Asthma – die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern
Die Asthmaprävalenz während der Kindheit ist in den letzten 20 Jahren stetig gestiegen. Die Prävalenz in Deutschland liegt für die unter Sechsjährigen zwischen 2,6 und 2,8%.
Bei wem persistiert das Asthma über frühe Kindheit hinaus?
Etwa ein Drittel aller Kinder leidet während der ersten drei Lebensjahre mindestens einmal an einer obstruktiven Episode. Viele dieser Kinder werden zwischen dem dritten und achten Lebensjahr wieder symptomfrei. Dennoch entwickeln einige der Patienten mit obstruktiver Bronchitis später im Leben ein persistierendes Asthma.
Als prognostische Marker für die Asthmapersistenz gelten derzeit eine Atopie, positive Familienanamnese für allergische Erkrankungen, frühe allergenspezifische Sensibilisierung gegenüber ganzjährigen Allergenen wie beispielsweise den Hausstaubmilben, eine Lebensmittelallergie auf Hühnerei und eine bronchiale Hyperreagibilität.
Stellung der Diagnose: Herausforderung bei kleinen Kindern
Ungefähr 70% der Asthmapatienten sind vor dem Alter von fünf Jahren von der Erkrankung betroffen. Aufgrund des Alters und der Compliance dieser Altersgruppe stellt die Diagnostik bei ihnen eine Herausforderung dar.
Provokationstest zur Diagnostik der bronchialen Hyperreagibilität
Da die meisten Kinder mit Asthma eine normale Lungenfunktion haben, kann nur ein Provokationstest eine bronchiale Hyperreagibilität zeigen. Meist wird bei Kindern der Metacholintest genutzt. Dieser Test triggert eine Bronchokonstriktion über direkte Kontraktion der glatten Bronchialmuskulatur.
Einige Studien konnten zeigen, dass die frühe Anwesenheit einer bronchialen Hyperreagibilität prädiktiv dafür ist, später im Leben an Asthma zu leiden. Zudem ist die Anwesenheit einer Sensibilisierung auf Hausstaubmilben hochprädiktiv für eine Asthmapersistenz. Die Entwicklung einer bronchialen Hyperreagibilität bei jungen Kindern mit und ohne Sensibilisierung ist jedoch weniger klar.
Studie untersuchte Entwicklung einer bronchialen Hyperreagibilität bei Kindern
Eine aktuelle retrospektive Studie untersuchte daher die Entwicklung einer bronchialen Hyperreagibilität bei 198 jungen Kindern. Die Patienten wurden in die Gruppen ohne allergische Sensibilisierung (n=110) versus vorhandene allergische Sensibilisierung (n=88) eingeteilt.
Insgesamt litten 95 Patienten (47 Kinder ohne allergische Sensibilisierung, die im Median 4,3 Jahre alt waren versus 48 Kinder mit allergischer Sensibilisierung, die im Median 4,7 Jahre alt waren) an einer initial schweren bronchialen Hyperreagibilität (Metacholintest <0,1mg).
Patienten mit allergischer Sensibilisierung benötigen häufiger Asthmamedikamente
49,5% der Kinder nahmen vor ihrem ersten Metacholintest keine Asthmamedikamente ein. Im Vergleich dazu erhielten zum Zeitpunkt des Follow Ups mehr Kinder eine Asthmatherapie. Dies betraf insbesondere die Kinder mit einer Hausstaubmilbenallergie.
Diese erhielten im Vergleich zu den Kindern ohne Hausstaubmilbenallergie signifikant häufiger inhalative Kortikosteroide und langwirksame Antagonisten (14,9% versus 37,5%; p=0,019).
Patienten mit mehreren Allergien hatten höhere Krankheitsschwere
In der Studiengruppe der Hausstaubmilbenallergikern befanden sich 28 Patienten, die polysensibilisiert (Gras, Birkenpollen, Katze, Hund und Alternaria) waren. In Bezug auf die bronchiale Hyperreagibilität unterschieden sie sich nicht von den monosensibilisierten Hausstaubmilbenallergikern. Es fand sich bei ihnen jedoch ein signifikant höherer eNO-Wert, was für eine höhere Krankheitslast und -schwere spricht (9 ppb versus 26 ppb; p<0,001; Normwert eNO <25 ppb). eNO ist ein Marker für eine allergische eosinophile Entzündung der bronchialen Muskulatur. Er dient als guter prädiktiver Marker eines allergischen Asthmas.
Hausstaubmilbensensibilisierung als Prädiktor für Persistenz der Hyperreagibilität
Die Wissenschaftler sahen zudem, dass die Patienten, die eine Hausstaubmilbensensibilisierung aufwiesen, beim Follow Up eher eine Persistenz der schweren bronchialen Hyperreagibilität im Vergleich zu den nichtsensibilisierten Kindern (43,8% versus 10,6%; p<0,001) zeigten. Die Mehrheit der Kinder ohne allergische Sensibilisierung verlor hingegen ihre schwere bronchiale Hyperreagibilität bis zum Schulalter wieder.
Identifikation von Hochrisikopatienten
Die Studienautoren schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass durch die Nutzung des Algorithmus aus Metacholintest und Allergietestung Hochrisikopatienten identifiziert werden und so bereits in frühen Krankheitsstadien optimal behandelt werden könnten.








