Mehr als drei Viertel der Schweizer Bevölkerung bewerten ihr Gesundheitssystem insgesamt positiv und es zählt international zu den leistungsstärksten. Zugleich steigen jedoch Kosten, Versorgungsengpässe und Anforderungen an die Grundversorgung. Eine neue, repräsentative Befragung des Forschungsinstituts Sotomo im Auftrag von pharmaSuisse mit 1.700 Teilnehmern zeigt, wie wichtig Apotheken für die Bevölkerung bereits heute sind und welches Potenzial noch in ihnen steckt, um das System weiter zu entlasten.
Erste Anlaufstelle für Alltagsprobleme
Für kleinere Gesundheitsprobleme sind Apotheken bereits heute die erste Anlaufstelle für viele. 44 % suchen dort Rat und 75 % beziehen nicht rezeptpflichtige Medikamente vor Ort. Rund ein Drittel der Befragten hat im letzten Jahr einen Arztbesuch dank Apothekenberatung vermieden, bei den unter 36-Jährigen ist es sogar knapp die Hälfte.
Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass Apotheken einen schnellen und unkomplizierten Zugang bieten, den die Bevölkerung schätzt. 63 % geben an, dass der Weg in die Apotheke deutlich leichter und pragmatischer sei als der Besuch in der Hausarztpraxis.
Wenn Medikamente fehlen
Lieferengpässe bei Arzneimitteln haben in der Schweiz zugenommen. Ein Drittel der Bevölkerung war davon bereits betroffen. Am häufigsten half die Apotheke weiter und rund 68 % der Betroffenen erhielten dort Unterstützung. Häufige Lösungen waren der Umstieg auf ein Generikum oder eine andere Packungsgröße. Trotz lösungsorientierter Beratung mussten jedoch 12 % der betroffenen Menschen ihre Therapie unterbrechen oder abbrechen, bei chronisch Erkrankten sogar 15 %. Das zeigt, wie kritisch die Versorgungslage teilweise ist.
Breites Leistungsangebot
Ob Beratung, Gesundheitsvorsorge, Vorsorgechecks oder Impfungen: Die Nutzung apothekerischer Dienstleistungen wächst, bleibt aber deutlich hinter dem Interesse zurück. So wäre beispielsweise die Nachfrage nach Impfungen in Apotheken doppelt so hoch wie die heutige Nutzung. Besonders hoch ist die Akzeptanz für Leistungen, die ohne Voranmeldung niederschwellig angeboten werden.
Direkter Zugang zu Medikamenten und Impfungen
Seit 2019 dürfen Apotheker in der Schweiz bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente direkt abgeben. Doch zwei Drittel der Bevölkerung war das bislang nicht bewusst. Dennoch können sich 58 % vorstellen, dieses Angebot zu nutzen.
Das Potenzial bei Impfungen ist ebenfalls groß. So würden sich 74 % der Befragten in der Apotheke impfen lassen, wenn die Kosten durch die obligatorische Krankenversicherung (OKP) gedeckt wären. Das ist eine klare Mehrheit und ein deutlicher Anstieg gegenüber 2022.
Was sollte die Apotheke künftig dürfen? (H2)
Die Menschen in der Schweiz stehen weiteren Leistungen aus der Apotheke aufgeschlossen gegenüber. So würden es 49 % der Befragten begrüßen, wenn Apotheken nach einer Beratung auch Arbeitsunfähigkeitszeugnisse ausstellen dürften. Besonders offen zeigen sich junge Menschen sowie Personen, die unter anderem bereits Telmed-Modelle nutzen.
Noch höher ist die Zustimmung zu einer professionellen Ersttriage in Apotheken, also einer ersten medizinischen Einschätzung vor Ort:
- 66 % würden eine solche Triage nutzen
- 75 % möchten, dass die Kosten durch die OKP gedeckt sind
Damit zeigt die Studie, dass die Bevölkerung bereit ist für neue Versorgungsmodelle, die Hausarztpraxen entlasten und Wartezeiten verkürzen könnten.
Digitalisierung
Das digitale E-Rezept wird seit 2024 eingeführt. Zwar hat es erst rund jede zehnte Person genutzt, doch das Vertrauen ist hoch. Drei Viertel sind überzeugt, dass es genauso sicher ist wie das Papierrezept. Etwa 30 % haben noch technische Bedenken.
Online-Apotheken gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Ein Drittel der Bevölkerung hat bereits dort bestellt, meist wegen Bequemlichkeit oder günstigerer Preise. Gleichzeitig wünschen über die Hälfte eine verpflichtende oder freiwillige pharmazeutische Beratung beim Bezug rezeptpflichtiger Medikamente. Digitalisierung wird also begrüßt, aber nicht ohne fachliche Begleitung.
Fazit: Apotheken haben großes Potenzial
Die Studie zeigt deutlich, dass Apotheken heute eine tragende Säule der primären Gesundheitsversorgung in der Schweiz sind. Sie bieten niederschwellige Unterstützung, entlasten Hausarztpraxen, stabilisieren die Versorgung bei Engpässen und könnten künftig noch weit mehr übernehmen. Die Bevölkerung steht einer Ausweitung der Kompetenzen positiv gegenüber, besonders dort, wo Versorgungslücken bestehen oder der Zugang erleichtert werden kann.









