Der Trend ist ungebrochen: lange, schöne Fingernägel aus dem Nagelstudio. Und wer sich den Besuch dort nicht leisten kann, versucht es im Do-it-yourself-Verfahren. Online sind entsprechende Sets erhältlich, mit dem gerne Kinder, vor allem Teenies, herumexperimentieren. Doch die Substanzen in den semipermanenten Lacken, Acrylnägeln oder den Prothesengelen bergen gesundheitliche Risiken, z.B. Kontaktallergien. Und diese können an den Fingerkuppen und am Nagelwall besonders störend bis schmerzhaft sein, wie Professor Dr. Jeanne Duus Johansen (Kopenhagen) erfahren hat.
Zu den Spitzenreitern der Allergene gehört vor allem Hydroxymethylacrylat (HEMA). Zwar ist HEMA bereits seit 2019 in der Basis-Test-Serie für Kontaktekzeme enthalten, doch ist es erst als Bestandteil der UV-härtenden Nagellacke als Kontaktallergen vermehrt in Erscheinung getreten – mit steigender Tendenz. Wie Johansen berichtete, waren von 2017–2019 nur 2,4 % der Getesteten positiv auf HEMA, 2023 waren es schon 7,0 %. Wer gestylte Nägel haben will, aber auf HEMA reagiert, kann den Stoff nur schwer meiden. Laut einer finnischen Studie waren von 32 getesteten Nagellacken nur bei 12 HEMA auf dem Etikett angegeben, bei 20 hingegen hatten dies die Hersteller unterlassen.
Wer sich vor HEMA schützen will – sei es nun im Freizeitbereich oder beruflich – dem bieten Latex-Handschuhe auch keinen Schutz. HEMA durchdringt die Handschuhe innerhalb von fünf Minuten und gelangt dann auf die Haut, so Johansen. Das betrifft nicht nur Angestellte in Nagelstudios, sondern beispielsweise auch medizinisches Personal – HEMA z.B. auch in Zahnfüllungen vor.
Häufig Onycholyse durch semipermanente Lacke
Inwieweit die in der Nagelkosmetik häufig verwendeten semipermanente Lacke Nagelschäden hervorrufen, wollte auch eine marokkanische Studiengruppe herausfinden. Semipermanente Lacke sind Hybridprodukte zwischen Gel und Lack. Sie müssen unter UV- oder LED-Lampe aushärten, wobei die (Meth)acrylate polymerisieren.
Die Dermatologen der Universität Marrakesch untersuchten 60 Frauen von denen 86 % seit mehr als zwei Jahren semipermanenten Lack mehrmals pro Jahr verwendeten. Bei fast allen Teilnehmerinnen (97 %) fanden sich nach Entfernen des Lackes Farbveränderung der Nagelplatte (überwiegend rötlich). Zudem war auch die Qualität der Nägel selbst beeinträchtigt: Bei 94 % wurde eine Atrophie registriert, bei 60 % kam es sogar zur Onycholyse. Auch Nagelfissuren und Nagelsplitterung wurde bei mehr als zwei Drittel der Teilnehmerinnen beobachtet. Anders als in der Literatur beschrieben, fanden sich in dieser Studie jedoch nur zwei Fälle von allergischen Hautreaktionen. Nach Entfernen des Lackes waren bei fast allen Frauen die Nägel deutlich brüchiger als vor der Nagelkosmetik und 80 % klagten sogar über Nagelschmerzen bei alltäglichen Aktivitäten.








