Hintergrund
Altenpflegeeinrichtungen waren von der Covid-19-Pandemie besonders stark betroffen, da die BewohnerInnen zu den am stärksten gefährdeten Gruppen gehören. Regelmäßige Tests des Personals gelten als wichtige Schutzmaßnahme, sind aber aufgrund der damit verbundenen Kosten nicht unumstritten. Laut einer kürzlich veröffentlichten retrospektiven Kohortenstudie wurde die Zahl der Covid-19-Erkrankungen und Todesfälle in US-Pflegeheimen bei drohenden SARS-CoV-2-Ausbrüchen durch regelmäßige Personaltestungen deutlich gesenkt. Besonders groß war der Schutz vor der Einführung der Corona-Impfstoffe. Während der Omikron-Welle wurde nur die Zahl der Infektionen, nicht aber die Zahl der Todesfälle gesenkt [1].
Daten von 13.424 Altenpflegeeinrichtungen während dreier Pandemiephasen ausgewertet
Ein Team um Brian McGarry von der Universität in Rochester im US-Staat New York wertete in einer retrospektiven Kohortenstudie Daten über SARS-CoV-2-Tests des Personals von 13.424 Altenpflegeeinrichtungen während dreier Pandemiephasen zwischen 2020 und 2022 aus: vor der Genehmigung von Impfstoffen, vor Auftreten der Omikron-Variante (B.1.1.529) und während der Omikron-Welle. Die Arbeitsgruppe bewerteten, wie sich Personaltestungen auf die Zahl der Covid-19-Erkrankungen und -Todesfälle bei Bewohnern auswirkten. Ein drohender Ausbruch war definiert als der Nachweis einer SARS-CoV-2-Infektion nach mindestens zwei Wochen ohne Fall.
Im „New England Journal of Medicine“ berichtete das Studienteam über die adjustierten Unterschiede bei den Ergebnissen zwischen Einrichtungen mit hohem und solchen mit niedrigem Testvolumen. Primäre Endpunkte waren die wöchentliche kumulative Anzahl von Covid-19-Fällen und damit verbundene Todesfälle bei Bewohnern pro drohenden Ausbruch.
Personaltests vor Einführung der Impfung besonders effektiv
Die Ergebnisse haben gezeigt, dass regelmäßige Tests des Personals eine wichtige Schutzmaßnahme sind. Besonders effektiv waren sie vor der Einführung der Impfstoffe.
In den Pflegeheimen, in denen das Personal am häufigsten auf SARS-CoV-2 getestet wurde, gab es 759,9 Fälle pro 100 drohenden Ausbrüchen – verglichen mit 1.060,2 Fällen in den Heimen mit den geringsten Testraten. Die adjustierte Differenz von 300,3 Fällen war mit einem 95%-Konfidenzintervall (95%-KI) von 223,5–377,1 Fällen signifikant.
Nach einer Schätzung von McGarry hätte jeder zusätzliche Test pro Mitarbeiter und Woche in allen Einrichtungen (was 1,1 Millionen Tests entsprechen würde) 3.079 Covid-19-Erkrankungen in den Pflegeeinrichtungen verhindert.
Nach Einführung der Impfung Unterschied vorhanden, aber statistisch nicht signifikant
In der zweiten Phase, in der bereits viele Heimbewohnende geimpft waren, nahm die Anzahl der Covid-19-Erkrankungen deutlich ab. In den Einrichtungen, in denen intensiver getestet wurde, gab es mit 192,9 Fällen pro 100 drohenden Ausbrüchen tendenziell weniger Fälle als in den Einrichtungen mit weniger Tests (201,2/100). Mit einem 95%-KI von 3,7–20,4 war die Differenz von 8,3 Fällen statistisch nicht signifikant.
Auf die Sterberate hatten die Tests keinen Einfluss. Vor dem Auftreten von Omikron gab es in den Einrichtungen mit höheren Testraten minimal mehr Todesfälle (25,2/100 Ausbrüche) als in denen mit niedrigeren Testraten (24,4/100). Während der Omikron-Welle war die Sterberate in Vieltest-Einrichtungen geringfügig niedriger (38,9/100 Ausbrüche) als in Häusern mit niedrigeren Testraten (40,2/100).
Einfluss der Testart auf Erkrankungshäufigkeit
Die Art der Tests hat ebenfalls eine Rolle gespielt. Bei einem positiven PoC-(Point of Care)-Antigen-Schnelltest kann infiziertes Personal sofort detektiert und nach Hause geschickt werden, während man beim zuverlässigeren PCR-Test länger auf das Ergebnis warten muss. Ungeachtet dessen verhinderten PCR-Tests zunächst mehr Erkrankungen als Antigentests – bis zum Auftreten der Omikron-Variante. Während der Omikron-Welle verhinderten Antigentests 66,7 Erkrankungen pro 100 drohenden Ausbrüchen (95%-KI 14,9–118,5).
Obwohl aufgrund des retrospektiven Studiendesigns keine sichere Kausalität abzuleiten ist, erscheinen die Ergebnisse plausibel. Für die aktuell zirkulierenden SARS-CoV-2-Varianten sind vermutlich Antigentests die bessere Wahl: Sie liefern rasche Ergebnisse und sind zudem kostengünstiger als Labortests.









