EADV 2024: Outcome-Messinstrumente bei Hidradenitis suppurativa

Die Therapie von Hidradenitis suppurativa ist aufgrund des individuellen Krankheitsverlauf oft eine Herausforderung. Auf dem EADV-Kongress wurden neue objektive und patientenberichtete Messinstrumente vorgestellt, die die Therapieplanung und -evaluation deutlich verbessern könnten.

Hidradentis suppurativa

Hidradenitis suppurativa (HS, Akne inversa) ist eine chronische entzündliche Hauterkrankung, die vor allem apokrine Drüsenareale wie Achseln, Leisten und Gesäß befällt. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch rezidivierende Knoten, Abszesse und Fisteln, die häufig zu Vernarbungen führen. Angesichts der erheblichen Variabilität des Krankheitsverlaufs zwischen verschiedenen Patienten sind Instrumente zur Beurteilung der Krankheitsaktivität von besonderer Bedeutung. Auf dem diesjährigen EADV-Kongress präsentierte Assoc. Prof. Francesca Prignano die aktuellen Möglichkeiten und Herausforderungen der Outcome-Evaluation in der klinischen Praxis.

Klinische Bewertung von Hidradenitis suppurativa

Objektive Outcome-Messinstrumente (OMI) wurden entwickelt, um den Krankheitsverlauf und Behandlungserfolg aus klinischer Sicht zu beurteilen. Im Laufe der Jahre haben sich viele verschiedene Modelle etabliert. Assoc. Prof. Prignano stellte in ihrem Vortrag die wichtigsten vor.

Das Hurley Staging, das seit 1989 im Einsatz ist, ist eine einfache und grobe Einteilung des Schweregrades. Es teilt die Erkrankung in drei Stadien von I bis III ein und ist besonders für die chirurgische Planung nützlich, da es die Anzahl der Abszesse und Fisteln im Verhältnis zu den Sinusgängen bewertet.

Der Sartorius-Score, der 2003 entwickelt und 2007 sowie 2009 modifiziert wurde, reicht über diese einfache Einteilung hinaus. Er berücksichtigt neben der Anzahl der Läsionen auch deren Ausdehnung sowie den Abstand zwischen den betroffenen Arealen, um eine differenziertere Beurteilung zu ermöglichen.

Der 2010 eingeführte Hidradenitis Suppurativa Severity Index (HSSI) konzentriert sich auf die klinischen Symptome der Erkrankung. Er bewertet die Anzahl und Größe der Läsionen, die betroffene Körperoberfläche (Body Surface Area, BSA), den Grad der Sekretion sowie die Schmerzintensität und erlaubt so eine umfassende Analyse der Symptomausprägung.

Die 2012 entwickelte HS-Physician's Global Assessment Scale (HS-PGA) bietet ein noch umfassenderes Bild der Krankheitsaktivität, da sie sowohl entzündliche als auch nicht-entzündliche Knoten erfasst und eine ganzheitliche Beurteilung des Krankheitsverlaufs liefert.

Die Refined Hurley Classification von 2016 stellt eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Hurley-Stagings dar. Sie erweitert die Beurteilung um zusätzliche klinische Parameter wie den Zustand der Sinusgänge und bietet damit eine präzisere Grundlage für die Therapieentscheidung.

Patient-Reported Outcomes für eine patientenzentrierte Versorgung

Patient-Reported Outcomes (PROs) sind wichtige Instrumente, die das subjektive Empfinden und die Lebensqualität von Patienten erfassen und damit eine ganzheitliche Beurteilung des Krankheitsverlaufs und des Therapieerfolgs ermöglichen.

Sie fördern einen patientenzentrierten Ansatz und ermöglichen es, auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen einzugehen. Darüber hinaus erhöhen diese Instrumente die Therapieadhärenz, da die Patienten aktiv in den Behandlungsprozess einbezogen werden.

Beispiele für PROs

Mit dem HS-Symptom-Tagebuch (HSSDD, Hidradenitis Suppurativa Symptom Diary) können die Patienten täglich den Schweregrad ihrer Symptome anhand von Schmerzen und Größe der Läsionen erfassen. Insbesondere kurzfristige Veränderungen können dokumentiert und so Rückschlüsse auf den Therapieerfolg gezogen werden.

Der HS-Symptomfragebogen (HSSQ, Hidradenitis Suppurativa Symptom Questionnaire) bietet einen umfassenden Überblick über die Symptombelastung und die Lebensqualität der Patienten. Er umfasst mehrere Kategorien, die den Einfluss der HS auf die täglichen Aktivitäten und das psychische Wohlbefinden abbilden.

Der HiSQOL-Fragebogen (Hidradenitis Suppurativa Quality of Life) konzentriert sich ebenfalls auf die Lebensqualität und untersucht psychosoziale Faktoren wie Anpassung und emotionale Belastung. In der dermatologischen Praxis stellt der HiSQOL-Fragebogen eine wertvolle Ergänzung dar, da er über die rein klinischen Symptome hinausgeht.

Elektronische Erfassung von PROs: Fortschritt für die Patientenversorgung

Die Einführung elektronischer Versionen von PROs über Apps bietet Patienten eine einfache Möglichkeit, ihre Symptome kontinuierlich zu dokumentieren. Die Daten können schnell an den behandelnden Arzt übermittelt werden, was eine engmaschige Kontrolle und schnelle Anpassung der Therapie ermöglicht und zu besseren Outcomes führt.

Herausforderungen bei der Messung von Outcomes in HS-Studien

Trotz der Fortschritte bei der Entwicklung neuer Messinstrumente bleibt die Heterogenität der Outcome-Messungen in der klinischen Praxis eine große Herausforderung. Diese Fragmentierung erschwert nicht nur den Vergleich von Studienergebnissen, sondern führt auch zu Unsicherheiten bei der Anwendung in der Praxis.

IHS4 und IHS455: Fortschritt in der HS-Beurteilung

Das International Hidradenitis Suppurativa Severity Score System (IHS4) und die kürzlich entwickelte Version IHS4-55 sind wichtige Instrumente zur Beurteilung des Schweregrads der HS. Der IHS4-Score basiert auf der Anzahl der Knoten, Abszesse und Fisteln und ist damit ein dynamisches, einfach anzuwendendes und gut reproduzierbares Instrument. Dieser Score hat sich nicht nur in klinischen Studien als zuverlässig erwiesen, sondern wird zunehmend auch in der klinischen Praxis zur Überwachung des Krankheitsverlaufs und zur Unterstützung therapeutischer Entscheidungen eingesetzt.

Die Version IHS4-55, eine vereinfachte Version des klassischen IHS4-Scores, zeichnet sich durch eine dichotome Interpretation aus, bei der eine Reduktion des Gesamtscores um 55% als Marker für den Behandlungserfolg dient. Diese dynamische Anpassung erleichtert es Klinikern, den Fortschritt einer Therapie besser zu beurteilen, insbesondere bei schwerwiegenden Fällen von HS. Prof. Prignano betonte die Bedeutung dieser beiden Instrumente in der täglichen Praxis, um eine objektive und konsistente Beurteilung der Krankheitsaktivität zu ermöglichen.

Empfehlung für den klinischen Alltag

Zusammenfassend betonte Prof. Prignano, dass die Fragmentierung der Outcome-Messungen ein anhaltendes Problem für die Bewertung von HS darstelle. Die Verwendung von validierten Instrumenten wie IHS4 und IHS455 sei entscheidend, um eine konsistente und zuverlässige Beurteilung der Krankheitsaktivität zu gewährleisten.

Dermatologen sollten diese im klinischen Alltag verstärkt einsetzen, um die Versorgung von HS-Patienten nachhaltig zu verbessern.

Autor:
Stand:
07.10.2024
Quelle:

Prignano F. et al.: „Hidradenitis suppurativa: Novel outcome measures for your daily clinical practice”, EADV Kongress der European Academy of Dermatology and Venerology (EADV), Amsterdam, 26. September 2024

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