Innovative Dextran-Hydrogele als neue Option für die Behandlung chronischer Wunden

Chronische Wunden stellen trotz moderner Therapien eine große Herausforderung dar. Neue Dextran-Hydrogele verbinden strukturelle Stabilität, gezielte antibakterielle Wirkung und kontrollierte Wirkstofffreisetzung zu einem vielversprechenden Ansatz für eine beschleunigte Heilung.

Wundversorgung am Fuß

Chronische Hautläsionen bleiben weltweit ein relevantes medizinisches Problem, da sie durch langwierige Heilungsverläufe und hohe Infektionsgefahr geprägt sind. Der physiologische Heilungsprozess umfasst die Phasen Hämostase, Entzündung, Proliferation und Remodellierung, kann jedoch durch persistierende Entzündungsreize erheblich gestört werden. Moderne Wundauflagen sollen nicht nur vor Kontamination schützen, sondern auch ein feuchtes Milieu bewahren und Exsudat regulieren. Hydrogele erfüllen diese Anforderungen, da sie weich, hydratisierend und zugleich mechanisch flexibel sind.

Potenzial von Dextran-Hydrogelen

Durch ihre dreidimensionale Struktur ähneln Hydrogele der extrazellulären Matrix und ermöglichen kontrollierte Wirkstofffreisetzung. Dextran als biokompatibles, abbaubares Polysaccharid bietet hierbei besondere Vorteile, darunter eine geringe Proteinadsorption. Bisherige Ansätze zur antibakteriellen Modifikation setzten meist auf zusätzliche Wirkstoffe wie Antibiotika oder Silberpartikel. Quartäre Ammoniumverbindungen besitzen eine ausgeprägte bakterizide Aktivität, wurden jedoch bislang nur selten direkt in Dextrannetzwerke integriert.

Entwicklung photovernetzbarer Dextran-Hydrogele

Eine Forschungsgruppe entwickelte nun zwei photovernetzbare Dextran-Hydrogele: das carboxylierte Dex-SD und das mit quartären Ammoniumgruppen ausgestattete Dex-GSD. Während Dex-SD als strukturelle Basis diente, wurde Dex-GSD gezielt für eine verstärkte antibakterielle Wirkung modifiziert. Beide Hydrogele wurden umfassend hinsichtlich Morphologie, Quellvermögen, mechanischer Stabilität und Abbauverhalten untersucht. Zusätzlich erfolgte eine Prüfung der Freisetzung von Chlorhexidin sowie die Wirkung auf Heilungsprozesse in vivo.

Materialeigenschaften und Funktionalität

Beide Hydrogele zeigten eine transparente, hochporöse Struktur mit Poren im Bereich weniger Mikrometer. Dex-GSD besaß aufgrund seiner positiven Ladungen ein höheres Quellvermögen und eine verbesserte Haftung auf biologischen Oberflächen. Mechanische Prüfungen belegten stabile Zug- und Druckeigenschaften, die mit steigender Vernetzungsdichte zunahmen. Im enzymatischen Abbau zeigten stärker vernetzte und kationische Gele eine langsamere Zersetzung.

Biologische Wirkung und antibakterielle Aktivität

Die mit Chlorhexidin beladenen Hydrogele wiesen einen initialen Burst-Release und anschließend eine kontinuierliche Wirkstoffabgabe auf. Dex-GSD zeigte dabei zusätzlich eine eigenständige antibakterielle Wirkung, die in Kombination mit Chlorhexidin besonders langanhaltend war. In Tests gegen Escherischia coli, Staphylococcus aureus und S. epidermidis erzielte Dex-GSD deutliche Hemmzonen, während Dex-SD nur gering wirkte. Zellkulturversuche bestätigten eine gute Biokompatibilität beider Varianten.

In vivo-Heilungsergebnisse und Relevanz

In Mausmodellen beschleunigten beide Hydrogele die Wundheilung deutlich, wobei Dex-GSD-2-C die besten Ergebnisse erzielte. Histologisch fanden sich dichter strukturiertes Neubildungsgewebe und eine geringere Infiltration entzündlicher Zellen. Zudem waren die Konzentrationen der Marker IL-1β und TNF-α im Blut reduziert, was auf eine antiinflammatorische Wirkung hindeutet. Insgesamt stellen die entwickelten Dextran-Hydrogele vielversprechende Kandidaten für moderne, antibakterielle Wundauflagen dar.

Autor:
Stand:
20.11.2025
Quelle:

Shen et al. (2025): Dextran based hydrogel wound dressing with cytocompatible, anti-protein and antibacterial properties for infected wound healing. International Journal of Biological Macromolecules, DOI: 10.1016/j.ijbiomac.2025.148709.

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