Hidradenitis suppurativa: Chronische Erkrankung mit hoher finanzieller Belastung

Die Behandlung der Hidradenitis suppurativa wird immer teurer. Eine neue Analyse zeigt, wie stark die Kosten für Unroofing-Verfahren gestiegen sind und warum das ernsthafte Folgen für Patienten und medizinisches Personal haben könnte.

Anstieg

Die Hidradenitis suppurativa (HS) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die durch schmerzhafte Knoten, Abszesse und kutane Fisteln gekennzeichnet ist. Sie beeinträchtigt die Lebensqualität der Patienten erheblich. Häufig fällt es Betroffenen schwer, spezialisierte Behandler zu finden. Zudem ist HS überdurchschnittlich häufig bei sozioökonomisch benachteiligten Bevölkerungsgruppen anzutreffen.

Ökonomische Analyse untersucht Preisentwicklung

In Anbetracht der steigenden medizinischen Kosten untersuchte eine ökonomische Analyse die Preisentwicklung von HS-spezifischen Eingriffen, insbesondere dem sog. "Unroofing"-Verfahren, anhand von Common Procedural Terminology (CPT)-Codes. Die Studie wurde retrospektiv mithilfe der IBM MarketScan-Datenbank durchgeführt, die Versicherungsdaten von über 175 Millionen US-amerikanischen Patienten zwischen 2005 und 2020 umfasst. Die Analyse fokussierte sich auf Eingriffe in verschiedenen Körperregionen (z. B. Axilla, Leiste, Perianalbereich), die häufig im Rahmen der HS-Behandlung durchgeführt werden. Alle Kosten wurden inflationsbereinigt auf den Stand von US-Dollar im Jahr 2020 angepasst; zur Schätzung der jährlichen Kostenveränderung pro Leistung wurde ein lineares Regressionsmodell verwendet.

Kostenentwicklung über 15 Jahre

Die inflationsbereinigten Gesamtkosten pro Eingriff stiegen zwischen 2005 und 2020 deutlich an. So nahm z. B. der durchschnittliche Preis für CPT 11462 (Exzision von Haut und Unterhautgewebe, inguinale Region) um 116  % zu. Auch bei CPT 11471 (umbilikale/perianale Region) wurde ein Anstieg um 81  % registriert, bei CPT 11451 (Axilla) betrug der Anstieg 56  %. Insgesamt zeigen diese Daten einen signifikanten Kostenanstieg über die Jahre, obwohl die Fallzahlen insgesamt rückläufig waren.

Patientenbelastung und Korrelation der Kosten

Zwischen den Gesamtkosten pro Eingriff und dem Eigenanteil der Patienten wurde eine starke positive Korrelation festgestellt, insbesondere bei den CPT-Codes 11450 (Entfernung von Haut und Unterhautgewebe, Achselhöhlen), 11451, 11462, 11470 (chirurgische Entfernung von Haut und Unterhautgewebe, perianal, perineal oder umbilikal) und 56620 (einfache, partielle Vulvektomie). Einzig CPT 11471 zeigte eine schwächere Korrelation. Dies verdeutlicht, dass steigende Behandlungskosten zunehmend auch die finanzielle Belastung der Patienten erhöhen.

Limitationen und Versorgungsimplikationen

Die Studie weist darauf hin, dass die CPT-Codes auch bei Erkrankungen außerhalb der HS verwendet werden können, was die Spezifität einschränkt. Zudem sind Medicaid- und Medicare-Daten nicht berücksichtigt worden – ein wichtiger Aspekt, da viele HS-Patienten über diese Programme versichert sind. Dennoch zeigt sich, dass der Anteil der Kosten, der durch Versicherungen übernommen wird, bei sechs der sieben CPT-Codes gestiegen ist.

Fazit: Dringender Handlungsbedarf bei Erstattung und Versorgung

Die Behandlungskosten für HS sind deutlich gestiegen, was sowohl für Patienten als auch für Leistungserbringer Konsequenzen hat. Es ist entscheidend, dass die Erstattungen mit den Kostensteigerungen Schritt halten, um dermatologische Fachkräfte zu motivieren, weiterhin Unroofing-Verfahren durchzuführen. Weitere Studien sollten sich mit den Erstattungsmechanismen für Medicaid-Patienten befassen, um Versorgungsgerechtigkeit sicherzustellen und die finanzielle Belastung für ohnehin benachteiligte Patientengruppen nicht weiter zu erhöhen.

Autor:
Stand:
22.05.2025
Quelle:

Ruffolo et al. (2025): Hidradenitis Suppurativa Unroofing Procedure Costs in the Context of Medical Inflation. JAMA Dermatology, DOI: 10.1001/jamadermatol.2025.0819.

  • Teilen
  • Teilen
  • Teilen
  • Drucken
  • Senden