, Lagerhaltung optimieren
- Regional und nachhaltig einkaufen
- LED-Beleuchtung, Wasserspartechnik und nachhaltige Büroausstattung nutzen
- E-Bikes und digitale Botendienstplanung einsetzen
Viele dieser Maßnahmen sind kostengünstig oder sogar kostenneutral und lassen sich schrittweise von den Teams umsetzen.
5-R-Regel für ökologische Nachhaltigkeit
Die 5-R-Regel (Reduce, Refuse, Reuse, Rethink, Recycle) bietet eine einfache Orientierung für umweltbewusstes Handeln im Apothekenalltag - vom Einkauf bis zur Entsorgung. Sie ruft dazu auf, Ressourcen nur bei echtem Bedarf zu nutzen, umweltbelastende Produkte und Abläufe zu vermeiden, Dinge mehrfach zu verwenden, eingespielte Prozesse zu hinterfragen und möglichst viele Materialien zu recyceln oder zu kompostieren.
Handlungsfelder und Good-Practice-Beispiele
Der Leitfaden beleuchtet insgesamt zwölf Handlungsfelder von IT-Ausstattung und Gebäudeinfrastruktur über Mobilität und Arzneimittel bis hin zu Hygiene und Verbrauchsmaterialien. Er enthält Checklisten, Hinweise zu Fördermöglichkeiten, Tipps zur Ressourcenerfassung sowie Empfehlungen für klimasensible Beratung, etwa zur Vermeidung unnötiger Arzneimittelverordnungen. Es werden Beispiele aus der Praxis vorgestellt, beispielsweise für nachhaltige Beschaffung, energieeffiziente Raumplanung sowie Kooperationen mit lokalen Partnern.
Hintergrund
Der Leitfaden greift den Antrag L 2 des Deutschen Apothekertags 2022 auf, in dem sich die Hauptversammlung zu nachhaltigem Arbeiten in Apotheken bekannt hat. Ziel ist es, Apotheken nicht nur klimafreundlicher zu machen, sondern sie als sichtbare Vorbilder für ökologisch verantwortliches Handeln zu positionieren - im Sinne der Gesundheit von Mensch und Umwelt.










