Neuer genetischer Risikofaktor für schwere Hautreaktionen unter Allopurinol identifiziert

Eine US-Studie zeigt: HLA-B*58:01 allein reicht zur Risikobewertung schwerer kutaner Arzneimittelreaktionen auf Allopurinol nicht aus. HLA-A*34:02 ist ein zusätzlicher genetischer Marker mit klinischer Relevanz für die sichere Therapie.

Genetische Erkrankung

Schwere kutane Arzneimittelreaktionen (SCARs), wie das Stevens-Johnson-Syndrom und die toxische epidermale Nekrolyse, zählen zu den schwersten immunvermittelten Arzneimittelreaktionen. Trotz ihrer Seltenheit sind sie mit einer hohen Mortalität verbunden. Unter den auslösenden Wirkstoffen steht das harnsäuresenkende Allopurinol weltweit an der Spitze. Die Identifizierung genetischer Risikofaktoren ist daher ein entscheidender Schritt, um Patienten mit erhöhtem Risiko frühzeitig zu erkennen und schwerwiegende Nebenwirkungen zu vermeiden.

HLA-B*58:01 als etablierter, aber unvollständiger Marker

Bereits frühere Studien zeigten eine starke Assoziation zwischen dem HLA-B*58:01-Allel und Allopurinol-induzierten SCARs, insbesondere in ostasiatischen Populationen. Allerdings war unklar, ob diese Erkenntnis auf ethnisch heterogene Bevölkerungen – etwa in den USA – übertragbar ist. Eine neue genetische Assoziationsstudie der Vanderbilt University Medical Center untersuchte daher die Prävalenz relevanter HLA-Allele in einer US-Kohorte mit gemischter Abstammung.

Design und Ergebnisse der US-Kohorte

In die Analyse wurden 16 Patienten mit klinisch bestätigten Allopurinol-induzierten SCARs sowie 160 allopurinol-tolerante Kontrollpersonen einbezogen. Zwei HLA-Klasse-I-Allele zeigten eine signifikante Assoziation mit dem Auftreten schwerer Hautreaktionen:

  • HLA-B*58:01 (Odds Ratio 28,0; 95 %-KI 8,6–100,6)
  • HLA-A*34:02 (Odds Ratio 20,6; 95 %-KI 3,3–131,1)

Bemerkenswert ist, dass über ein Drittel der Betroffenen nicht Träger des HLA-B*58:01-Allels war. Diese Patientengruppe konnte somit durch ein einseitiges Screening nicht erfasst werden. Homozygotie für HLA-B*58:01 ging zudem mit einem besonders hohen Risiko einher.

Klinische Bedeutung für Screening und Verschreibungspraxis

Die Ergebnisse belegen, dass ein Screening ausschließlich auf HLA-B*58:01 in den USA keine ausreichende Sensitivität bietet, um alle Risikopatienten zu identifizieren. Das zusätzliche Vorhandensein von HLA-A*34:02 als unabhängigem Risikofaktor erweitert das Verständnis der genetischen Prädisposition für Allopurinol-induzierte SCARs. In der klinischen Praxis könnte daher künftig eine multiallelische Teststrategie erforderlich werden, insbesondere vor Therapiebeginn bei Personen mit erhöhter Prävalenz dieser Allele – etwa in afroamerikanischen Populationen.

Ausblick: Erweiterte genetische Testung zur Prävention

Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit populationsbasierter, multizentrischer Untersuchungen, um genetische Risikofaktoren für Arzneimittelreaktionen besser zu erfassen. Für Ärzte bedeutet dies, dass eine individuelle Risikoabwägung vor der Allopurinol-Verordnung zunehmend wichtiger wird. Perspektivisch könnten kombinierte HLA-Testungen in Leitlinien integriert werden, um schwere, potenziell tödliche Reaktionen zu vemeiden.

Autor:
Stand:
06.11.2025
Quelle:

Dieser Artikel wurde unter Zuhilfenahme Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und anschließend redaktionell geprüft und freigegeben. Zur Gewährleistung inhaltlicher Richtigkeit und Aktualität wurde die angegebene Quelle berücksichtigt.

Campbell CN, Krantz MS, Yu A, Phillips EJ et al. (2025): HLA-B58:01 and Risk of Allopurinol-Induced Severe Cutaneous Adverse Reactions in the US. JAMA Dermatology, doi:10.1001/jamadermatol.2025.4240.

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