Covid-19 erhöht nicht das Risiko für ME/CFS im Vergleich zu anderen Virusinfektionen

Laut einer Studie ist die Häufigkeit von ME/CFS (myalgische Enzephalomyelitis/chronisches Fatigue-Syndrom) nach Covid-19 nicht höher als bei anderen Virusinfekten.

Forschung Corona

Akute Virusinfektionen verlaufen individuell unterschiedlich. Einige Patienten überstehen den Infekt rasch, bei anderen bleiben die Beschwerden noch lange nach der Akutphase bestehen. Diese postakuten Infektionssyndrome wurden erstmals nach Poliomyelitis (Polio-Virus-Infektion) und später nach Pfeifferschem Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus-Infektion) beschrieben. Der Begriff Long-Covid hat sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht.

ME/CFS (myalgische Enzephalomyelitis/chronisches Fatigue-Syndrom) stellt eine besonders schwere Form dieses postakuten Syndroms dar. Zu den Hauptsymptomen gehören extreme Erschöpfung (Fatigue), die selbst nach minimalen körperlichen Anstrengungen auftritt, Schlafstörungen, kognitive Beeinträchtigungen und orthostatische Dysregulation. Eine in der Fachzeitschrift ‘JAMA Network Open’ veröffentlichte Studie ergab nun, dass ME/CFS bei Personen, die während der Covid-19-Pandemie positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, nicht häufiger auftrat als bei symptomatischen Personen mit einem negativen Testergebnis.

Umfragedaten von mehr als 4.300 Personen ausgewertet

Im Rahmen des INSPIRE-Registers (Innovative Support for Patients with SARS-CoV-2 Infections), das von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) an der Universität von Kalifornien in San Francisco eingerichtet wurde, befragte man Personen gezielt zu ME/CFS-Symptomen. Die 4.378 Teilnehmenden wiesen zwischen dem 11. Dezember 2020 und dem 29. August 2022 Covid-ähnliche Symptome auf. Bei etwa der Hälfte fiel der SARS-CoV-2-Test positiv aus; die anderen hatten vermutlich eine andere Virusinfektion, die jedoch nicht eindeutig diagnostiziert wurde.

Die Untersuchung basierte auf Umfragedaten, die drei Monate bis ein Jahr nach der Ersterkrankung der Patienten erhoben wurden.

ME/CFS-Prävalenz in beiden Gruppen ähnlich hoch

Laut dem CDC-Bericht erfüllten 3,4% der Teilnehmenden die Kriterien für ME/CFS, wie sie 2015 vom Institute of Medicine (IOM) definiert wurden, ohne dass dies jedoch von einem Arzt bestätigt wurde. Bei 3,7% der Personen, deren SARS-CoV-2-Test negativ war, deuteten die Symptome ebenfalls auf ME/CFS hin, auch hier erfolgte keine ärztliche Bestätigung des Verdachts. Nach zwölf Monaten Nachbeobachtung gab es keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenz.

Keine gesteigerte ME/CFS-Inzidenz durch Covid-19, aber hohe Krankheitslast

Die Ergebnisse deuten auf zwei wesentliche Aspekte hin: Erstens scheint Covid-19 nicht häufiger zu ME/CFS-ähnlichen Symptomen zu führen als andere Virusinfektionen, was positiv zu werten ist. Zweitens verdeutlicht die Prävalenz von 3–4 % angesichts der vielen Millionen SARS-CoV-2-infizierten Personen die hohe Krankheitslast, die die Pandemie in den USA und vermutlich auch in anderen Ländern verursacht hat.

Autor:
Stand:
01.08.2024
Quelle:

Unger, E. R. et al. (2024): Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome After SARS-CoV-2 Infection. JAMA Network Open, DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2024.23555.

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