Die geplante Reform des EU-Arzneimittelrechts rückt den Beipackzettel ins Zentrum der Diskussion. Packungsbeilagen sollen in Zukunft verstärkt digital bereitgestellt werden. Das kann zum Beispiel über QR-Codes auf der Verpackung oder zentral abrufbare Online-Plattformen erfolgen. Ziel ist es, Informationen schneller aktualisieren und effizienter verbreiten zu können. Doch in Deutschland regt sich Widerstand gegen einen möglichen Komplettumstieg auf digitale Lösungen.
Kein Ersatz der Papierform
ABDA-Präsident Thomas Preis sagt: „Elektronische Packungsbeilagen können die gedruckten Packungsbeilagen ergänzen, dürfen sie aber nicht komplett ersetzen.“ Jeder Mensch müsse barrierefrei auf Informationen zu seinem Medikament zugreifen können – unabhängig von Alter, technischer Ausstattung oder digitalen Kompetenzen. „Das ist gerade auch bei Notfällen wichtig“, sagt Preis.
Auch der Sozialverband VdK zeigt sich skeptisch. Präsidentin Verena Bentele sagt: „Mein Plädoyer lautet: gedruckt und digital, damit niemand abgehängt wird.“
Digitaler Beipackzettel: Mehr Nutzen, weniger Papier?
Digitale Gebrauchsinformationen bieten Vorteile gegenüber der klassischen Papierform. Sie sind stets aktuell, leichter lesbar, durchsuchbar und bei Bedarf sogar in anderen Sprachen oder als barrierefreie Audiofassung verfügbar. Via QR-Code oder Suchfunktion lassen sie sich einfach aufrufen. Abgespeichert sind sie auch offline verfügbar.
Mit dem digitalen Beipackzettel können wichtige Informationen immer griffbereit bleiben, selbst wenn die Verpackung daheim liegt. Gleichzeitig spart die digitale Lösung Ressourcen. In Deutschland könnten jährlich rund 9.000 Tonnen Papier entfallen.
Barriere für Offliner
In Deutschland hatten im Jahr 2024 rund 2,8 Millionen Menschen zwischen 16 und 74 Jahren noch nie das Internet benutzt. Das entspricht gut 4 % dieser Altersgruppe. Besonders hoch ist der Anteil bei älteren Menschen: 12 % der 65- bis 74-Jährigen sind sogenannte Offliner. Bei den 16- bis 44-Jährigen liegt der Anteil nur bei 2 %. Die Menschen ohne Internetzugang wären beim digitalen Beipackzettel ausgeschlossen.
Fazit: Ergänzung ja, Ersatz nein
Die Digitalisierung der Packungsbeilage kann – wenn sie bedacht umgesetzt wird – ein wichtiger Schritt in Richtung moderner, flexibler Patientenkommunikation sein. Ein vollständiger Ersatz der Papierform könnte jedoch nach Ansicht von Apotheker- und Sozialverbänden ein Rückschritt bei der Barrierefreiheit und Versorgungssicherheit sein.









