Mycosporin-ähnliche Aminosäuren in der Hautpflege

Mycosporin-ähnliche Aminosäuren gelten als natürliche UV-Filter mit hoher photochemischer Stabilität. Derzeit wird ihr Einsatz in Hautpflegeprodukten intensiv erforscht und könnte neue Impulse für die kosmetische Dermatologie liefern.

Cyanobakterien

Im Zuge der Suche nach verträglichen und umweltfreundlichen Alternativen zu synthetischen UV-Filtern gewinnen natürliche Photoprotektiva an Bedeutung. Eine Wirkstoffklasse, die zunehmend in den Fokus rückt, sind mycosporin-ähnliche Aminosäuren (MAAs).

MAAs: Chemische Struktur und photoprotektive Eigenschaften

Diese niedermolekularen, wasserlöslichen Verbindungen absorbieren ultraviolette Strahlung im Bereich von 310 bis 365 nm und zeichnen sich durch eine hohe Photostabilität aus. Zusätzlich verfügen sie über antioxidative, entzündungshemmende und zellprotektive Eigenschaften. Ihre strukturelle Basis bildet ein Cyclohexanon- oder Cyclohexenimin-Ring mit funktionellen Gruppen, die je nach Subtyp für die Absorption im UVB- oder UVA-Bereich verantwortlich sind. Bekannte Vertreter sind Shinorine, Porphyra-334 und Palythine.

Systematische Bewertung von MAAs in Hautpflegeprodukten

Das Ziel einer aktuellen Analyse bestand darin, das Anwendungspotenzial von MAAs in kosmetischen Hautpflegeformulierungen systematisch zu erfassen. Im Fokus standen dabei Patente, die zwischen 2014 und 2024 veröffentlicht wurden. Die Recherche erfolgte über die Datenbank des Europäischen Patentamts mit dem Suchbegriff „mycosporine” und der Klassifikation A61Q19 (kosmetische Hautpflegepräparate). Ergänzend erfolgte eine Auswertung der Fachliteratur auf PubMed.

Internationale Entwicklungen und Anwendungsspektrum

Insgesamt wurden 14 relevante Patente identifiziert. Die Patentaktivität nahm in den letzten Jahren zu und erreichte im Jahr 2024 ihren Höhepunkt. Führend waren China und Dänemark, gefolgt von Korea, Japan, Italien und Chile.

Die Anwendungen der MAAs gehen über den klassischen Sonnenschutz hinaus und umfassen die Bereiche Zellregeneration, Schutz vor elektromagnetischer Strahlung, Stabilisierung lichtempfindlicher Inhaltsstoffe und antimikrobielle Effekte. In vielen Formulierungen werden MAAs als multifunktionale Inhaltsstoffe eingesetzt, häufig in Kombination mit pflanzlichen Polyphenolen oder marinen Extrakten.

MAAs zur Optimierung von Lichtschutz und Formulierungsstabilität

MAAs absorbieren effizient UV-Strahlung und geben die Energie in Form von Wärme ab, ohne dabei reaktive Sauerstoffspezies zu erzeugen. In-vitro-Daten zeigen, dass bereits geringe Mengen MAAs den Lichtschutz deutlich verstärken können. So führte die Zugabe von 3 % MAA-1 in einer Formulierung zu einer Steigerung des Lichtschutzfaktors (SPF) um bis zu 170 %. Gleichzeitig erhöht sich die Wasserresistenz, wodurch sich die Schutzdauer verlängert. MAAs verbessern zudem die photochemische Stabilität anderer UV-Filter und eignen sich daher als Additive in modernen Sonnenschutzpräparaten.

Antioxidative und regenerierende Eigenschaften

Neben der UV-Absorption wirken MAAs antioxidativ. Studien mit Porphyra-334 und Shinorine zeigen eine dosisabhängige Radikalfängeraktivität sowie die Induktion zellprotektiver Gene, darunter Metallothionein. In einigen Patenten wird zudem die Verwendung von MAAs in regenerativen Hautpflegeprodukten und Wundheilungsformulierungen beschrieben. Dabei wird auf Signalwege wie die fokale Adhäsionskinase (FAK), die extrazellulär regulierte Kinase (ERK) und die c-Jun-N-terminale Kinase (JNK) Bezug genommen. Diese spielen eine zentrale Rolle bei der Zellreparatur, der Kollagensynthese und der Regulation entzündlicher Prozesse.

Galenische Anwendung und konservierende Eigenschaften

MAAs werden zunehmend in modernen Trägersystemen, wie beispielsweise doppelten Nanoemulsionen, eingesetzt. Diese Formulierungen ermöglichen eine kontrollierte Wirkstofffreisetzung und erhöhen die Stabilität gegenüber Licht und Oxidation. Eine weitere Entwicklung ist eine selbstkonservierende Pflegeessenz mit MAAs, Aloe vera, Glutathion und Fermenten. Aufgrund ihrer antioxidativen Wirkung können MAAs herkömmliche Konservierungsmittel zudem teilweise ersetzen oder ergänzen.

Algenbasierte Rohstoffe und Einsatzkonzentrationen

Die in den Patenten eingesetzten MAAs stammen in der Regel aus Cyanobakterien, Mikroalgen oder marinen Rotalgen, beispielsweise aus Porphyra umbilicalis und Pyropia columbina. Je nach Formulierungstyp liegen die Einsatzkonzentrationen zwischen 0,01 und 15 %, in feuchtigkeitsspendenden Essenzen meist bei 0,01 bis 2 %. Diese Mengen sind ausreichend, um einen UV-Schutz und antioxidative Effekte zu erzielen, ohne die Formulierung zu destabilisieren.

Marktreife und Perspektiven

Von den analysierten Patenten ist derzeit nur ein Produkt kommerziell verfügbar: der Algenextrakt Klamin aus Aphanizomenon flos-aquae. Viele der übrigen Patente wurden erst kürzlich veröffentlicht, eine Markteinführung steht in vielen Fällen noch aus. Die zunehmende Patentaktivität unterstreicht jedoch das wachsende Interesse an natürlichen, multifunktionalen Inhaltsstoffen.

MAAs als Zukunftsoption in der Hautpflege

Mycosporin-ähnliche Aminosäuren weisen ein vielversprechendes Wirkprofil für dermatologische und kosmetische Anwendungen auf. Sie vereinen Photoprotektion, antioxidative Effekte und Formulierungsstabilität in einem natürlichen Wirkstoffsystem. Herausforderungen betreffen vor allem Herstellung, Zulassung und klinische Validierung. Die wachsende Patentaktivität und das wissenschaftliche Interesse sprechen für ein zunehmendes Anwendungspotenzial.

Autor:
Stand:
17.06.2025
Quelle:

Urrea-Victoria et al. (2025): The role of mycosporine-like amino acids in skin care formulations: a patent review (2014–2024). Photochemical and Photobiological Sciences, DOI: 10.1007/s43630-025-00717-8

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