KoPra 2026: Aktuelle Entwicklungen bei Kontaktallergien

Allergische Kontaktdermatitiden zählen zu den häufigsten immunologisch vermittelten Hauterkrankungen. Veränderungen in Produkten, Expositionsquellen und regulatorischen Vorgaben beeinflussen das Spektrum von Kontaktallergenen und haben Auswirkungen auf Diagnostik und Prävention.

Ausschlag Ruecken

Allergische Kontaktdermatitiden zählen zu den häufigsten immunologisch vermittelten Hauterkrankungen. Auslöser sind niedermolekulare Substanzen, die nach einer Sensibilisierung als Haptene eine Typ-IV-Reaktion auslösen. Da sich Ekzeme klinisch häufig unspezifisch präsentieren, ist eine strukturierte Diagnostik entscheidend. Auf der KoPra 2026 stellte Prof. Richard Brans aktuelle Entwicklungen zu ausgewählten Kontaktallergenen vor.

Epikutantest: Goldstandard mit strukturellen Herausforderungen

Der Epikutantest mit standardisierten Testreihen, insbesondere der Standardreihe der Deutschen Kontaktallergie-Gruppe (DKG), gilt als Goldstandard in der allergologischen Abklärung. Die Bewertung der Testergebnisse muss jedoch stets im individuellen Expositionskontext erfolgen.

Neben diagnostischen Aspekten wurde im Vortrag auch auf strukturelle Herausforderungen hingewiesen. So ist die Zahl kommerziell verfügbarer Epikutantestsubstanzen seit 2011 deutlich zurückgegangen. Hintergrund ist die arzneimittelrechtliche Einordnung der Testallergene nach § 2 (1) Arzneimittelgesetz (AMG).

Die erforderlichen Zulassungsverfahren sind mit hohen regulatorischen Anforderungen sowie erheblichem Kosten- und Arbeitsaufwand verbunden. Besonders selten benötigte Allergene aus Spezialreihen sind daher wirtschaftlich wenig attraktiv, was die Versorgung zusätzlich erschwert.

Isothiazolinone: Neue Expositionsquellen und Deklarationsdefizite

Isothiazolinone, wie beispielsweise Methylisothiazolinon, waren im Jahr 2013 mit einem deutlichen Anstieg positiver Epikutantests assoziiert. Nach regulatorischen Einschränkungen, insbesondere in Kosmetika, gingen die Sensibilisierungsraten zurück. Im Vortrag wurde jedoch betont, dass sich das Problem teilweise in andere Expositionsbereiche verlagert hat.

Für Benzisothiazolinon zeigen IVDK-Daten weiterhin relevante Sensibilisierungen, vor allem im beruflichen Umfeld, etwa bei industriellen Anwendungen sowie bei Maler- und Lackierarbeiten.

Octylisothiazolinon wurde als Ursache schwerer allergischer Kontaktdermatitiden im Zusammenhang mit Lederprodukten wie Sofas, Autositzen oder Schuhen beschrieben. Auch in Over-Ear-Kopfhörern konnte der Stoff nachgewiesen werden. In Einzelfällen wurden relevante Konzentrationen gemessen, ohne dass eine Deklaration erfolgte.

Ein weiterer Fall betraf eine Operationstechnische Assistentin mit Ekzemen an den Unterarmen. Als Auslöser wurde Ethylhexylglycerin in einem Händedesinfektionsmittel identifiziert. Bei Biozidprodukten ist primär der biozide Wirkstoff deklarationspflichtig. Zusatzstoffe mit Sensibilisierungspotenzial müssen jedoch nicht angegeben werden, was die allergologische Diagnostik erschwert.

Vulkanisationsbeschleuniger: Relevante Kontaktallergene in Schutzhandschuhen

Schutzhandschuhe sind für den Arbeitsschutz essenziell, können jedoch selbst Auslöser von allergischen Kontaktdermatitiden sein. Die relevanten Allergene entstehen im Rahmen des Vulkanisationsprozesses von Latex- oder Nitrilhandschuhen.

Zu den wichtigsten Substanzgruppen zählen Thiurame und Dithiocarbamate. Beide sind chemisch verwandt und können ineinander übergehen, weshalb sie allergologisch als funktionelle Einheit betrachtet werden. Während Thiurame heute seltener eingesetzt werden, sind Dithiocarbamate weiterhin weit verbreitet.

Analysen von Einmalhandschuhen zeigten, dass der Großteil der untersuchten Produkte Dithiocarbamate enthält. Dennoch bleiben positive Epikutantests gegenüber Thiuramen vergleichsweise häufig. Als mögliche Erklärung wurde diskutiert, dass sich Sensibilisierungen gegenüber den Redox-Paaren über die Testung von Thiuramen sensitiver erfassen lassen als über die Testung einzelner Dithiocarbamate.

Für die Praxis bedeutet dies, dass bei einem positiven Test auf eine der beiden Gruppen möglichst Handschuhe ohne Thiurame und Dithiocarbamate gewählt werden sollten. Als vulkanisationsbeschleunigerfrei deklarierte Produkte sollten kritisch geprüft werden.

(Meth-)Acrylate: Zunehmende Relevanz durch Nagelkosmetik

(Meth-)Acrylate umfassen Ester und Salze der Acryl- bzw. Methacrylsäure. Aus allergologischer Sicht sind vor allem die niedermolekularen Monomere relevant, insbesondere bei nicht vollständig ausgehärteten Produkten.

In den vergangenen Jahren wurden vermehrt allergische Kontaktekzeme im Zusammenhang mit Nagelkosmetika berichtet. Betroffen sind sowohl beruflich exponierte Personen als auch Anwender.

Eine Lösung aus 1 % 2-Hydroxyethylmethacrylat (HEMA) in Vaseline wird als praktikables Screening-Allergen für Typ-IV-Sensibilisierungen gegenüber (Meth-) Acrylaten eingesetzt. Seit 2019 ist HEMA Bestandteil der DKG-Standardreihe. Daten des IVDK zeigen zuletzt einen moderaten Anstieg positiver Testreaktionen.

Ein Problem stellt die kurze Durchbruchzeit vieler Einmalhandschuhe gegenüber (Meth-)Acrylat-Monomeren dar. Auch Nitrilhandschuhe bieten nur begrenzten Schutz. Entscheidend sind daher eine sorgfältige Arbeitshygiene, Non-Touch-Techniken und ein regelmäßiger Handschuhwechsel.

Dynamische Entwicklung und praktische Konsequenzen

Die epidemiologische Entwicklung allergischer Kontaktdermatitiden spiegelt Veränderungen in Produktzusammensetzungen, Konsumgewohnheiten und regulatorischen Rahmenbedingungen wider. Trotz rückläufiger Sensibilisierungen gegenüber einzelnen Substanzen bleiben andere Kontaktallergene weiterhin klinisch relevant oder gewinnen an Bedeutung.

Für die Praxis sind eine sorgfältige Expositionsanamnese, eine differenzierte Epikutantestung und eine realistische Einschätzung präventiver Maßnahmen entscheidend, insbesondere im beruflichen Kontext.

Autor:
Stand:
10.03.2026
Quelle:

Brans R. et al.: „Update Kontaktallergien – neue Entwicklungen und Herausforderungen“, Dermatologie kompakt + praxisnah (KoPra) der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD), Leipzig, 27. Februar 2026

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