Der fast dreitägige Stromausfall im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick im September hat eindrücklich gezeigt, wie abhängig die Arzneimittelversorgung von einer stabilen Energieversorgung ist. Zwar sind großflächige Ausfälle in Deutschland selten, doch schon wenige Stunden ohne Strom legen zentrale Abläufe – von der Kommissionierung bis zur Kühlkette – lahm. Vor diesem Hintergrund hat die ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände) ihre „Handlungsempfehlung zur Vorbereitung auf einen Stromausfall in der Apotheke“ (Stand: 08.12.2025) umfassend überarbeitet.
Von Brownout bis Blackout: Szenarien und Schutzstufen
Neu ist die präzise Differenzierung zwischen Brownout – einer kontrollierten oder unkontrollierten Spannungsabsenkung – und Blackout, also einem vollständigen Zusammenbruch der Energieversorgung über Stunden oder Tage. Während beim Brownout der Schutz sensibler Geräte im Vordergrund steht, verlangt der Blackout eine robuste Vorbereitung nach dem Worst-Case-Prinzip.
Drei Schutzstufen helfen Apotheken, den eigenen Notbetrieb realistisch zu planen:
- Stufe 1: Überbrückung kurzer Ausfälle, geordnetes Herunterfahren
- Stufe 2: Weiterbetrieb für mehrere Stunden
- Stufe 3: Betrieb über mehrere Tage, z. B. mit Notstromsystem
Zwei Betriebsmodi definieren den Handlungsspielraum: Grundbetrieb ohne zusätzliche Energiequelle und erweiterter Betrieb mit eigener Notstromversorgung.
Was Apotheken konkret vorbereiten sollten
Die Handlungsempfehlung enthält eine Vielzahl praxisnaher Maßnahmen, die über allgemeine Hinweise hinausgehen.
Risikoanalyse als Fundament
Im Zentrum steht eine systematische Risikoanalyse: Welche Prozesse sind stromabhängig? Welche müssen zwingend weiterlaufen, und wie hoch ist ihr Energiebedarf? Die Empfehlung rät, das gesamte Team einzubeziehen und die Ergebnisse verbindlich im Qualitätsmanagementsystem (QMS) zu dokumentieren.
Ordnungsgemäßer Betrieb auch im Notfall
Selbst im Stromausfall bleibt die Apotheke zur Versorgung verpflichtet. Dazu gehören:
- ausreichende Vorräte gemäß §15 ApBetrO
- klare Priorisierungen
- ein geordneter Ablauf bei notwendigen Schließungen
- vorbereitete analoge Dokumentationshilfen von BtM-Formblättern bis zu Rechnungsblöcken
Die Empfehlung geht detailliert auf typische Schwachpunkte im Apothekenbetrieb ein.
Kühlung sicherstellen
Kühlpflichtige Arzneimittel gelten als besonders sensibel. Die ABDA empfiehlt u. a.:
- Kenntnis der Wärmedämmzeiten jedes Kühlschranks
- regelmäßige Temperaturkontrollen mit analogen Thermometern
- Einsatz erprobter Kühlboxen als Rückfalloption
- Vorhalten relevanter Stabilitätsdaten
Automatisierte Lager
Fällt der Kommissionierautomat aus, muss die manuelle Entnahme vorbereitet sein inklusive ausgedruckter Lagerlisten und Kenntnis des Notzugangs zum Automaten.
EDV und Kommunikation
Server und Kassen können über unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV-Anlagen) kurzzeitig weiterlaufen, sind aber nicht voll funktionsfähig. Im Grundbetrieb müssen sämtliche Abgaben schriftlich festgehalten werden. Da sowohl Mobilfunk als auch Festnetz ausfallen können, empfiehlt die ABDA neben Smartphones und Powerbanks auch batteriebetriebene Radios als letzte Informationsquelle.
Versorgung außerhalb der Offizin
Auch der Blick nach außen ist wichtig: Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und der Botendienst benötigen im Notfall frühzeitige Absprachen. Für den Notdienst empfiehlt sich ein eigenständig ausgehängter Plan inklusive funktionsfähiger mechanischer Tür- oder Klappenlösung. Regionale Kooperationen, etwa zu Öffnungszeiten und Notfallstrategien, werden empfohlen.
Zusätzliche Arbeitshilfen der ABDA
Die ABDA stellt begleitend mehrere neue Materialien bereit, darunter:
- Poster zu eingeschränkter Einsatzbereitschaft und geänderten Öffnungszeiten
- Patienteninformationen zu kühlpflichtigen Arzneimitteln und zum Verhalten bei aktuellem Stromausfall
- Dokumentationsvorlagen für analoge Prozesse
- eine umfassende Checkliste zur internen Vorbereitung









