Nahrungsergänzungsmittel im Faktencheck: Werbung vs. Realität

Nahrungsergänzungsmittel gehören für viele zum Alltag. Der Boom wird durch soziale Medien und werbewirksame Mythen befeuert. Verbraucherschützer fordern klare Regeln sowie besseren Schutz vor falschen Gesundheitsversprechen.

Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel (NEMs) boomen. Doch viele Menschen überschätzen den Nutzen und unterschätzen die Risiken. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Projekts Lebensmittelklarheit.de zeigt, dass Werbung, vor allem in sozialen Netzwerken, Verbraucher häufig in die Irre führt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert daher strengere Regeln und mehr Kontrolle.

Oft missverstanden: Vitaminpillen im Alltag

Laut der repräsentativen Studie greifen 77 % der Befragten regelmäßig zu Produkten wie Vitamin-Booster, Detox-Kapseln oder Immun-Tabletten. Über die Hälfte mindestens einmal pro Woche. Viele glauben fälschlicherweise, diese Mittel seien gesundheitsgeprüft oder gar zugelassen.

Besonders bedenklich ist, dass ein Fünftel der Teilnehmenden NEMs für einen essenziellen Teil gesunder Ernährung hält. Knapp ein Viertel stuft sie als ‚natürliches Arzneimittel‘ ein. Dabei gelten sie rechtlich als Lebensmittel und unterliegen damit weniger strengen Auflagen als Medikamente.

Boomender Markt: Wachstum trotz fraglicher Wirkung

Laut aktueller Daten von IQVIA wächst der Markt für NEMs entsprechend dynamisch. Der Umsatz mit Vitaminen, Mineralstoffen, pflanzlichen Präparaten und Supplements stieg im Februar 2025 um knapp 10 % gegenüber dem Vorjahr auf über 4,2 Milliarden Euro.

50 % der Verbraucher gaben an, in den letzten sechs Monaten mindestens ein NEM gekauft zu haben.

Besonders gefragt sind Magnesiumpräparate mit 19 % Marktanteil im Apothekenbereich sowie Produkte für den Verdauungstrakt. Frauen greifen häufiger zu als Männer (55 % gegenüber 44 %). Rund zwei Drittel dieser Produkte werden online bestellt. Bei Top-Marken sind es sogar noch mehr.

Social Media als Einfallstor für Gesundheitsversprechen

Die aktuelle Studie warnt besonders vor Werbung auf Plattformen wie Instagram oder TikTok. Influencer preisen NEMs oft mit Aussagen an, die weder wissenschaftlich belegt noch rechtlich unzulässig sind. So hielten beispielsweise 68 % der Befragten die Aussage „Ingwer kann bei der Behandlung von Entzündungsreaktionen helfen“ für glaubwürdig, obwohl dafür bislang keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe existiert.

Verbraucherschutz im Fokus

Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht dringenden Handlungsbedarf, um die Verbraucher vor Fehlinformationen zu schützen. Er fordert:

  • eine deutlich stärkere Kontrolle der Werbung – insbesondere in sozialen Medien
  • klare gesetzliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe 
  • ein verbindliches Zulassungsverfahren für NEMs auf EU-Ebene

Ziel ist ein besserer Schutz vor irreführenden Werbebotschaften und gesundheitlichen Fehleinschätzungen. Denn nur mit verbindlichen Regeln lassen sich Verbraucher wirksam vor falschen Versprechen schützen.

Autor:
Stand:
22.06.2025
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