Der deutsche Pharmagroßhandel sieht sich durch die kommenden Mindestlohnerhöhungen massiv belastet. Laut einer aktuellen Mitgliederbefragung des Branchenverbands PHAGRO summieren sich die zusätzlichen Kosten bis 2027 auf knapp 44 Millionen Euro.
Drei Stufen bis 2027
Bereits die Erhöhung zum 1. Januar 2025 hat die Unternehmen rund 7,2 Millionen Euro an zusätzlichen Ausgaben gekostet. Mit den nächsten Stufen – 13,90 Euro ab 2026 und 14,60 Euro ab 2027 – steigen die Belastungen laut PHAGRO um weitere 36,6 Millionen Euro. „Die Befragung zeigt, welche gravierenden Auswirkungen die anstehenden Mindestlohnerhöhungen für unsere Kostenstruktur haben“, sagen die Geschäftsführer Michael Dammann und Thomas Porstner. „In einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage geraten wir weiter unter Druck. Das gefährdet letztlich die flächendeckende Arzneimittelversorgung.“
Großhändler unter Druck
Wegen der Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln können die Mehrkosten nicht an Apotheken oder Patienten weitergegeben werden. Schon jetzt arbeiten die Großhändler unter hohem wirtschaftlichem Druck. „Eine Überprüfung und Anpassung der Arzneimittelpreisverordnung ist dringender denn je“, sagen Dammann und Porstner. Nur so könne die gewohnte Versorgungsqualität aufrechterhalten werden.
Strukturelle Unterfinanzierung
Von den insgesamt rund 15.500 Beschäftigten im Pharmagroßhandel erhalten zwar die meisten eine tarifliche Bezahlung, doch ausgelagerte Tätigkeiten werden häufig auf Mindestlohnniveau vergütet. Hier greifen die Erhöhungen unmittelbar. Zusätzliche Einsparungen sind laut PHAGRO nicht mehr möglich, da die Rationalisierungsspielräume ausgereizt seien.
Appell an die Politik
Der Verband appelliert daher an die Bundesregierung, die Vergütungsstrukturen zügig zu überarbeiten und im Rahmen der geplanten Apothekenreform dem Großhandel keine weiteren Belastungen aufzubürden. Nur so könne die flächendeckende Arzneimittelversorgung langfristig gesichert werden.









