Die Nutzung von Online-Apotheken nimmt stetig zu. So liegt der Marktanteil des Versandhandels beim Verkauf rezeptfreier Arzneimittel mittlerweile bei rund 20%. Die Stiftung Warentest hat elf umsatzstarke Online-Apotheken in Bezug auf Service, Nutzerfreundlichkeit der mobilen Webseite, Schutz persönlicher Daten und insbesondere auch auf die fachliche Qualität geprüft. Die Ergebnisse bei der pharmazeutischen Beratung zeigen deutliche Mängel auf.
Mangelnde Beratung zu Neben- und Wechselwirkungen
Sieben Testpersonen prüften die Versandapotheken anhand von standardisierten Erhebungsbögen, Telefongesprächen und mithilfe von sieben Aufgaben zu Wechselwirkungen bzw. Eignung der Präparate für den jeweiligen Patienten.
So wurden beispielsweise die beiden Protonenpumpeninhibitoren (PPI) Omeprazol und Pantoprazol in einem Auftrag bestellt sowie vier Packungen des Migränemittels Sumatriptan in einem weiteren. Nur ein Versender warnte bei den beiden PPI vor einer möglichen Überdosierung und nur sechs der elf Online-Apotheken begrenzten die Abgabe der Sumatriptan-Präparate automatisch.
Telefonische Beratung ebenso mangelhaft
Auch die Qualität der telefonischen Beratung zu OTC-Arzneimitteln war größtenteils unzureichend. Bei den Gesprächen wurde auf eine mögliche Interaktion zwischen der Anwendung von Probiotika und Immunsuppressiva in keinem Fall eingegangen. Nur zwei Berater fragten laut Stiftung Warentest nach der Einnahme weiterer Arzneimittel.
Erforderliche Warnhinweise zu den Medikamenten wurden häufig nicht im Warenkorb abgebildet, sondern lagen den versendeten Paketen bei.
Kein Versender besser als befriedigend
Insgesamt erreichte keine Online-Apotheke eine bessere Note als befriedigend im Bereich der fachlichen Qualität. Sechsmal war die Leistung ausreichend und zweimal sogar mangelhaft.
DocMorris ist Testsieger
In der Gesamtbewertung, in die die fachliche Qualität mit 55% am stärksten einfloss, schnitt DocMorris mit der Note gut (2,5) am besten ab. Der niederländische Versandhändler überzeugte insbesondere durch guten Service, eine nutzerfreundliche mobile Webseite sowie guten Schutz des Kundenkontos. Im Bereich fachliche Qualität war die Leistung befriedigend (2,9), aber besser als bei den übrigen Online-Apotheken.
Auf dem zweiten Platz landete Medpex mit einer Gesamtnote von 2,8 (befriedigend). Vier weitere Versandapotheken erhielten ein Befriedigend, drei ein Ausreichend.
Zwei Versandapotheken fallen durch
Am schlechtesten schnitten Medikamente-per-Klick (4,8) und Apotal (5,0) ab, die mit mangelhaft bewertet wurden. Die beiden Versender wiesen insbesondere bei der fachlichen Qualität erhebliche Mängel auf, Stiftung Warentest beschreibt die aufgedeckten Schwächen als bedenklich. "Wer die beiden wegen möglicher Preisvorteile nutzt, darf fachlich nichts erwarten", so das Urteil.
Mängel bei der Zustellung
Weitere generelle Mängel der Versandhändler waren neben der Webseite auch die Aufschrift der Pakete. Hinweise für den Lieferanten, dass die Lieferung nicht an Nachbarn oder Kinder ausgehändigt werden darf, fehlte in den meisten Fällen.
Rechtlicher Graubereich bei Volksversand Apotheke
Als rechtlich kritisch betrachtet Stiftung Warentest den tschechischen Anbieter Volksversand Apotheke. Dieser dürfte gesetzlich keine verschreibungspflichtigen Präparate in Deutschland verkaufen, umgeht dieses Verbot aber durch Weiterleitung der Bestellungen an eine deutsche Partnerapotheke.
Preisliche Vorteile mit Risiken
Die Testergebnisse zeigen, dass die Versandapotheken bei der Beratung oftmals unzureichende Leistungen erbringen. Durch das Inkaufnehmen der mangelnden Information riskierten Kunden eine falsche Therapie zu erhalten und Schäden zu erleiden.
Die Nutzung von Online-Apotheken lohne sich laut Stiftung Warentest daher nur, wenn man keine Beratung brauche und genau wisse, welche Medikamente man benötige. Denn Geld sparen ist durch die Versender, insbesondere bei Sammelbestellungen rezeptfreier Medikamente, gut möglich.
Komedikation proaktiv angeben
Allerdings rät die Stiftung, proaktiv auf die Einnahme weiterer Medikamente hinzuweisen und auf Mitteilungen in den Paketen zu achten, die auf mögliche Probleme bei der Anwendung hindeuten könnten.
Vor-Ort-Apotheken aufsuchen
Am besten sei es aber im Vorfeld einen Arzt aufzusuchen oder in die Apotheke vor Ort zu gehen. Auch diese können schließlich Prozente auf OTC-Arzneimittel geben.