Nahrungsergänzungsmittel für Kinder: Meist überdosiert und überflüssig

Viele Eltern greifen zu Vitaminbärchen oder angereicherten Lebensmitteln, um die Gesundheit ihrer Kinder zu fördern. Die Präparate enthalten jedoch oft zu hohe Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen, bergen gesundheitliche Risiken und liefern keinen belegbaren Nutzen.

Vitamine Kind

Rund jedes zehnte Kind in Deutschland bekommt täglich Nahrungsergänzungsmittel (NEMs) oder mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Lebensmittel. Diese Produkte gibt es häufig in kindgerechten Darreichungsformen. Sie sind schmackhaft und sollen das Immunsystem stärken oder die Konzentration verbessern.

Überdosiert oder überflüssig

Ein aktueller Marktcheck der Verbraucherzentralen zeigt jedoch, dass die Produkte in der Regel zu hoch dosiert, medizinisch nicht notwendig und mitunter riskant sind. Die Untersuchung von 33 Präparaten ergab, dass 70 % mindestens ein Vitamin oder Spurenelement oberhalb der Referenzwerte für Vier- bis Siebenjährige enthielten. Fast 40 % überschritten sogar die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlenen Höchstmengen. Diese Höchstmengen gelten allerdings ohnehin nur für Jugendliche und Erwachsene ab 15 Jahren.

Bereits 2018 hatten die Verbraucherzentralen im Projekt Klartext Nahrungsergänzung 26 Kinderpräparate unter die Lupe genommen. Schon damals wurde viele Mittel als überdosiert und gesundheitlich bedenklich befunden.

Gesundheitsrisiken statt Zusatznutzen

Kritisch sind vor allem fettlösliche Vitamine wie A und D. Sie können sich im Körper anreichern und Kopfschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit hervorrufen. Auch Kupfer, das in einigen Präparaten enthalten ist, gilt für Kinder als ungeeignet. Die Werbeaussagen erwecken dennoch den Eindruck, dass die Mittel die Abwehrkräfte stärken oder die geistige Leistungsfähigkeit steigern könnten. Wissenschaftlich belegt ist das nicht.

Insgesamt sind die gesundheitsbezogenen Aussagen auf den Verpackungen zwar in den meisten Fällen sind zwar rechtlich zulässig, jedoch primär auf Erwachsene ausgelegt. Für Kinder lassen sie sich nicht einfach übernehmen. Vitamin C und Zink tragen beispielsweise bei Erwachsenen nachweislich zur normalen Funktion des Immunsystems bei. Kinder profitieren hingegen eher von Vitamin D.

Dem Schein nach eine Süßigkeit

Kritisch bewerten die Fachleute zudem die Darreichungsformen. Produkte in Form von Gummibärchen oder Bonbons wirken wie Süßigkeiten und verleiten Kinder dazu, mehr zu nehmen als empfohlen. Eine Überdosierung liegt dann schnell im Bereich des Möglichen. Auch finanziell sind die Produkte bedenklich. Bereits 2018 kalkulierten die Verbraucherzentralen jährliche Kosten von bis zu 500 Euro pro Kind und das ohne nachweisbaren Nutzen.

Fazit für Eltern und Fachkreise

Kinder brauchen in aller Regel keine NEMs. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung an der frischen Luft sind relevante Faktoren für eine gesunde Entwicklung. Wenn überhaupt, sollte eine Supplementierung nur nach ärztlicher Empfehlung erfolgen. Das kann zum Beispiel bei nachgewiesenem Vitamin-D-Mangel der Fall sein.

Die Verbraucherzentralen fordern den Gesetzgeber auf, verbindliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe festzulegen, die altersgerecht sind und Kinder ausdrücklich berücksichtigen. Bis dahin sollten Eltern bei bunten Bärchen mit Gesundheitsversprechen genau hinsehen.

Autor:
Stand:
01.09.2025
Quelle:

Verbraucherzentrale Bundesverband: Pressemitteilung, 21.08.2025 

 

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