Die Konferenz der Fachbereiche Pharmazie (früher Verband der Professoren an Pharmazeutischen Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland), drückt ihre Besorgnis über den sinkenden Stellenwert der Ausbildung zum Apotheker in Deutschland aus. Die Professoren bedauern, dass das Ansehen des Apothekerberufs in der öffentlichen Apotheke immer weiter abnimmt. Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass sich künftig noch weniger Schüler für ein Pharmaziestudium entscheiden und somit der Mangel an Apothekern zunimmt.
Die Konferenz der Fachbereiche Pharmazie umfasst sämtliche Pharmazie-Standorte in Deutschland. Ihre Mitglieder sind die Professoren, die in der Ausbildung von Apothekern in Deutschland tätig sind. In ihrer Stellungnahme nennen sie das Apotheken-Reformgesetz (ApoRG), die Neuformulierung im Heilmittelwerbegesetz sowie die stagnierende Novellierung der Approbationsordnung als Gründe für ihre Sorge.
Apotheken-Reformgesetz: Kritik an Apotheke ohne Apotheker
Bei ihrer Kritik am Apotheken-Reformgesetz (ApoRG) verweisen die Hochschullehrer auf die Stellungnahme der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft e.V. (DPhG), die sie unterstützen.
Das Apotheken-Reformgesetz erwecke den Eindruck, dass Apotheken künftig ohne approbierte Apotheker auskommen könnten. Die Professoren betrachten die Möglichkeit, eine Apotheke ohne einen approbierten Apotheker zu betreiben, als einen Schritt in die falsche Richtung.
Der Bedarf an qualifizierter Beratung in Apotheken nehme aufgrund immer komplexer werdender Therapien stetig zu, was auch die Einführung neuer pharmazeutischer Dienstleistungen zeige. Da der Beratungsbedarf nicht immer vorhersehbar und über Fernberatung gedeckt werden könne, sei es unerlässlich, dass eine entsprechend ausgebildete Fachkraft vor Ort verfügbar ist. Der Ersatz von Apothekern durch PTAs ignoriere die hohe Qualität der pharmazeutischen Ausbildung in Deutschland und gefährde die Patientensicherheit. Es stelle sich die Frage, warum sich ein Schüler für ein Pharmaziestudium entscheiden sollte, wenn Apotheken künftig möglicherweise keinen Apotheker mehr benötigen.
Heilmittelwerbegesetz: Fehlende Wertschätzung
Im Heilmittelwerbegesetz erfolgte eine Umformulierung. Die aktuelle Form „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke“ (§ 4 (3), Heilmittelwerbegesetz) erwähnt Apothekerinnen und Apotheker nicht mehr explizit. Die Konferenz vermisst die Wirtschätzung für das fachlich anspruchsvolle Pharmaziestudium.
Es hätte kürzere und prägnantere Möglichkeiten gegeben, gendergerecht zu formulieren, beispielsweise: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und holen Sie sich ärztlichen oder apothekerlichen Rat ein.“ Eine solche Formulierung wäre ein wichtiges Zeichen der Anerkennung für alle approbierten Apotheker sowie den pharmazeutischen Nachwuchs gewesen.
Stagnierende Novellierung der Approbationsordnung
Ein weiteres Anliegen der Professoren ist die dringend notwendige Novellierung der nun bereits 35 Jahre alten Approbationsordnung. Die aktuellen Anforderungen an den Beruf und der wissenschaftliche Fortschritt machten eine Anpassung der Studieninhalte und eine Verlängerung der Ausbildungszeit von acht auf zehn Semester erforderlich. Bisher fehlt jedoch die Zustimmung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG).
Anpassung an EU-Standard
Die Konferenz betont, dass die Umsetzung neuer EU-Richtlinien (DeIRL-EU 2024-782) bis März 2026 zwingend notwendig sei, damit in Deutschland ausgebildete Apotheker weiterhin in anderen EU-Ländern arbeiten können. Ohne eine Verlängerung der Studienzeit werden die geforderten Inhalte nicht in die Ausbildung integriert werden können. Die Hochschullehrer bedauern, dass sie trotz der knappen Zeit noch nicht in die Planung zur Umsetzung der EU-Vorgaben einbezogen wurden.
Apothekermangel nimmt zu
Die Hochschullehrer warnen davor, dass die fortschreitende Abwertung des Apothekerberufs zu einem Rückgang der Studierendenzahlen führen kann. Viele Absolventen könnten sich anstelle in der öffentlichen Apotheke zu arbeiten für eine Karriere in der Industrie entscheiden, wo das Ansehen weiterhin hoch sei. Der Mangel an Apothekern, insbesondere in ländlichen Gebieten, werde nach Ansicht der Hochschullehrer durch die aktuellen Maßnahmen nicht behoben, sondern verschärft.
Appell ans BMG
Die ständige Abwertung des Apothekerberufs schrecke potenzielle Nachwuchskräfte ab und gefährde das gesamte System der öffentlichen Apotheken. Die Konferenz fordert daher das BMG auf, das Apotheken-Reformgesetz zu überdenken, die Novellierung der Approbationsordnung voranzutreiben und die Formulierung im Heilmittelwerbegesetz anzupassen, um den Apothekerberuf zu stärken und dessen Attraktivität zu erhalten.









